Auf einem Festivalgelände begegnet man dem Wort „Pfand“ an mindestens drei Stellen, und gemeint ist jedes Mal etwas anderes.
Die drei Systeme
| System | typische Höhe | Zweck |
|---|---|---|
| Becherpfand | 1 bis 3 € je Becher | Mehrwegbecher zurückholen |
| Müllpfand | 10 bis 20 € einmalig | Müllsack gefüllt zurückbringen |
| Zeltpfand | 20 bis 50 € einmalig | Zelt wieder abbauen |
Nur das erste hat mit dem Pfand aus dem Supermarkt etwas zu tun — und auch das nur entfernt.
Becherpfand
Der Mehrwegbecher ist seit Jahren Standard, weil Einweggeschirr auf Großveranstaltungen praktisch überall zurückgedrängt wurde. Das Prinzip ist simpel, die Details sind es nicht:
- Der Pfandbetrag wird beim ersten Getränk fällig und danach bei jedem Nachkauf mit dem alten Becher verrechnet.
- Rückgabe am Ende an jedem Ausschank oder an eigenen Rückgabestellen.
- Motivbecher nehmen viele als Souvenir mit — das ist eingepreist und kein Fehler im System.
- Manche Festivals arbeiten mit Pfandmarken statt mit Bargeld. Die Marke ist dann der eigentliche Wert, und wer sie verliert, verliert den Pfand.
Praktischer Rat: den Becher nicht einstecken, sondern beim nächsten Getränk abgeben. Ein Becher im Rucksack wird vergessen, ausgelaufen oder zerdrückt.
Das Verpackungsgesetz
Das gesetzliche Einwegpfand auf Getränkeflaschen und Dosen gilt für Verpackungen aus dem Handel. Auf einem Festivalgelände wird in der Regel offen ausgeschenkt — es gibt also keine Einwegverpackung, auf die es anfällt. Das Becherpfand ist stattdessen eine vertragliche Regelung des Veranstalters.
Der praktische Unterschied: Wo und wie man es zurückbekommt, bestimmt der Veranstalter, nicht das Gesetz. Deshalb steht es in der Campingordnung beziehungsweise den Teilnahmebedingungen.
Müllpfand
Beim Einlass werden 10 bis 20 Euro kassiert, meist zusammen mit der Ausgabe von ein oder zwei Müllsäcken. Zurück gibt es das Geld gegen einen gefüllten Sack an einer ausgewiesenen Stelle.
- Die Rückgabestelle hat begrenzte Öffnungszeiten, oft nur am Abreisetag bis mittags. Wer früher fährt, kommt zu spät.
- Manche Festivals verlangen sortierten Müll, andere nehmen alles.
- Es gibt Modelle mit Sachprämie statt Bargeld.
Warum das gegen große Gegenstände kaum hilft und was tatsächlich liegen bleibt, steht unter Müll auf dem Zeltplatz.
Zeltpfand
Das jüngste der drei Systeme und das umstrittenste. Die Idee: Ein Betrag beim Einlass, Rückgabe gegen den Nachweis, dass Zelt und Zubehör abgebaut mitgenommen wurden.
- Der Nachweis ist das Problem. Kontrolliert wird per Stichprobe, per Foto oder per Ausgangskontrolle — alle drei Wege sind aufwendig.
- Die Höhe muss über dem Restwert liegen, sonst wirkt es nicht. Ein 25-Euro-Zelt wird für 20 Euro Pfand trotzdem stehen gelassen.
- Es ist noch nicht verbreitet. Einzelne Veranstalter setzen es ein, flächendeckend ist es nicht.
Was man praktisch dabeihaben sollte
- Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen. Pfand wird bar oder per Marke abgewickelt, und an der Rückgabestelle gibt es oft kein Kartenterminal.
- Pfandmarken an einem festen Ort — nicht in der Hosentasche, in der auch das Feuerzeug liegt.
- Den Rückgabezeitpunkt kennen. Vor allem beim Müllpfand am Abreisetag.
