Mückenschutz auf dem Festival: DEET greift dein Zelt an

Diese Seite ist keine medizinische Beratung. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben auf dem Etikett des jeweiligen Produkts sowie die Auskunft deiner Apotheke oder deiner Ärztin. Wir beschreiben hier den regulatorischen Rahmen und die praktischen Folgen für Ausrüstung, nicht die Anwendung am Menschen.

Ein Zeltplatz ist eine gemähte Wiese, meistens neben Wasser, im Hochsommer, und abends sitzen dort tausend Menschen mit nackten Armen. Besser lässt sich ein Mückenrevier nicht bauen.

Das meiste, was man dagegen kauft, ist ein zugelassenes Biozidprodukt. Das ist der Ausgangspunkt für alles Weitere.

Mückenschutz ist ein Biozidprodukt — und das hat Folgen

Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, um Mücken fernzuhalten, fallen unter die Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über Biozidprodukte, dort als Produktart 19 — Repellentien und Lockmittel. Zuständige Behörde in Deutschland ist die BAuA.

Praktisch heißt das dreierlei:

  • Zugelassene Produkte tragen eine Zulassungsnummer auf der Packung. Das ist das eine belastbare Merkmal in einer Produktklasse, in der sonst mit Prozentzahlen und Stundenangaben geworben wird.
  • Die Wirkstoffe sind bewertet. Anders als bei Campingstühlen und Zelten, wo kein Hersteller eine Prüfnorm nennt, gibt es hier einen behördlichen Rahmen.
  • Die Anwendungshinweise auf dem Etikett sind bindend, nicht als Empfehlung gemeint. Besonders die Altersangaben und die Hinweise zu Schwangerschaft.

Ein „natürliches Mückenspray“ ohne Zulassungsnummer, das mit Wirkung gegen Mücken beworben wird, ist deshalb kein harmloseres Produkt, sondern eines mit weniger belegter Grundlage.

Die vier Wirkstoffe, die im Handel vorkommen

Wirkstoff auch genannt greift Kunststoff an
DEET Diethyltoluamid ja
Icaridin Picaridin, Saltidin nein
IR3535 EBAAP nein
PMD Citriodiol, aus Zitroneneukalyptus nein

Die Wirkdauer hängt an der Konzentration, an der Temperatur, am Schwitzen und an der Mückenart — deshalb nennen die Hersteller Spannen und keine festen Zahlen. Was auf der Packung steht, gilt für die Prüfbedingungen des Herstellers, nicht für eine Augustnacht auf einer Wiese. Nachcremen ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Der Punkt, der auf einem Zeltplatz wirklich zählt: DEET und Kunststoff

DEET ist ein Lösungsmittel für eine ganze Reihe von Kunststoffen. Wer eingecremte Hände hat und dann seine Ausrüstung anfasst, richtet Schaden an, der erst Tage später auffällt:

  • Zeltgewebe und Beschichtungen. Ein Polyurethan-beschichteter Zeltboden ist genau das Material, das DEET angeht. Die Wassersäule, um die es unter Wassersäulen-Checker geht, steckt in dieser Beschichtung.
  • Die Regenjacke. Membran und Imprägnierung sind empfindlich. Mit DEET-Händen in die Kapuze greifen ist eine schlechte Idee.
  • Brillengestelle, Uhrengläser, Handyhüllen. Der Klassiker: matte Flecken auf dem Brillenbügel, die nicht mehr weggehen.
  • Der Griff der Campingstuhl-Armlehne und Kunststoffschnallen. Weniger dramatisch, aber derselbe Mechanismus.

Daraus folgt eine einfache Regel: DEET auftragen, Hände abwischen, dann erst die Ausrüstung anfassen. Oder Icaridin nehmen — es gilt als kunststoffverträglich und ist auf einem Zeltplatz deshalb die pragmatischere Wahl.

Kleidung statt Haut: Permethrin

Für die Imprägnierung von Kleidung gibt es Mittel auf Permethrin-Basis. Das ist ein anderer regulatorischer Fall — Insektizide für Textilien fallen unter eine andere Produktart derselben EU-Verordnung als Haut-Repellentien.

Wichtig dabei:

  • Permethrin gehört auf Kleidung, nicht auf Haut. Das ist kein Ersatz für ein Hautmittel, sondern eine Ergänzung.
  • Die Imprägnierung hält mehrere Wäschen, wie viele, steht auf dem Produkt.
  • Für Katzen ist Permethrin hochgiftig. Wer zu Hause eine hat, behandelt Kleidung nicht in der Wohnung und lässt sie nicht herumliegen.

Was auf einer Wiese mehr bringt als jedes Spray

Die Reihenfolge, nach der wir es sortieren würden:

  1. Lange, weite Kleidung am Abend. Mücken stechen durch eng anliegenden Stoff. Weit geschnitten hilft mehr als dünn.
  2. Kein stehendes Wasser am Platz. Eine vergessene Regentonne, ein Eimer, eine umgedrehte Kühlbox-Deckelmulde voll Regenwasser — das sind Brutplätze in Reichweite. Ausschütten kostet nichts.
  3. Moskitonetz im Zelt. Die meisten Zelte haben eins im Innenzelt. Es funktioniert nur, wenn es geschlossen ist — und das größte Loch ist der Reißverschluss, den abends jemand offen lässt.
  4. Licht nicht direkt am Sitzplatz. Eine Campinglampe ein paar Meter weiter hinstellen zieht Insekten dorthin statt an den Tisch.
  5. Repellent auf die unbedeckten Stellen. Knöchel und Handrücken sind die Stellen, die man vergisst und an denen es am häufigsten juckt.

