Trockentrenntoilette: der Geruch entsteht erst beim Mischen

Eine Chemietoilette hat auf einem Festivalgelände ein konkretes Problem: Die meisten Zeltplätze haben gar keine Entsorgungsstation. Wer am Sonntag mit 22 Kilogramm Abwasser dasteht, hat dafür keine legale Lösung — das steht ausführlicher unter Campingtoilette entsorgen.

Die Trockentrenntoilette löst genau dieses Problem, weil sie gar kein Abwasser erzeugt.

Das Prinzip in einem Satz

Der Geruch entsteht nicht durch den Urin und nicht durch den Feststoff, sondern durch die Mischung aus beiden.

In der Mischung setzen Bakterien den Harnstoff um; dabei entsteht unter anderem Ammoniak, und das ist der Geruch, den jeder von öffentlichen Toiletten kennt. Getrennt passiert das kaum: Urin ist frisch nahezu geruchsneutral, und Feststoff, der mit trockenem Einstreu bedeckt wird, riecht ebenfalls wenig.

Eine Trockentrenntoilette hat deshalb zwei Behälter: vorn einen Trichter für den Urin, hinten einen Eimer mit Beutel und Einstreu für den Feststoff. Kein Wasser, keine Chemie, keine Pumpe.

Was das auf einem Zeltplatz bedeutet

Chemietoilette Trockentrenntoilette
Entsorgungsstation nötig ja nein
Sanitärflüssigkeit nötig ja, zwei Sorten nein
Wasser nötig 10–21 l Spülwasser keines
Gewicht beim Entleeren 10–22 kg wenige Kilogramm
Aufwand je Nutzung gering (spülen) höher (einstreuen)
Geruch nach drei Tagen hängt am Zusatz gering, wenn konsequent getrennt

Der entscheidende Punkt ist die vorletzte Zeile: Der Feststoffbeutel wiegt nach einem Wochenende zu zweit wenige Kilogramm, nicht zwanzig. Man trägt ihn zum Restmüll, nicht über das halbe Gelände zu einer Station, die es nicht gibt.

Wohin der Inhalt darf

Die folgenden Hinweise beschreiben die gängige Praxis. Verbindlich ist, was der Veranstalter beziehungsweise der Platzbetreiber vorgibt — und in Zweifelsfällen die örtliche Abfallsatzung. Im Zweifel vorher fragen.

  • Der Feststoff mit Beutel und Einstreu geht in aller Regel in den Restmüll. Nicht in den Biomüll und nicht auf den Kompost — auch dann nicht, wenn der Beutel als kompostierbar beworben wird: Industrielle Kompostierbarkeit nach einer Norm heißt nicht, dass ein Gartenkomposter das schafft.
  • Der Urin geht in eine Toilette mit Kanalanschluss. Stark verdünnt ist er auch für die Gartennutzung ein Thema, aber das ist keine Zeltplatzfrage.
  • Nicht ins Dixi und nicht ins Gebüsch — dieselbe Regel wie bei der Chemietoilette.

Der praktische Gewinn bleibt: Restmüllcontainer und normale Toiletten gibt es auf jedem Festivalgelände. Eine Entsorgungsstation für Chemietoiletten nicht.

Das Einstreu ist kein Detail

Es hat zwei Aufgaben: Feuchtigkeit binden und den Feststoff abdecken. Übliche Materialien sind Streu aus Holzfasern, Rindenhumus, Kokosfasern oder Sägespäne — die gängige Praxis, nicht unsere Messung.

  • Nach jeder Nutzung abdecken, nicht erst am Abend. Das ist der ganze Trick.
  • Genug mitnehmen. Für ein Wochenende zu zweit ist ein größerer Sack realistisch, und er ist sperrig — das ist der Preis dieser Bauart.
  • Trocken halten. Nasses Einstreu bindet nichts mehr. Es gehört in einen verschließbaren Behälter, nicht offen in die Apsis.
  • Katzenstreu auf Bentonitbasis ist ungeeignet, weil es klumpt und schwer wird; Streu auf Pflanzenfaserbasis ist die übliche Wahl.

Was hineindarf und was nicht

  • Toilettenpapier: ja, in den Feststoffbehälter. Anders als bei der Chemietoilette braucht es kein schnell zerfallendes Spezialpapier, weil nichts ausgegossen wird.
  • Feuchttücher: ja, aber sie machen den Beutel schwer und nass. Besser separat in den Restmüll.
  • Hygieneartikel: separat entsorgen, nicht in den Feststoffbehälter.
  • Wasser, Spülreste, Getränke: nein. Jede Flüssigkeit im Feststoffbehälter hebt genau die Trennung auf, um die es geht.

Die Nachteile, die dazugehören

  1. Die Trennung muss funktionieren. Der Trichter sitzt vorn, und im Sitzen trifft das meistens. Im Stehen für Männer nicht — dann gehört die Toilette nicht benutzt, sondern eine Flasche oder das Dixi.
  2. Einstreu braucht Platz. Ein sperriger Sack, der trocken bleiben muss.
  3. Der Urinbehälter füllt sich schneller, als man denkt. Ein bis zwei Liter pro Person und Tag sind realistisch; ein 10-Liter-Kanister ist zu zweit nach zwei bis drei Tagen voll.
  4. Mehr Handgriffe je Nutzung. Deckel, Einstreu, Deckel. Nachts im Dunkeln ist das umständlicher als eine Spülung.
  5. Selbstbau ist verbreitet — ein Eimer, ein Trenneinsatz, ein Deckel. Das funktioniert, ist aber eine andere Produktklasse als ein fertiges Gerät mit Sitzhöhe und Standfestigkeit.