- Mit dem eigenen Cashless-System rechnen. Viele Festivals arbeiten mit aufladbaren Chips; Restguthaben muss separat und oft online zurückgefordert werden, teils mit Frist und Gebühr.
Der letzte Punkt kostet die meisten Leute Geld, weil das Restguthaben auf dem Chip nach dem Festival schlicht vergessen wird.
Was das für die Ausrüstungsplanung heißt
Alle drei Systeme zielen auf dasselbe: dass Sachen wieder mitgenommen werden. Und der wirksamste Hebel ist nicht der Pfandbetrag, sondern ob der Rückweg machbar ist.
Wer alles in einem Bollerwagen hat, nimmt es mit. Wer drei lose Tüten und ein nasses Zelt tragen müsste, lässt Teile stehen. Was in den Wagen passt, rechnet der Zuladungsrechner aus, und wie man den Abbau so organisiert, dass nichts liegen bleibt, steht unter Abbau und Abreise.
Was wir noch nicht wissen
- Welche Festivals welches System in welcher Höhe einsetzen. Das erfassen wir gerade bei den Veranstaltern — gemeinsam mit Glas- und Grillregeln, Landstrom und Entsorgungsstationen.
- Wie hoch die Rückgabequoten sind. Veröffentlichte Zahlen stammen aus Pressemitteilungen einzelner Festivals und sind nicht vergleichbar erhoben.
- Wie viel Cashless-Restguthaben verfällt. Die Anbieter veröffentlichen es nicht.
Häufige Fragen
Wie viel Pfand kostet ein Festivalbecher?
Üblich sind 1 bis 3 Euro je Becher. Der Betrag wird beim ersten Getränk fällig und danach bei jedem Nachkauf mit dem alten Becher verrechnet; zurück gibt es ihn an jedem Ausschank oder an eigenen Rückgabestellen. Manche Festivals arbeiten mit Pfandmarken statt Bargeld — dann ist die Marke der eigentliche Wert, und wer sie verliert, verliert den Pfand.
Gilt das gesetzliche Pfand auch auf dem Festival?
In der Regel nicht. Das Einwegpfand nach dem Verpackungsgesetz gilt für Getränkeverpackungen aus dem Handel; auf dem Gelände wird meist offen ausgeschenkt, es gibt also keine solche Verpackung. Das Becherpfand ist stattdessen eine vertragliche Regelung des Veranstalters. Der praktische Unterschied: Wo und wie man es zurückbekommt, bestimmt der Veranstalter und nicht das Gesetz.
Was ist Müllpfand auf einem Festival?
Ein Betrag von meist 10 bis 20 Euro, der beim Einlass kassiert wird, oft zusammen mit ein oder zwei Müllsäcken. Zurück gibt es ihn gegen einen gefüllten Sack an einer ausgewiesenen Stelle. Wichtig sind die Öffnungszeiten: Die Rückgabe ist häufig nur am Abreisetag bis mittags möglich, wer früher fährt, kommt zu spät. Manche Veranstalter verlangen sortierten Müll, andere nehmen alles.
Was ist ein Zeltpfand?
Ein Betrag von etwa 20 bis 50 Euro beim Einlass, den man zurückbekommt, wenn Zelt und Zubehör nachweislich abgebaut mitgenommen wurden. Das System ist das jüngste der drei und noch nicht verbreitet. Sein Kernproblem ist der Nachweis — kontrolliert wird per Stichprobe, Foto oder Ausgangskontrolle, und alle drei Wege sind aufwendig. Außerdem muss die Höhe über dem Restwert liegen, sonst bleibt ein billiges Zelt trotzdem stehen.
Braucht man auf dem Festival Bargeld für Pfand?
Meist ja. Pfand wird bar oder über Marken abgewickelt, und an Rückgabestellen gibt es oft kein Kartenterminal — kleine Scheine und Münzen sind deshalb sinnvoll. Getrennt davon arbeiten viele Festivals mit einem aufladbaren Cashless-Chip fürs Bezahlen. Dessen Restguthaben muss separat und oft online zurückgefordert werden, teils mit Frist und Gebühr, und genau das wird nach dem Festival regelmäßig vergessen.
