Kein Hersteller in unserem Pavillon-Vergleich nennt eine Windlastgrenze oder eine erforderliche Ballastmasse — bei einem Produkt, dessen häufigster Schadensfall das Wegfliegen ist. Diesen Rechner gibt es, weil die Angabe fehlt.
Wie gerechnet wird — und was die Rechnung nicht ist
Der Staudruck des Windes ist q = ½ · ρ · v² mit der Luftdichte ρ = 1,25 kg/m³. Die Abhebekraft ergibt sich als F = cf · q · A, wobei A die Dachfläche und cf ein angenommener Kraftbeiwert ist. Die Masse folgt aus F geteilt durch 9,81 m/s².
Für die Windgeschwindigkeit setzt der Rechner die Mitte des jeweiligen Beaufort-Bereichs ein. Am oberen Rand derselben Windstärke liegen die Werte deutlich höher, weil die Kraft quadratisch mit der Geschwindigkeit wächst.
Das ist keine statische Bemessung. Die Rechnung unterschlägt Böenfaktoren, die genaue Dachgeometrie, die Reibung der Standfüße auf dem Untergrund und die Frage, ob zuerst das Gestänge oder die Verankerung nachgibt. Eine belastbare Beurteilung erfolgt nach EN 1991-1-4, der Norm für Windlasten auf Tragwerke. Kein Hersteller in unserem Pavillon-Vergleich veröffentlicht eine Windlastgrenze oder eine erforderliche Ballastmasse — deshalb gibt es diesen Rechner.
Der Kraftbeiwert ist die größte Unsicherheit. 1,0 bedeutet die Annahme, dass der volle Staudruck als Abhebekraft wirkt. Geschlossene Seitenteile vergrößern die Angriffsfläche und verschlechtern die Lage, offene Seiten lassen den Wind durch.
Was die Zahl bedeutet
Ein Pavillondach ist eine angeströmte Fläche. Der Wind drückt nicht nur dagegen, er zieht vor allem nach oben — genau wie an einer Tragfläche. Die Standfüße müssen diesen Zug aufnehmen, entweder durch Gewicht oder durch Verankerung im Boden.
Die Rechnung dahinter besteht aus zwei Schritten:
- Staudruck: q = ½ · ρ · v², mit der Luftdichte ρ = 1,25 kg/m³. Weil die Geschwindigkeit quadratisch eingeht, verdoppelt sich die Kraft nicht mit doppeltem Wind — sie vervierfacht sich.
- Abhebekraft: F = cf · q · A, mit der Dachfläche A und einem angenommenen Kraftbeiwert cf. Geteilt durch 9,81 m/s² ergibt das die Masse, die dagegenhalten muss.
Der Rechner setzt für jede Windstärke die Mitte des Beaufort-Bereichs ein. Am oberen Rand derselben Windstärke liegen die Werte deutlich höher. Die Beispielrechnungen im Pavillon-Vergleich arbeiten mit glatten 12 beziehungsweise 18 m/s — deshalb weichen die Zahlen dort leicht ab.
Der Kraftbeiwert ist die große Unsicherheit
Er beschreibt, welcher Anteil des Staudrucks tatsächlich als Abhebekraft wirkt, und hängt von der Dachform, der Neigung und davon ab, ob der Wind unten durchziehen kann.
Kontraintuitiv, aber entscheidend: Geschlossene Seitenteile machen die Lage schlechter, nicht besser. Sie verwandeln den Pavillon in einen Sack, der sich füllt. Ein halb geschlossener Pavillon ist dabei am ungünstigsten — die geschlossene Seite hält dagegen, die offene fängt den Wind. Kommt Wind auf, nimmt man die Seitenteile ab, statt sie zu schließen.
Was der Rechner nicht ist
Keine statische Bemessung. Er unterschlägt Böenfaktoren, die genaue Dachgeometrie, die Reibung der Standfüße auf dem Untergrund und die Frage, ob zuerst das Gestänge oder die Verankerung nachgibt. Die belastbare Beurteilung von Windlasten auf Tragwerke erfolgt nach EN 1991-1-4.