Wann die Chemietoilette trotzdem besser ist

  • Wenn es eine Entsorgungsstation gibt. Auf einem klassischen Campingplatz ist das der Normalfall, und dann ist die Chemietoilette einfacher im Betrieb.
  • Wenn Sitzhöhe zählt. Unser Chemietoiletten-Feld reicht von 30,8 bis 44,3 cm Sitzhöhe, mit Modellen auf Haustoilettenniveau. Bei Trockentrenntoiletten ist die Auswahl kleiner.
  • Wenn es schnell gehen muss. Spülen ist ein Knopfdruck, Einstreuen ein Handgriff mehr.
  • Bei Kindern. Die Trennung setzt eine Sitzposition voraus, die nicht jedes Kind zuverlässig trifft.

Warum hier keine Vergleichstabelle steht

Wir haben die Kategorie geprüft. Die Anbieter veröffentlichen Maße und Behältervolumen, aber praktisch nie eine Tragkraft, und die Sitzhöhe nur unregelmäßig — dieselben Lücken, die wir bei den Chemietoiletten dokumentiert haben, nur noch ausgeprägter.

Sobald wir genug Modelle mit vollständigen Herstellerdaten beisammen haben, bauen wir das Feld auf. Bis dahin ist die Systematik oben das, was wir belastbar liefern können.

Was wir noch nicht wissen

  • Tragkraft und Sitzhöhe der gängigen Modelle. Beides wird selten angegeben. Bei den Chemietoiletten nennt immerhin ein Hersteller 130 kg.
  • Wie viel Einstreu ein Wochenende tatsächlich braucht. Wir nennen hier bewusst keine Litermenge, weil wir sie nicht gemessen haben.
  • Wie lange ein Feststoffbehälter geruchsfrei bleibt. Das hängt an Temperatur, Einstreumenge und Konsequenz beim Abdecken. Messbar mit einem Thermometer und einer Nase, nicht gemessen.
  • Ob Veranstalter die Restmüllentsorgung akzeptieren. Wir fragen das bei den großen Festivals ab, zusammen mit der Frage nach der Entsorgungsstation.

Häufige Fragen

Wie funktioniert eine Trockentrenntoilette?

Sie trennt Urin und Feststoff in zwei Behälter: vorn ein Trichter, hinten ein Eimer mit Beutel und Einstreu. Der Grund ist, dass Geruch erst durch die Mischung entsteht — dort setzen Bakterien den Harnstoff um, und dabei entsteht unter anderem Ammoniak. Getrennt riecht frischer Urin kaum, und abgedeckter Feststoff ebenfalls wenig. Kein Wasser, keine Chemie, keine Pumpe.

Trockentrenntoilette oder Chemietoilette fürs Festival?

Trockentrenntoilette, wenn es auf dem Gelände keine Entsorgungsstation für Chemietoiletten gibt — und das ist auf Festival-Zeltplätzen der Normalfall. Der Feststoffbeutel wiegt nach einem Wochenende zu zweit wenige Kilogramm und geht in der Regel in den Restmüll, während ein voller Chemietoilettentank über 20 Kilogramm wiegt und eine Station braucht. Chemietoilette bleibt besser, wo es eine Station gibt und wo Sitzhöhe oder Bedienkomfort zählen.

Wohin mit dem Inhalt einer Trockentrenntoilette?

Der Feststoff mit Beutel und Einstreu geht in aller Regel in den Restmüll — nicht in den Biomüll und nicht auf den Kompost, auch wenn der Beutel als kompostierbar beworben wird: Industrielle Kompostierbarkeit heißt nicht, dass ein Gartenkomposter das schafft. Der Urin gehört in eine Toilette mit Kanalanschluss. Verbindlich ist, was der Veranstalter und die örtliche Abfallsatzung vorgeben.

Welches Einstreu für die Trockentrenntoilette?

Üblich sind Materialien auf Pflanzenfaserbasis: Streu aus Holzfasern, Rindenhumus, Kokosfasern oder Sägespäne. Wichtiger als die Sorte ist die Anwendung — nach jeder Nutzung abdecken, nicht erst am Abend. Das Einstreu muss außerdem trocken bleiben, sonst bindet es nichts mehr, gehört also in einen verschließbaren Behälter. Katzenstreu auf Bentonitbasis ist ungeeignet, weil es klumpt und schwer wird.

Riecht eine Trockentrenntoilette?

Deutlich weniger als erwartet, solange die Trennung funktioniert und nach jeder Nutzung eingestreut wird. Geruch entsteht durch die Mischung aus Urin und Feststoff, nicht durch einen der beiden allein. Der häufigste Fehler ist deshalb Flüssigkeit im Feststoffbehälter — Wasser, Spülreste oder ein danebengegangener Urin heben genau die Trennung auf, um die es geht.

Weiterlesen

Seit 2008 auf Musikfestivals unterwegs, von 550 bis über 200.000 Gästen, mit Auto und mit Bahn, im Zelt und im Wagen. Vergleicht Festivalausrüstung anhand von Herstellerdatenblättern und Normen statt anhand von Werbetexten. Mehr über uns · So prüfen wir