Zähneputzen auf dem Zeltplatz: wohin mit dem Wasser

Der banalste Teil der Körperpflege ist auf dem Zeltplatz der mit den meisten offenen Fragen — und zwei davon haben Antworten, die den meisten neu sind.

Wie wenig Wasser nötig ist

Am heimischen Waschbecken laufen beim Putzen oft mehrere Liter durch. Nötig sind:

  • Ein Schluck zum Anfeuchten der Bürste — oder gar keiner
  • Etwa 0,15 Liter zum Ausspülen des Mundes, also ein knapper Becher
  • Ein Schluck zum Abspülen der Bürste

Zusammen rund 0,2 Liter. Ein 10-Liter-Kanister reicht damit für eine Gruppe über ein ganzes Wochenende — der Rest geht für andere Dinge drauf.

Der entscheidende Griff ist der Becher: Er macht den Verbrauch planbar und erspart das Anstehen am Waschhaus.

Wohin ausspucken

Das ist die Frage, die niemand stellt und alle falsch beantworten.

  • Nicht neben das Zelt. Zahnpastareste sind süß und locken Wespen, Ameisen und nachts Tiere an. Eine Stelle, die drei Tage lang zweimal täglich dieselbe Behandlung bekommt, riecht am dritten Tag entsprechend.
  • Nicht in die Trinkwasserentnahme, nicht in den Spülbereich für Geschirr.
  • In den Ausguss, wo es einen gibt — das ist immer die richtige Antwort.
  • Sonst: weit weg, weit verteilt. Nicht an eine Stelle spucken, sondern im Gehen versprühen. Das ist die Regel aus dem Wandersport, und sie funktioniert hier genauso.
  • Mindestens 30 Meter Abstand zu Gewässern — Bach, Teich, See. Tensid- und Fluoridreste gehören dort nicht hinein.

Die Zahnbürste ist das Hygieneproblem

Eine feuchte Zahnbürste in einem geschlossenen Beutel ist warm, dunkel und nass. Das ist genau die Kombination, aus der ein Biofilm entsteht — dasselbe Prinzip wie im Wasserkanister.

  1. Nach dem Putzen gründlich abspülen und kräftig ausschlagen.
  2. Offen trocknen lassen, mit den Borsten nach oben, nicht sofort in den Beutel.
  3. Eine belüftete Schutzkappe statt einer geschlossenen Dose. Geschlossene Behälter sind schlechter als gar keiner.
  4. Nicht in die Nähe der Campingtoilette und nicht offen im Vorzelt neben den Schuhen.
  5. Bürsten nicht bündeln. Vier Bürsten in einem Becher berühren sich.

Nach dem Putzen nicht nachspülen

Ein Punkt, der nichts mit Camping zu tun hat, aber selten bekannt ist: Wer nach dem Putzen den Mund kräftig ausspült, spült das Fluorid mit weg, bevor es wirken kann. Zahnmedizinisch empfohlen ist, die Paste auszuspucken und nur wenig oder gar nicht nachzuspülen.

Auf dem Zeltplatz passt das gut zusammen: Es spart Wasser und wirkt besser.

Wenn gar kein Wasser da ist

  • Trocken putzen, mit einem Erbsenkorn Paste und ohne Spülen. Mechanisch ist das fast so wirksam wie normal.
  • Zahnpastatabletten zum Zerkauen — sie brauchen nur den Speichel.
  • Zahnseide und Interdentalbürsten brauchen kein Wasser und entfernen das, was die Bürste nicht erreicht.
  • Kaugummi mit Xylit ist die Notlösung, kein Ersatz.
  • Kein Alkohol-Mundwasser als Ersatz. Es überdeckt, reinigt aber nicht.

Die Einordnung in den Tagesablauf steht unter Hygiene auf dem Festival; was sonst mit anderthalb Litern geht, unter Duschen ohne Dusche.

Was wir noch nicht wissen

  • Wie schnell eine Zahnbürste im feuchten Beutel besiedelt wird. Das wäre im Labor messbar, nicht mit unseren Mitteln.
  • Ob belüftete Kappen messbar besser sind als geschlossene. Plausibel, aber unbelegt.
  • Welche Festivals Ausgüsse für Abwasser bereitstellen. Steht in kaum einer Veranstalterinformation — wir fragen das für unsere Veranstalterübersicht ab.

Diese Seite fasst allgemeine Hygienepraxis zusammen und ersetzt keine zahnmedizinische Beratung.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser braucht man zum Zähneputzen beim Camping?

Rund 0,2 Liter, wenn man einen Becher benutzt statt laufendem Wasser: ein Schluck zum Anfeuchten, ein knapper Becher zum Ausspülen des Mundes, ein Schluck für die Bürste. Ein 10-Liter-Kanister reicht damit für eine Gruppe über ein ganzes Wochenende.

Wohin spuckt man beim Zähneputzen auf dem Zeltplatz?

In den Ausguss, wo es einen gibt. Sonst weit weg vom Zelt und weit verteilt — im Gehen versprühen statt an eine Stelle spucken. Zahnpastareste sind süß und locken Wespen, Ameisen und nachts Tiere an. Zu Gewässern gehören mindestens 30 Meter Abstand, und in die Trinkwasserentnahme oder den Spülbereich gehört es nie.

Wie lagert man die Zahnbürste beim Camping?

Trocken und belüftet. Nach dem Putzen abspülen, kräftig ausschlagen, offen mit den Borsten nach oben trocknen lassen und erst dann verstauen — am besten unter einer belüfteten Schutzkappe. Eine feuchte Bürste in einer geschlossenen Dose ist warm, dunkel und nass, also genau die Kombination, aus der ein Biofilm entsteht. Geschlossene Behälter sind schlechter als gar keiner.

Kann man ohne Wasser Zähne putzen?

Ja. Trocken putzen mit einem Erbsenkorn Paste und ohne Nachspülen ist mechanisch fast so wirksam wie normal — und zahnmedizinisch sogar günstig, weil kräftiges Nachspülen das Fluorid wegspült, bevor es wirken kann. Alternativen sind Zahnpastatabletten zum Zerkauen sowie Zahnseide und Interdentalbürsten, die ohnehin kein Wasser brauchen.

Weiterlesen

Seit 2008 auf Musikfestivals unterwegs, von 550 bis über 200.000 Gästen, mit Auto und mit Bahn, im Zelt und im Wagen. Vergleicht Festivalausrüstung anhand von Herstellerdatenblättern und Normen statt anhand von Werbetexten.