Campingordnung: was auf dem Festival-Zeltplatz erlaubt ist

Auf dem Zeltplatz gilt kein Gesetz, sondern das Hausrecht des Veranstalters. Mit dem Ticket schließt du einen Vertrag, und die Platzordnung ist Teil davon. Wer dagegen verstößt, bekommt keine Anzeige — er bekommt ein Platzverbot, und das Ticketgeld ist weg.

Das klingt nach Willkür, ist aber der Grund, warum diese Seite keine Liste mit Ja und Nein sein kann: Jedes Festival schreibt seine eigene Ordnung. Was wir stattdessen tun: die Regeln zusammentragen, die auf praktisch jedem Platz in ähnlicher Form auftauchen, und erklären, warum es sie gibt. Wer den Grund kennt, kann die konkrete Formulierung auf der Website des Veranstalters richtig lesen.

Die eine Regel, bei der es nicht um Ordnung geht

Kein Grill, kein Gaskocher, keine Glut im Zelt oder in der Apsis. Auch nicht zum Aufwärmen. Auch nicht, wenn das Feuer schon aus ist.

Kohlenmonoxid entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung — Holzkohle, Gas, Benzin. Es ist farblos, geruchlos und geschmacklos, und es bindet sich an den roten Blutfarbstoff um ein Vielfaches stärker als Sauerstoff. Der Körper merkt nicht, dass ihm Sauerstoff fehlt. Die ersten Symptome sind Kopfschmerzen und Müdigkeit — beides Zustände, die man auf einem Festival um vier Uhr morgens ohnehin hat und deshalb nicht ernst nimmt.

Der gefährlichste Fall ist nicht der brennende Grill. Es ist der ausgeglühte Grill, den jemand mit ins Vorzelt nimmt, weil er noch warm ist. Glut ohne Flamme produziert besonders viel Kohlenmonoxid, und ein Zelt ist dicht genug, dass es sich sammelt.

Gaskartuschen gehören aus demselben Grund nicht ins Innenzelt, auch nicht ungenutzt: Eine undichte Ventilkartusche nach EN 417 füllt einen Zeltboden mit Propan-Butan-Gemisch, das schwerer ist als Luft und unten liegen bleibt. Gekocht wird im Freien, mit Abstand zur Zeltwand, auf festem Untergrund.

Wer im Wohnmobil oder Kastenwagen mit Gas kocht oder heizt: Kohlenmonoxidmelder für Fahrzeuge und Boote werden nach EN 50291-2 geprüft — das ist die Variante der Norm, die Erschütterung und Temperaturwechsel abdeckt. Ein Haushaltsmelder nach EN 50291-1 ist dafür nicht spezifiziert.

Was fast überall verboten ist

Glas

Das ist die konsequenteste Regel auf jedem Zeltplatz, und sie gilt meistens ausnahmslos: keine Flaschen, keine Gläser, keine Marmeladengläser, kein Parfümflakon. Der Grund ist banal und überzeugend — auf einer Wiese, auf der zehntausend Menschen drei Tage lang auch barfuß unterwegs sind, ist eine zerbrochene Flasche im Gras nicht mehr auffindbar und schneidet noch im nächsten Jahr.

Praktisch heißt das: Getränke in PET oder Dose umfüllen, bevor du losfährst. Die Kontrolle am Eingang ist an dieser Stelle gründlich, und Glas wird einbehalten, nicht zurückgegeben.

Offenes Feuer, Lagerfeuer, Feuerwerk

Ein Zeltplatz ist eine Fläche voller Polyester und Polyethylen, oft auf trockenem Gras. Zelte brennen nicht langsam, sie brennen in Sekunden. Feuerwerk und Fackeln sind auf allen uns bekannten Plätzen verboten, offenes Feuer ebenfalls. Gaskocher sind die häufigste Ausnahme, aber eben eine Ausnahme mit Bedingungen — manche Festivals erlauben nur Kartuschenkocher, manche gar nichts.

Stromerzeuger

Generatoren sind fast überall untersagt: Lärm rund um die Uhr, Abgase zwischen Zelten, Benzinkanister auf dem Platz. Eine Powerstation ist kein Generator. Sie verbrennt nichts, stößt nichts aus und ist im Betrieb nahezu lautlos. Platzordnungen, die „Stromerzeuger“ oder „Aggregate“ verbieten, meinen üblicherweise Verbrennungsmotoren.

Verbindlich ist trotzdem der Wortlaut des Veranstalters. Manche Ordnungen formulieren pauschal „keine eigenen Stromquellen“, und dann ist auch der Akku gemeint. Wir haben die Modelle im Powerstation-Vergleich und in unserem EcoFlow-DELTA-Vergleich gegenübergestellt.

