Grillen gehört für viele zum Festival dazu. Bevor man einen Grill kauft, lohnt sich allerdings ein Blick in ein Dokument, das die meisten überspringen.
Zuerst: Was erlaubt der Veranstalter?
Auf vielen Festival-Zeltplätzen ist offenes Feuer verboten, und Holzkohlegrills fallen häufig darunter. Was zugelassen ist, steht in der Campingordnung — und die Regeln unterscheiden sich von Gelände zu Gelände erheblich.
Typische Abstufungen, die man dort findet:
- Alles verboten. Auf dicht belegten Zeltplätzen mit trockener Wiese die häufigste Regel.
- Gasgrills erlaubt, Kohle verboten. Die verbreitetste Zwischenlösung — Gas lässt sich sofort abstellen, Kohle nicht.
- Kohle nur in Grills mit Standfüßen, nie direkt auf dem Boden.
- Einweggrills ausdrücklich verboten. Kommt zunehmend vor, und der Grund steht unten.
Der Grund für all das ist derselbe: Eine gemähte Wiese im Hochsommer mit tausend Zelten darauf ist eine Brandlast. Ein Zelt aus Polyester brennt schnell, und es steht drei Meter vom nächsten entfernt.
Warum Gas das kleinere Problem ist
| Gasgrill | Holzkohlegrill | |
|---|---|---|
| Abschalten | sofort | gar nicht |
| Funkenflug | nein | ja |
| Abkühlzeit | Minuten | Stunden |
| Heiße Asche zu entsorgen | nein | ja |
| Betriebsbereit nach | Sekunden | 20–30 Minuten |
| Rauch beim Nachbarzelt | wenig | viel |
Für Flüssiggas-Grillgeräte gibt es mit EN 498 eine europäische Norm mit spezifischen Anforderungen. Sie ist das Gegenstück zu EN 417, die Einwegkartuschen regelt — die Details dazu stehen unter Campingkocher.
Für einen Zeltplatz ist die Abschaltbarkeit das entscheidende Argument. Wenn ein Gewitter aufzieht oder der Nachbar seinen Pavillon gegen den Grill schiebt, dreht man bei Gas den Hahn zu. Bei Kohle steht man vor einem Gerät mit 400 Grad und keiner Möglichkeit, es zu beenden.
Der Einweggrill
Er ist billig, überall erhältlich und auf Festivals allgegenwärtig. Er hat vier Probleme, und alle vier sind konkret:
- Er wird von unten sehr heiß. Die Aluschale liegt direkt auf dem Gras, und darunter entsteht ein brauner Fleck, der eine Saison braucht. Auf trockenem Untergrund ist das zusätzlich eine Zündquelle — deshalb gehören Einweggrills auf Steine, Ziegel oder in einen Ständer, nie direkt auf die Wiese.
- Er lässt sich nicht abschalten. Nach dem Grillen glüht die Kohle noch stundenlang.
- Er ist heißer Müll. Ein Einweggrill, der in einen Müllsack wandert, bevor er kalt ist, setzt den Sack in Brand. Das ist eine der häufigeren Brandursachen auf Festivalgeländen.
- Er ist Müll. Alu, Kohle, Rost — für ein einziges Essen.
Wenn Einweg, dann mit einem Eimer Wasser daneben und der klaren Regel: erst ablöschen, dann entsorgen. Und mitnehmen, siehe Abbau und Abreise.
Die Regel, bei der es keine Ausnahme gibt
Kein Grill und kein Gasgerät gehört ins Zelt, ins Vorzelt oder unter einen geschlossenen Pavillon — auch nicht zum Nachglühen, auch nicht bei Regen.
Der Grund ist Kohlenmonoxid. Es entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung, ist geruchlos, farblos und schwerer zu bemerken als jede andere Gefahr auf einem Zeltplatz. Eine Kohleglut, die im Vorzelt nachglüht, produziert CO, und in einem geschlossenen Raum reichert es sich an.
Das gilt genauso für Gasgeräte und für Generatoren. Für CO-Melder existieren mit EN 50291-1 und EN 50291-2 eigene Normen — Teil 2 betrifft ausdrücklich Geräte für Freizeitfahrzeuge und ähnliche Unterkünfte.
Was auf einem Zeltplatz praktisch funktioniert
- Ein kleiner Gasgrill mit Kartusche. In Sekunden an, in Sekunden aus, kein Funkenflug, kein Aschetransport.
- Ein Gaskocher mit Grillplatte. Wer ohnehin einen Kocher dabeihat, spart das zweite Gerät.
- Gar nicht grillen. Der unterschätzte Weg: Was nicht gebraten wird, muss nicht entfettet werden — und Abwaschen ohne Spüle ist auf einem Zeltplatz die eigentliche Arbeit, siehe Essen ohne Kochen.
