Campingstuhl reparieren: drei Schäden, zwei davon lohnen sich

Ein Campingstuhl geht fast immer an einer von drei Stellen kaputt. Zwei davon lassen sich in zwanzig Minuten beheben, eine ist das Ende.

Schaden 1: Das Gummiseil ist ausgeleiert

Bei faltbaren Stühlen mit Steckgestänge laufen die Segmente auf einem elastischen Seil. Es hält sie zusammen, wenn der Stuhl auseinandergenommen ist — tragen tut es nichts.

Das ist der häufigste Schaden, der harmloseste und der am leichtesten zu behebende. Symptome: Die Segmente fallen beim Aufbau auseinander, die Steckverbindungen sitzen lose, der Stuhl fühlt sich wackelig an, obwohl kein Teil gebrochen ist.

Reparatur:

  1. Altes Seil an einem Ende lösen — meistens ein Knoten hinter einer Endkappe oder eine kleine Klemme.
  2. Neues Gummiseil durchziehen. Es gibt Gummikordel meterweise im Baumarkt; der Durchmesser des alten Seils ist das Maß.
  3. Vorspannung: das Seil im eingebauten Zustand um etwa ein Viertel seiner Länge gedehnt einknoten. Zu stramm verkantet die Steckverbindungen, zu lose löst das Problem nicht.
  4. Knoten hinter der Endkappe versenken.

Dasselbe Prinzip gilt für Zeltgestänge — die Bauart ist dieselbe.

Schaden 2: Eine Strebe ist gebrochen

Hier entscheidet das Material, was möglich ist:

Material Bruchbild Reparatur
Stahl biegt sich, bricht selten zurückbiegen, Knickstelle schienen
Aluminium knickt und reißt an der Knickstelle Schiene; Rückbiegen reißt es vollends
Glasfaser splittert längs Schiene, Splitter sind scharf
Kunststoffgelenk bricht am Nietauge meistens Ende, Ersatzteil nötig

Die Schiene ist die universelle Feldreparatur: ein Rohrstück, das über die Bruchstelle passt, mittig darübergeschoben und an beiden Enden fest umwickelt. Zeltstangen-Reparaturhülsen aus dem Zeltzubehör passen oft auf Stuhlgestänge. Alternativ ein aufgeschlitztes Alurohr oder ein Holzstück als Schiene.

Wichtig: Die Schiene muss mindestens so weit über die Bruchstelle hinausreichen, wie das Rohr dick ist, und zwar auf beiden Seiten — sonst wandert der Bruch an die Kante der Schiene.

Was man nicht macht: Aluminium zurückbiegen. Es ist an der Knickstelle bereits verformt und reißt beim zweiten Mal. Schweißen oder Löten funktioniert bei den dünnwandigen Legierungen im Campingbereich nicht mit Bordmitteln.

Schaden 3: Der Stoff ist gerissen

  • Riss in der Fläche: reparabel. Ein Stück festes Gewebe von unten unterlegen und großflächig vernähen oder mit Gewebeklebeband beidseitig verkleben. Ecken abrunden — dasselbe Prinzip wie bei Nähten und Nahtband.
  • Riss an der Naht oder an der Aufhängung: kritisch. Dort läuft die Last zusammen, und ein Flicken an einer Lastaufnahme hält nicht. Hier endet die Reparatur.
  • Stoff ist flächig mürbe und reißt an mehreren Stellen: UV-Schaden. Der Stuhl ist am Ende seiner Lebensdauer; ein Flicken verlagert den nächsten Riss nur.

Wann der Stuhl in den Müll gehört

Nicht jede Reparatur ist eine gute Idee. Ein Campingstuhl trägt eine Person in anderthalb Metern Fallhöhe über hartem Boden. Aufhören sollte man bei:

  • Brüchen an tragenden Gelenken und Nietaugen
  • mehr als einer geschienten Stelle an derselben Strebe
  • Rissen direkt an der Stoffaufhängung
  • flächig mürbem Gewebe

Was die Gestelle tatsächlich tragen, steht unter Belastbarkeit von Campingstühlen — und ob es sich lohnt, gleich zum teureren Modell zu greifen, unter Discounter oder Marke.

