Drei Tage auf einer Wiese ohne Schatten sind mehr UV-Belastung als ein Strandtag — und die Flasche Sonnencreme, die mitkommt, ist in aller Regel zu klein.
Die Zahl, die auf keiner Flasche steht
Der Lichtschutzfaktor wird nach einem genormten Verfahren bestimmt, und dabei werden 2 Milligramm Creme je Quadratzentimeter Haut aufgetragen. In der Praxis sind es meist 0,5 bis 1 mg/cm², also ein Viertel bis die Hälfte.
Und der Schutz sinkt dabei überproportional, nicht linear. Wer ein Viertel der Prüfmenge aufträgt, bekommt deutlich weniger als ein Viertel des ausgewiesenen Faktors.
Was die Prüfmenge konkret bedeutet:
| Menge | |
|---|---|
| Ganzkörper, Erwachsener | rund 30 ml — etwa 6 Teelöffel |
| Gesicht und Hals | rund 3 ml |
| Ein Arm | rund 3 ml |
| Ein Bein | rund 6 ml |
Eine 200-ml-Flasche reicht damit für etwa sechs Ganzkörperanwendungen — bei zweimal täglich also für drei Tage, eine Person. Für eine Gruppe über ein Wochenende ist das die Rechnung, die vorher niemand macht.
Nachcremen stellt die Uhr nicht zurück
Der zweite verbreitete Irrtum. Nachcremen erhält den Schutz, es verlängert ihn nicht. Wer mit LSF 30 nach vier Stunden nachcremt, hat danach wieder LSF 30 — nicht noch einmal die volle Zeit von vorn.
Nachgecremt wird trotzdem, und zwar:
- alle zwei Stunden bei durchgehendem Aufenthalt draußen
- nach Schwitzen, Abtrocknen, Wasser — auch bei „wasserfest“, das bedeutet nur, dass ein Teil des Schutzes erhalten bleibt
- eine halbe Stunde vor dem Hinausgehen das erste Mal
Was mehr bringt als Creme
Für eine Veranstaltung über mehrere Tage ist Creme das schwächste Mittel von dreien, weil sie als einziges alle zwei Stunden wiederholt werden muss.
- Schatten. Ein Sonnensegel oder Pavillon wirkt auf die ganze Gruppe, dauerhaft und ohne Nachlegen. Das ist die wirksamste Einzelinvestition.
- Kleidung. Ein dunkles, weit geschnittenes, dicht gewebtes Hemd schützt besser als ein weißes T-Shirt — die Zahlen dazu stehen unter UV-Schutz bei Kleidung.
- Kopfbedeckung mit Schirm und Nackenschutz. Nacken und Ohren sind die am häufigsten vergessenen und am häufigsten verbrannten Stellen.
- Sonnenbrille mit UV-400. Auch Augen bekommen Sonnenbrand.
Das Zelt ist kein Schatten. Es hält UV ab, staut aber Hitze bis über 40 Grad — siehe Hitze im Zelt.
Die Stellen, die alle vergessen
- Ohren und Ohrläppchen
- Nacken, besonders bei hochgebundenen Haaren
- Scheitel ohne Kopfbedeckung
- Fußrücken in Sandalen — und zwar schmerzhaft
- Lippen. Sie bekommen Sonnenbrand und brauchen einen Stift mit Lichtschutz
- Kniekehlen und Innenseiten der Arme — überall dort, wo Licht vom Boden reflektiert
Wenn es passiert ist
- Raus aus der Sonne, für den Rest des Tages.
- Kühlen mit feuchten Tüchern oder lauwarmem Wasser, nicht mit Eis direkt auf der Haut.
- Trinken. Ein großflächiger Sonnenbrand entzieht dem Körper Flüssigkeit.
- Feuchtigkeitsspendende Lotion, nichts Fettes und kein Hausmittel auf die verbrannte Haut.
- Blasen nicht öffnen.
- Bedeckt halten, solange es sich nicht erholt hat — ein zweiter Sonnenbrand auf derselben Stelle ist deutlich schlimmer.
Zur Sanitätsstation bei ausgedehnter Blasenbildung, bei Sonnenbrand bei Kleinkindern, bei Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Kreislaufproblemen — das kann ein Hitzschlag sein, und der ist ein Notfall. Wen man ruft, steht unter Notfall: wen rufen.
Was wir noch nicht wissen
- Die reale UV-Belastung auf einem Festivalgelände über drei Tage. Mit einem UV-Messgerät gut erfassbar; es steht auf der Anschaffungsliste.
- Die UV-Durchlässigkeit von Zelt- und Pavillonplanen. Kein Hersteller gibt sie an, obwohl man stundenlang darunter sitzt.
- Wie viel Creme tatsächlich mitgenommen wird. Unsere 30-ml-Rechnung legt nahe, dass es systematisch zu wenig ist, Zahlen dazu haben wir nicht.
Diese Seite ordnet allgemeine Vorsorge ein und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei ausgedehnter Blasenbildung, Fieber oder Kreislaufproblemen gehört die Einschätzung zu einer medizinischen Fachkraft — auf großen Festivals gibt es eine Sanitätsstation.
Häufige Fragen
Wie viel Sonnencreme braucht man wirklich?
Für einen Ganzkörperauftrag bei einem Erwachsenen rund 30 Milliliter, also etwa sechs Teelöffel. Diese Menge entspricht der Prüfmenge von 2 Milligramm je Quadratzentimeter, mit der der Lichtschutzfaktor bestimmt wird. Real aufgetragen wird meist ein Viertel bis die Hälfte davon — und der Schutz sinkt dabei überproportional. Eine 200-ml-Flasche reicht für etwa sechs Anwendungen, also drei Tage für eine Person.
Verlängert Nachcremen den Sonnenschutz?
Nein. Nachcremen erhält den Schutz, es verlängert ihn nicht — wer mit LSF 30 nach vier Stunden nachcremt, hat danach wieder LSF 30 und nicht noch einmal die volle Zeit von vorn. Nachgecremt wird trotzdem: alle zwei Stunden bei durchgehendem Aufenthalt draußen und nach jedem Schwitzen, Abtrocknen oder Wasserkontakt. Auch „wasserfest“ heißt nur, dass ein Teil des Schutzes erhalten bleibt.
Was schützt auf dem Festival besser als Sonnencreme?
Schatten und Kleidung, weil beides nicht alle zwei Stunden wiederholt werden muss. Ein Sonnensegel oder Pavillon wirkt auf die ganze Gruppe, ein dunkles, weit geschnittenes, dicht gewebtes Hemd schützt besser als ein weißes T-Shirt. Dazu eine Kopfbedeckung mit Schirm und Nackenschutz und eine Sonnenbrille mit UV-400. Das Zelt ist dabei kein Schatten: Es hält UV ab, staut aber Hitze bis über 40 Grad.
Was tun bei Sonnenbrand auf dem Festival?
Raus aus der Sonne für den Rest des Tages, mit feuchten Tüchern oder lauwarmem Wasser kühlen — kein Eis direkt auf die Haut — viel trinken, weil ein großflächiger Sonnenbrand Flüssigkeit entzieht, und eine feuchtigkeitsspendende Lotion auftragen. Blasen nicht öffnen. Bei ausgedehnter Blasenbildung, bei Kleinkindern, bei Fieber, Übelkeit oder Kreislaufproblemen zur Sanitätsstation — das kann ein Hitzschlag sein.
