Auf der Regenjacke steht 10.000, manchmal 20.000. In der Norm, die Regenschutzkleidung prüft, kommen solche Zahlen gar nicht vor. Beide Angaben stimmen — sie messen nur Verschiedenes.
Was EN 343 prüft
Die Norm gilt für Schutzkleidung gegen Regen und bewertet zwei Eigenschaften getrennt. Jede bekommt eine eigene Klasse von 1 bis 4, und beide stehen im Etikett nebeneinander.
| Wert | misst | besser ist |
|---|---|---|
| Wasserdurchgangswiderstand | ab welchem Druck Wasser durchkommt | höher |
| Wasserdampfdurchgangswiderstand (Ret) | wie stark das Material den Schweiß aufhält | niedriger |
Die zweite Zahl ist die, die seltener beachtet wird und im Sommer mehr ausmacht. Dazu mehr unter Atmungsaktivität und Ret.
Die Klassen
| Klasse | Wasserdichtigkeit | Ret |
|---|---|---|
| 1 | geringste Stufe | über 40 — kaum atmungsaktiv |
| 2 | mittlere Stufe | 25 bis 40 |
| 3 | hohe Stufe | 15 bis 25 |
| 4 | höchste Stufe | bis 15 — sehr atmungsaktiv |
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Zahl, sondern in der Vorbehandlung. Ab Klasse 2 wird nicht am fabrikneuen Stoff gemessen, sondern nachdem er gewaschen und mechanisch beansprucht wurde.
Das ist der eigentliche Wert der Norm: Sie prüft, ob die Jacke nach dem fünften Waschen noch dicht ist — nicht, wie gut sie im Laden aussieht.
Warum die Norm bei etwa 2.000 Millimetern aufhört
EN 343 gibt die Wasserdichtigkeit in Pascal an, nicht in Millimeter Wassersäule. Die Umrechnung ist reine Arithmetik:
1 mm Wassersäule entspricht 9,81 Pascal.
Die höchste Stufe der Norm liegt bei rund 20.000 Pascal — das sind etwa 2.000 Millimeter.
Auf der Jacke steht aber 10.000 oder 20.000 Millimeter. Der Grund: Das ist ein anderes Verfahren. Die Herstellerangabe stammt meist aus einer Prüfung nach DIN EN ISO 811 am unbehandelten Laminat, ohne Waschen, ohne Scheuern, ohne Nähte.
Beide Zahlen sind richtig. Nur:
- Die Normklasse sagt, was nach Gebrauch übrig bleibt.
- Die Millimeterzahl sagt, was das Material im Neuzustand kann.
Wer zwei Jacken vergleicht, vergleicht mit der Klasse. Wer zwei Millimeterangaben vergleicht, muss wissen, ob dasselbe Verfahren dahintersteht — der Wassersäulen-Checker ordnet die Werte ein.
Was auf einem Festival wirklich zählt
- Klasse 3 oder 4 bei beiden Werten. Ein hoher Wasserdruckwert mit Ret über 40 bedeutet: dicht, aber man wird von innen nass.
- Verschweißte Nähte. Die meisten Jacken werden nicht durch die Fläche undicht, sondern an den Nähten — genau wie Zelte, siehe PU oder Silikon.
- Kapuze mit steifem Schirm. Nicht genormt, aber der Unterschied zwischen tragbar und ärgerlich.
- Lüftungsöffnungen unter den Armen. Sie schlagen jede Membran, wenn es warm und nass zugleich ist.
Das dritte Zeichen im Etikett
Manche Jacken tragen ein zusätzliches Symbol für die Prüfung im Regenturm — eine Ganzkörperprüfung unter künstlichem Regen, bei der nicht das Material, sondern das fertige Kleidungsstück bewertet wird.
Das ist die aussagekräftigste Angabe überhaupt, weil sie Nähte, Reißverschlüsse und Schnitt einschließt. Sie steht nur selten dabei.
Was wir noch nicht wissen
- Die Normklassen der Jacken in unserem Feld. Die meisten Hersteller nennen eine Millimeterzahl und keine Klasse — damit ist die Vergleichbarkeit genau dort weg, wo sie zählt.
- Den Ret-Wert. Wird noch seltener genannt als die Wassersäule, obwohl er im Sommer über den Tragekomfort entscheidet.
- Ob nach Vorbehandlung geprüft wurde. Das ist der Kern der Norm — und steht praktisch nie im Datenblatt.
- Eigene Messungen. Eine Wassersäulenprüfung verlangt einen Prüfstand, den wir nicht haben. Was wir prüfen können, steht in der Methodik.
Häufige Fragen
Was bedeutet EN 343 bei einer Regenjacke?
Die Norm für Schutzkleidung gegen Regen. Sie bewertet zwei Eigenschaften getrennt, jede mit einer Klasse von 1 bis 4: den Wasserdurchgangswiderstand, also ab welchem Druck Wasser durchkommt, und den Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret, also wie stark das Material den Schweiß aufhält. Beim ersten Wert ist höher besser, beim zweiten niedriger. Beide Klassen stehen im Etikett nebeneinander.
Warum steht 10.000 mm auf der Jacke, aber EN 343 kennt nur 2.000?
Weil es zwei verschiedene Verfahren sind. EN 343 gibt die Wasserdichtigkeit in Pascal an; die höchste Stufe liegt bei rund 20.000 Pascal, umgerechnet etwa 2.000 Millimeter Wassersäule. Die Herstellerangabe von 10.000 oder 20.000 Millimetern stammt meist aus einer Prüfung nach DIN EN ISO 811 am unbehandelten Laminat — ohne Waschen, ohne Scheuern, ohne Nähte. Die Normklasse sagt, was nach Gebrauch übrig bleibt.
Welche EN-343-Klasse braucht man?
Klasse 3 oder 4 bei beiden Werten. Ein hoher Wasserdruckwert mit einem Ret über 40 bedeutet: Die Jacke ist dicht, aber man wird von innen nass. Wichtig ist außerdem, dass ab Klasse 2 nicht am fabrikneuen Stoff gemessen wird, sondern nach Waschen und mechanischer Beanspruchung — das ist der eigentliche Wert der Norm.
Was ist der Ret-Wert?
Der Wasserdampfdurchgangswiderstand: wie stark ein Material den Schweiß zurückhält. Niedriger ist besser. Über 40 gilt als kaum atmungsaktiv, bis 15 als sehr atmungsaktiv. Er entscheidet im Sommer mehr über den Tragekomfort als die Wassersäule — wird aber noch seltener angegeben.
