Auf einer Regenjacke steht eine Millimeterzahl, und die meisten Käufer vergleichen genau diese. Sie ist die am schlechtesten vergleichbare Angabe der ganzen Produktklasse.
Zwei Verfahren, zwei Ergebnisse
Die Wassersäule misst, welchem Wasserdruck ein Gewebe standhält, bevor Wasser durchtritt. Dafür gibt es zwei gängige Verfahren — und sie liefern für denselben Stoff unterschiedliche Zahlen:
- DIN EN ISO 811 — das in Europa übliche Verfahren.
- JIS L 1092 B — die japanische Norm, die von vielen Herstellern verwendet wird.
In unserem Regenausrüstungs-Feld nennt genau ein Hersteller das Verfahren ausdrücklich: „Wassersäule von mindestens 10.000 Millimetern (JIS L 1092 B)“. Bei allen anderen Produkten steht eine Zahl ohne Verfahren — oder gar keine.
Eine Millimeterangabe ohne Prüfverfahren ist deshalb keine vergleichbare Größe. Wir rechnen sie nicht um und stellen sie nicht nebeneinander. Denselben Umgang haben wir beim R-Wert von Luftmatratzen und bei Pavillondächern.
Die Norm, die tatsächlich etwas aussagt: EN 343
Für Schutzkleidung gegen Regen gibt es eine eigene Norm, und sie arbeitet nicht mit Millimetern, sondern mit Pascal und mit Klassen:
| Klasse | Wasserdichtheit | umgerechnet |
|---|---|---|
| Klasse 1 und 2 | ab 8.000 Pa | rund 800 mm |
| Klasse 3 | ab 13.000 Pa | rund 1.300 mm |
| Klasse 4 | ab 20.000 Pa | rund 2.000 mm |
Gerechnet mit 1 mm Wassersäule = 9,80665 Pascal. Und jetzt der Punkt, der alles erklärt:
Ab Klasse 2 wird erst nach einer Vorbehandlung geprüft — Reinigung beziehungsweise fünf Waschgänge, Scheuern, wiederholtes Biegen und Kontakt mit Kraftstoff und Öl. Gemessen wird also der Zustand, in dem sich die Jacke nach Gebrauch befindet, nicht der fabrikneue.
Werbewerte gelten am unbenutzten Stoff. Das ist der Grund, warum eine Jacke mit 20.000 mm auf dem Etikett nach zehn Wäschen durchlassen kann und eine nach EN 343 Klasse 3 geprüfte Jacke mit „nur“ 13.000 Pa nicht.
Einordnen lässt sich das mit unserem Wassersäulen-Checker, der beide Systeme nebeneinanderstellt, ohne sie ineinander umzurechnen.
Die zweite Zahl: Atmungsaktivität
Eine wasserdichte Jacke, die keinen Wasserdampf durchlässt, macht von innen nass. Dafür gibt es in EN 343 den Ret-Wert — den Wasserdampfdurchgangswiderstand. Niedriger ist besser.
Auch er wird in Klassen ausgewiesen. Und auch hier gilt: In unserem Feld nennt ihn kein einziges Produkt. Beworben wird stattdessen „atmungsaktiv“ — ein Wort ohne Maß.
Auf einem Festival ist das relevanter, als es klingt. Wer im Regen vierhundert Meter mit dem Bollerwagen läuft, produziert Wasserdampf, und eine dichte Jacke ohne Abfuhr fühlt sich danach an wie eine nasse.
Was beim Kauf tatsächlich zählt
- Eine Angabe mit Prüfverfahren. Entweder EN 343 mit Klasse oder eine Wassersäule mit benanntem Verfahren. Ohne beides ist die Zahl Dekoration.
- Getapte Nähte. Jede Naht ist eine Reihe von Nadellöchern. Ohne aufgeschweißtes Dichtband tropft es dort, egal wie dicht das Gewebe ist — dasselbe Prinzip wie beim Pavillondach.
- Die Kapuze. Eine Regenjacke ohne Kapuze ist auf einem Zeltplatz eine halbe Jacke. Verstellbar und mit Schirm, sonst läuft das Wasser ins Gesicht.
- Der Schnitt. Lang genug, um im Sitzen den Rücken zu bedecken. Unter einem Rucksackriemen scheuert die Schulternaht — dort versagt die Beschichtung zuerst.
- Zwei- oder dreilagig. Zweilagig ist leichter und günstiger, dreilagig robuster gegen Scheuern. Für ein Wochenende reicht zweilagig.
Damen, Herren, Kinder — der Unterschied ist der Schnitt
Bei denselben Modellreihen wird dieselbe Membran verarbeitet. Die Wassersäule ändert sich nicht mit der Größe oder dem Schnitt. Was sich ändert, sind Ärmellänge, Schulterbreite, Taillierung und die Rückenlänge.