Was vorher hilft

  • Nicht auf unebenem Boden belasten. Steht ein Bein höher, trägt die Diagonale die Last allein — das ist der klassische Knick.
  • Nicht kippeln und nicht auf den Armlehnen sitzen. Beides bringt die Last an Stellen, für die sie nicht gedacht ist.
  • Trocken einpacken. Feuchte Stoffe schimmeln, feuchtes Alu korrodiert in der Steckverbindung und frisst sich fest.
  • Sand aus den Steckverbindungen klopfen, bevor der Stuhl in die Tasche kommt.
  • Nicht in der Sonne stehen lassen, wenn er nicht benutzt wird — UV ist der Grund, warum Stoffe nach drei Sommern mürbe sind.

Was wir noch nicht wissen

  • Welche Hersteller Ersatzteile liefern. In unserem Feld ist bei keinem Modell angegeben, ob es Ersatzgestänge oder Ersatzbespannung gibt.
  • Wie stark eine geschiente Strebe noch trägt. Dazu gibt es keine Angaben, und wir haben keinen Prüfstand.
  • Die tatsächliche UV-Beständigkeit der Bespannungen. Kein Hersteller nennt sie, obwohl der Stuhl den ganzen Sommer draußen steht.

Häufige Fragen

Warum fällt mein Campingstuhl beim Aufbau auseinander?

Weil das elastische Seil im Gestänge ausgeleiert ist. Es hält die Segmente zusammen, wenn der Stuhl auseinandergenommen ist, trägt aber keine Last — der Stuhl ist also nicht gefährlich, nur unhandlich. Die Reparatur ist die billigste von allen: Gummikordel passenden Durchmessers aus dem Baumarkt durchziehen und im eingebauten Zustand um etwa ein Viertel ihrer Länge gedehnt einknoten.

Kann man eine gebrochene Alustrebe am Campingstuhl reparieren?

Mit einer Schiene ja, durch Zurückbiegen nein. Aluminium ist an der Knickstelle bereits verformt und reißt beim zweiten Biegen vollends. Als Schiene eignet sich ein Rohrstück, das über die Bruchstelle passt — Reparaturhülsen aus dem Zeltzubehör passen oft. Sie muss auf beiden Seiten mindestens so weit über den Bruch hinausreichen, wie das Rohr dick ist, sonst wandert der Bruch an die Kante der Schiene.

Wann lohnt sich die Reparatur nicht mehr?

Bei Brüchen an tragenden Gelenken und Nietaugen, bei mehr als einer geschienten Stelle an derselben Strebe, bei Rissen direkt an der Stoffaufhängung und bei flächig mürbem Gewebe. Ein Campingstuhl trägt eine Person in anderthalb Metern Fallhöhe über hartem Boden — an den Lastaufnahmen hält kein Flicken.

Wie repariert man einen Riss im Stuhlbezug?

In der Fläche: ein Stück festes Gewebe von unten unterlegen und großflächig vernähen oder beidseitig mit Gewebeklebeband verkleben, Ecken abrunden. An der Naht oder an der Aufhängung lohnt es nicht, weil dort die Last zusammenläuft. Reißt der Stoff an mehreren Stellen, ist es ein UV-Schaden, und ein Flicken verlagert nur den nächsten Riss.

Weiterlesen

Seit 2008 auf Musikfestivals unterwegs, von 550 bis über 200.000 Gästen, mit Auto und mit Bahn, im Zelt und im Wagen. Vergleicht Festivalausrüstung anhand von Herstellerdatenblättern und Normen statt anhand von Werbetexten.