Was nach dem Stich hilft

In ein Erste-Hilfe-Set nach DIN 13164 gehört kein Mückenstichmittel — das muss man ergänzen. Sinnvoll sind ein kühlendes Gel und, für Menschen, die stark reagieren, etwas aus der Apotheke, das vorher besprochen wurde.

Ein Punkt, der ernst ist: Wer auf Insektenstiche allergisch reagiert, gehört nicht ohne Notfallset auf ein Gelände, auf dem der Rettungsdienst zehn Minuten braucht. Das ist eine Sache, die vor der Anreise mit der Ärztin geklärt wird — genauso wie die Kühlung mitgeführter Medikamente.

Warum hier keine Vergleichstabelle steht

Wir vergleichen auf dieser Seite Produkte anhand von Herstellerdaten, die sich gegeneinander prüfen lassen — Gramm, Millimeter, Liter, Watt. Bei Repellentien wäre das Kernkriterium die Wirkdauer gegen eine bestimmte Mückenart unter definierten Bedingungen, und die veröffentlicht kein Hersteller in vergleichbarer Form.

Was stattdessen beworben wird, sind Stundenangaben ohne Prüfbedingung und Prozentangaben ohne Bezugsgröße. Eine Tabelle daraus wäre eine Abschrift von Werbetexten — dieselbe Begründung, aus der wir bei der Kühltasche auf ein Produktfeld verzichten.

Das eine belastbare Merkmal ist die Zulassungsnummer auf der Packung. Danach kann jeder selbst gehen, und dafür braucht es keine Tabelle von uns.

Was wir noch nicht wissen

  • Die tatsächliche Wirkdauer unter Festivalbedingungen. Schweiß, Sonnencreme, Staub und 30 Grad sind andere Bedingungen als ein Labortest. Verlässlich messen lässt sich das nicht ohne Studienaufbau, und wir schreiben deshalb keine Stundenzahlen hin.
  • Wie stark DEET welche Beschichtung angreift. Dass es Kunststoffe löst, ist unstrittig. Welche Konzentration welchem Zeltgewebe wie schnell schadet, sagt kein Zelthersteller.
  • Ob Permethrin-Imprägnierung die Wassersäule einer Regenjacke verändert. Wir haben bei den Herstellern nachgefragt.

Häufige Fragen

Welcher Mückenschutz fürs Festival?

Auf einem Zeltplatz spricht viel für Icaridin statt DEET — nicht wegen der Wirkung, sondern weil DEET Kunststoffe angreift. Eingecremte Hände am Zeltgewebe, an der Regenjacke, am Brillengestell oder an der Handyhülle hinterlassen Schäden, die erst Tage später auffallen. Icaridin gilt als kunststoffverträglich. Bei beiden gilt: Auf der Packung muss eine Zulassungsnummer stehen, denn Repellentien sind Biozidprodukte nach EU-Verordnung 528/2012.

Greift DEET Zeltgewebe an?

Ja, DEET löst eine Reihe von Kunststoffen — und ein Zeltboden ist typischerweise polyurethanbeschichtet, also genau das Material. Dieselbe Empfindlichkeit haben Membranen von Regenjacken, Brillengestelle, Uhrengläser und Handyhüllen. Praktische Regel: auftragen, Hände abwischen, dann erst Ausrüstung anfassen. Wie schnell welche Konzentration welcher Beschichtung schadet, veröffentlicht allerdings kein Zelthersteller.

Woran erkennt man ein zugelassenes Mückenmittel?

An der Zulassungsnummer auf der Packung. Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, um Mücken fernzuhalten, sind Biozidprodukte der Produktart 19 nach der Verordnung (EU) Nr. 528/2012; zuständige Behörde in Deutschland ist die BAuA. Ein Produkt ohne Zulassungsnummer, das trotzdem mit Wirkung gegen Mücken wirbt, ist deshalb nicht das harmlosere, sondern das mit der schwächeren Grundlage.

Was hilft gegen Mücken auf dem Zeltplatz außer Spray?

Vier Dinge, in dieser Reihenfolge: lange und vor allem weite Kleidung am Abend, weil Mücken durch eng anliegenden Stoff stechen; kein stehendes Wasser am Platz, also Eimer und wassergefüllte Deckelmulden ausschütten; das Moskitonetz im Innenzelt tatsächlich geschlossen halten; und die Campinglampe ein paar Meter neben den Sitzplatz stellen statt auf den Tisch. Das Repellent kommt danach, auf Knöchel und Handrücken.

Kann man Kleidung gegen Mücken imprägnieren?

Ja, mit Mitteln auf Permethrin-Basis. Das ist regulatorisch ein anderer Fall als ein Hautmittel und fällt unter eine andere Produktart derselben EU-Verordnung. Permethrin gehört auf Kleidung und nicht auf die Haut, es ersetzt also kein Hautmittel, sondern ergänzt es. Wichtig für Haushalte mit Katze: Permethrin ist für Katzen hochgiftig — behandelte Kleidung gehört nicht in Reichweite.

Weiterlesen

Seit 2008 auf Musikfestivals unterwegs, von 550 bis über 200.000 Gästen, mit Auto und mit Bahn, im Zelt und im Wagen. Vergleicht Festivalausrüstung anhand von Herstellerdatenblättern und Normen statt anhand von Werbetexten. Mehr über uns · So prüfen wir