Das heißt praktisch: Wer eine Damenjacke sucht, sucht nach einer passenden Passform in einer Modellreihe, deren technische Angaben stimmen — nicht nach einer anderen Technik. Die Suche nach der „besten Damen-Regenjacke“ ist deshalb eine Passformfrage, die sich online nur begrenzt beantworten lässt.
Die Imprägnierung ist Verschleißteil
Der äußere Stoff einer Regenjacke ist zusätzlich wasserabweisend ausgerüstet, damit er sich nicht vollsaugt. Diese Ausrüstung hält nicht ewig — sie wäscht sich heraus und reibt sich ab.
Woran man es merkt: Das Wasser perlt nicht mehr ab, sondern zieht in den Oberstoff ein. Die Membran ist dann meistens noch dicht, aber die Jacke fühlt sich innen klamm an, weil der nasse Oberstoff den Dampfdurchgang blockiert.
Dagegen hilft Nachimprägnieren, und in vielen Fällen schon Waschen mit dem richtigen Mittel und anschließendes Trocknen im Trockner oder mit dem Bügeleisen bei niedriger Stufe — die Pflegehinweise des Herstellers sind hier verbindlich.
Was wir noch nicht wissen
- Die EN-343-Klassen der Produkte. In unserem Feld ist die Spalte bei allen acht Produkten leer. Wir fragen bei den Herstellern nach, ob geprüft wurde, ohne es auszuweisen.
- Die Ret-Werte. Ebenfalls durchgängig nicht angegeben — und die einzige belastbare Angabe zur Atmungsaktivität.
- Wie schnell die Imprägnierung nachlässt. Dass sie es tut, ist unstrittig. Nach wie vielen Wäschen, sagt niemand.
- Ein eigenes Vergleichsfeld für Jacken. Unser Regenausrüstungs-Datensatz enthält bisher überwiegend Hosen und eine Jacke. Ein belastbares Jackenfeld mit Damen-, Herren- und Kindermodellen bauen wir auf, sobald die Herstellerangaben je Modell verifiziert sind.
Häufige Fragen
Wie viel Wassersäule braucht eine Regenjacke?
Die Frage lässt sich so nicht beantworten, weil eine Millimeterzahl ohne Prüfverfahren nicht vergleichbar ist: DIN EN ISO 811 und JIS L 1092 B liefern für denselben Stoff unterschiedliche Werte. Aussagekräftiger ist die Klasse nach EN 343 — Klasse 3 ab 13.000 Pascal, Klasse 4 ab 20.000. Entscheidend dabei: Ab Klasse 2 wird erst nach Waschen, Scheuern und Biegen geprüft, also im gebrauchten Zustand.
Was bedeutet EN 343?
Die europäische Norm für Schutzkleidung gegen Regen. Sie arbeitet mit Pascal statt Millimetern und teilt in Klassen ein: Klasse 1 und 2 ab 8.000 Pa, Klasse 3 ab 13.000, Klasse 4 ab 20.000. Der entscheidende Unterschied zu Werbeangaben: Ab Klasse 2 wird erst nach einer Vorbehandlung gemessen — fünf Waschgänge, Scheuern, wiederholtes Biegen und Kontakt mit Kraftstoff und Öl. Werbewerte gelten dagegen am fabrikneuen Stoff.
Warum werde ich in meiner Regenjacke von innen nass?
Meistens wegen des Wasserdampfs, den der Körper abgibt. Dafür gibt es in EN 343 den Ret-Wert, den Wasserdampfdurchgangswiderstand — je niedriger, desto besser. In unserem Feld nennt ihn kein einziges Produkt; beworben wird „atmungsaktiv“ ohne Maß. Ein zweiter Grund: Wenn die äußere Imprägnierung nachgelassen hat, saugt sich der Oberstoff voll und blockiert den Dampfdurchgang, obwohl die Membran noch dicht ist.
Unterscheiden sich Damen- und Herren-Regenjacken technisch?
In derselben Modellreihe nicht. Es wird dieselbe Membran verarbeitet, und die Wassersäule ändert sich nicht mit Schnitt oder Größe. Was sich unterscheidet, sind Ärmellänge, Schulterbreite, Taillierung und Rückenlänge. Die Suche nach der besten Damen-Regenjacke ist deshalb vor allem eine Passformfrage.
Wie oft muss man eine Regenjacke imprägnieren?
Wenn das Wasser nicht mehr abperlt, sondern in den Oberstoff einzieht. Eine feste Zahl an Wäschen nennt kein Hersteller in unserem Feld. Oft reicht schon Waschen mit dem richtigen Mittel und anschließendes Trocknen im Trockner oder Bügeln bei niedriger Stufe, um die vorhandene Ausrüstung wieder zu aktivieren — verbindlich sind die Pflegehinweise des Herstellers.
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- Regenhose — die unterschätzte Hälfte
- Wassersäulen-Checker — beide Systeme nebeneinander
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- Abbau und Abreise — trocken einlagern