- Die Grillstellen des Veranstalters. Viele größere Festivals stellen zentrale Feuer- oder Grillplätze bereit. Das ist die sicherste Variante und kostet nichts außer einem Weg.
Wenn gegrillt wird: die Sicherheitsliste
- Mindestens drei Meter Abstand zu Zelten, Pavillons und allem, was brennt.
- Löschwasser in Reichweite. Ein voller Kanister oder ein Eimer, bevor der Grill an ist. Nicht danach.
- Nie mit Spiritus oder Benzin anzünden. Verpuffungen sind die häufigste schwere Grillverletzung überhaupt.
- Nicht unbeaufsichtigt. Auch nicht kurz.
- Gaskartusche kühl und aufrecht lagern, nicht in der über 40 Grad warmen Apsis — siehe Hitze im Zelt.
- Verbrennungen kühlen, nicht kühlen mit Eis. Was ins Erste-Hilfe-Set gehört und was nicht, steht dort.
- Bei Wind gar nicht. Funkenflug plus Trockenwiese ist die Kombination, vor der die Campingordnung warnt.
Warum hier keine Vergleichstabelle steht
Aus zwei Gründen. Erstens ist die Vorfrage wichtiger als die Produktfrage: Wenn der Veranstalter Grills untersagt, ist jede Kaufempfehlung falsch.
Zweitens fehlen die Daten. Was Hersteller angeben, sind Grillfläche und Gewicht; was fehlt, sind Leistung in Kilowatt bei Gasgeräten, Aufheizzeit, Abkühlzeit und ob die Bauart für Standflächen zugelassen ist. Eine Tabelle aus Grillfläche und Farbe beantwortet keine der Fragen, die auf einem Zeltplatz zählen — dieselbe Begründung wie bei der Kühltasche.
Was wir noch nicht wissen
- Wie viele große deutsche Festivals Grills überhaupt zulassen. Wir fragen das bei den Veranstaltern ab — zusammen mit der Frage nach Entsorgungsstation und Landstrom.
- Die Abkühlzeit eines Einweggrills. Sie entscheidet darüber, wann er in den Müll darf, und keine Packung nennt sie.
- Die CO-Konzentration bei nachglühender Kohle in einem Vorzelt. Wir werden das nicht messen — die Gefahr ist dokumentiert genug, und der richtige Umgang damit ist, es nicht zu tun.
- Diese Seite ist keine brandschutzrechtliche Beratung. Verbindlich sind die Vorgaben des Veranstalters und die örtlichen Bestimmungen.
Häufige Fragen
Darf man auf dem Festival grillen?
Das hängt vollständig am Veranstalter. Auf vielen Festival-Zeltplätzen ist offenes Feuer verboten, und Holzkohlegrills fallen häufig darunter; verbreitet ist die Zwischenlösung, Gasgrills zuzulassen und Kohle nicht. Manche Gelände verbieten Einweggrills ausdrücklich, andere erlauben Kohle nur in Grills mit Standfüßen. Was gilt, steht in der Campingordnung — und die liest man vor der Anreise.
Gasgrill oder Holzkohlegrill fürs Camping?
Gas, und zwar wegen einer einzigen Eigenschaft: Man kann ihn abstellen. Wenn ein Gewitter aufzieht oder jemand einen Pavillon gegen den Grill schiebt, dreht man bei Gas den Hahn zu — bei Kohle steht man vor einem Gerät mit mehreren hundert Grad ohne Möglichkeit, es zu beenden. Dazu kommen kein Funkenflug, Minuten statt Stunden Abkühlzeit und keine heiße Asche, die entsorgt werden muss.
Was ist das Problem mit Einweggrills?
Vier Dinge. Die Aluschale wird von unten sehr heiß und hinterlässt einen braunen Fleck im Rasen, auf trockenem Untergrund ist sie eine Zündquelle — deshalb gehört sie auf Steine oder in einen Ständer, nie direkt auf die Wiese. Er lässt sich nicht abschalten und glüht stundenlang nach. Er ist heißer Müll: In einen Müllsack geworfen, bevor er kalt ist, setzt er den Sack in Brand. Und er ist Müll für ein einziges Essen.
Darf ein Grill ins Vorzelt?
Nein, unter keinen Umständen — auch nicht zum Nachglühen und auch nicht bei Regen. Bei jeder unvollständigen Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid: geruchlos, farblos und in einem geschlossenen Raum anreichernd. Das gilt für Kohle, für Gasgeräte und für Generatoren gleichermaßen. Für CO-Melder gibt es mit EN 50291-1 und EN 50291-2 eigene Normen, wobei Teil 2 ausdrücklich Geräte für Freizeitfahrzeuge und ähnliche Unterkünfte betrifft.
Weiterlesen
- Campingordnung — was der Veranstalter regelt
- Campingkocher — EN 417 und die Kartuschenfrage
- Essen ohne Kochen · Campinggeschirr
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