Was er liefert, ist die Größenordnung — und die genügt für die praktische Schlussfolgerung. Handelsübliche Standfußgewichte wiegen 5 bis 15 Kilogramm pro Stück. Bereits bei Windstärke 6, die in Deutschland an vielen Sommerwochenenden irgendwo auftritt, reicht das bei einem 3 × 3-Pavillon rechnerisch nicht mehr.
Was auf dem Zeltplatz tatsächlich hilft
- Ballast und Abspannung zusammen. Leinen nach außen nehmen einen Teil der Last auf, bevor die Füße abheben. Gewicht allein wirkt erst, wenn schon gezogen wird.
- Eine Seite tiefer stellen. Ein waagerecht gespanntes Dach sammelt Regenwasser, und wenige Zentimeter wiegen schnell mehrere Kilogramm. Dann versagt die Konstruktion mechanisch, lange bevor Wind eine Rolle spielt. Mehr dazu in der Regenausrüstung.
- Seitenteile abnehmen, wenn Wind aufkommt. Siehe oben.
- Abbauen, wenn niemand da ist. Das ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern die einzige Maßnahme, die zuverlässig wirkt. Ein fliegender Pavillon trifft Nachbarzelte, in denen Menschen schlafen.
Was wir noch nicht wissen
- Den realen Kraftbeiwert eines Faltpavillons mit und ohne Seitenteile. Dafür bräuchte es einen Windkanal — wir können ihn nur als Annahme offenlegen und zur Auswahl stellen.
- Die Haltekraft von Standfußgewichten auf Wiese gegenüber Asphalt. Auf weichem Boden kippt ein Fuß, bevor das Gewicht abhebt. Welche Kraft dafür nötig ist, wollen wir 2027 mit einem Zugkraftmesser bestimmen.
- Ab welcher Last das Gestänge selbst nachgibt. Möglicherweise knickt ein 30-mm-Profil, bevor der Ballast überhaupt zum Thema wird.
Häufige Fragen
Wie viel Gewicht braucht ein Pavillon?
Das hängt von Dachfläche und Windstärke ab. Für einen 3-×-3-Pavillon ergibt die Überschlagsrechnung rund 6 kg je Standfuß bei Windstärke 4, rund 21 kg bei Windstärke 6 und über 50 kg bei Windstärke 8. Handelsübliche Gewichtssätze wiegen 5 bis 15 kg pro Fuß und decken damit etwa Windstärke 5 ab. Weil die Kraft quadratisch mit der Windgeschwindigkeit wächst, ändert sich der Bedarf sehr schnell.
Sandsäcke oder Standfußgewichte?
Physikalisch zählt nur die Masse, nicht die Bauform. Praktisch unterscheiden sie sich in zwei Punkten: Standfußgewichte sitzen direkt am Fuß und wirken dort, wo der Zug angreift, während Sandsäcke über das Bein gehängt werden und pendeln können. Und Sandsäcke lassen sich am Zeltplatz füllen, Gewichtsplatten muss man tragen. Beide ersetzen die Abspannung nicht.
Warum vergrößern geschlossene Seitenteile die Windlast?
Weil sie aus einem durchströmbaren Dach einen geschlossenen Körper machen. Der Wind kann nicht mehr unten durchziehen und drückt stattdessen gegen die Fläche — der Pavillon füllt sich wie ein Sack. Am ungünstigsten ist der halb geschlossene Zustand: Die offene Seite fängt den Wind, die geschlossene hält dagegen. Kommt Wind auf, gehören die Seitenteile ab, nicht zu.
Kann man einen Pavillon auf einer Wiese verankern?
Mit Erdnägeln ja, aber ihre Haltekraft hängt vollständig vom Boden ab: Trockene, harte Wiese hält gut, durchweichter Boden nach einem Regentag fast gar nicht. Deshalb ist die Kombination aus Erdnägeln, Abspannleinen und Ballast am Fuß die einzige sinnvolle Lösung — und auch die ersetzt bei angekündigtem Sturm nicht den Abbau.
Weiterlesen
- Pavillon-Vergleich — Profilmaße, Planen und die fehlenden Herstellerangaben
- Pavillon 3×3 — die Größe für den Zeltplatz
- Faltpavillon — Scherenmechanismus und Aufbau
- Wassersäulen-Checker
- Campingordnung