Tiere und Drohnen

Hunde sind auf Festivalgeländen fast durchgängig verboten — Lautstärke, Hitze, Menschenmengen. Für Drohnen gilt zusätzlich zum Hausrecht europäisches Recht: Nach der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 ist das Überfliegen von Menschenansammlungen in der offenen Kategorie nicht zulässig. Ein Festivalgelände ist genau das.

Was üblicherweise geregelt, aber nicht verboten ist

Pavillons

Sie sind auf den meisten Plätzen erlaubt, aber begrenzt — häufig auf eine Grundfläche in der Größenordnung von drei mal drei Metern, und oft mit der Auflage, dass sie die Feuerwehrgassen nicht verengen. Zwei Dinge werden dabei regelmäßig unterschätzt:

  • Ein Pavillon ist ein Segel. Unabgespannt wandert er bei der ersten Bö über den Platz und reißt fremde Zelte mit. Abspannen ist keine Empfehlung, sondern die Bedingung dafür, dass er stehen bleibt.
  • Ein Pavillondach ist keine Regenrinne. Flach gespannt sammelt es Wasser, und eine Wasserblase von wenigen Zentimetern Tiefe wiegt schnell mehrere Kilogramm — das Dach hängt durch und reißt. Eine Seite tiefer stellen, damit das Wasser abläuft. Mehr dazu in unserer Regenausrüstung.

Nachtruhe

Die allgemeine gesetzliche Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr gilt für Wohngebiete, nicht für ein genehmigtes Veranstaltungsgelände. Zeltplätze haben stattdessen eine eigene Regelung, typischerweise ab zwei oder drei Uhr nachts, und sie bezieht sich fast immer auf verstärkte Musik — also die Box, nicht das Gespräch.

Das ist der Punkt, an dem die Ordnung mit der Realität kollidiert. Für alle, die schlafen wollen, ist der Gehörschutz die verlässlichere Lösung als die Platzordnung: Gehörschutz im Vergleich.

Autos auf dem Zeltplatz

Die meisten Festivals trennen Zeltplatz und Caravan- oder Wohnmobilfläche. Auf dem normalen Zeltplatz darfst du in der Regel abladen und musst dann auf den Parkplatz. Das hat Folgen für die Planung: Alles, was am Auto hängt — ein 12-Volt-Kühlschrank, die Starterbatterie, das Ladegerät — steht dann 500 Meter weit weg.

Die Liste zum Nachlesen vor der Abfahrt

Auf der Website jedes Festivals gibt es eine Seite, die „Campingordnung“, „Platzordnung“, „Hausordnung“ oder „FAQ Camping“ heißt. Dort stehen die Antworten auf genau diese sechs Fragen — und es lohnt sich, sie vor dem Packen zu klären und nicht an der Einlasskontrolle:

  1. Sind Gaskocher erlaubt, und wenn ja, welche Bauart?
  2. Ist ein Pavillon erlaubt, und bis zu welcher Größe?
  3. Gilt das Glasverbot auch für den Caravan-Bereich?
  4. Ab wann gilt die Nachtruhe auf dem Zeltplatz?
  5. Gibt es ein Müllpfandsystem, und was kostet der Sack?
  6. Darf das Auto auf dem Zeltplatz stehen bleiben oder nur zum Abladen?

Was wir noch nicht wissen

Diese Seite gibt wieder, was auf Festival-Zeltplätzen üblicherweise gilt, und begründet es. Zwei Dinge können wir nicht liefern:

  • Wir sind keine Rechtsberatung. Verbindlich ist allein die Platzordnung des jeweiligen Veranstalters, und sie kann von allem hier Beschriebenen abweichen. Im Zweifel gilt ihr Wortlaut, nicht unserer.
  • Wir haben keine systematische Auswertung. Wir würden die Campingordnungen der dreißig größten deutschen Festivals gerne nebeneinanderlegen und auszählen, welche Regel wie häufig vorkommt und wie die Formulierungen zu Powerstations und Gaskochern konkret lauten. Das steht für das Frühjahr 2027 auf der Liste, wenn die Ordnungen für die neue Saison veröffentlicht sind. Solange das nicht passiert ist, steht hier „üblicherweise“ und nicht „immer“.

Häufige Fragen

Ist ein Gaskocher auf dem Festival erlaubt?

Das entscheidet der Veranstalter, und die Regelungen gehen weit auseinander: Manche Festivals erlauben Kartuschenkocher, manche nur Geräte ohne offene Flamme, manche gar nichts. Unabhängig davon gilt überall dasselbe Sicherheitsprinzip: gekocht wird im Freien mit Abstand zur Zeltwand, nie im Zelt oder in der Apsis, und Kartuschen werden nicht im Innenzelt gelagert. Was ohne Kochen möglich ist, steht unter Essen ohne Kochen.

Darf man eine Powerstation mit aufs Festival nehmen?

In der Regel ja. Eine Powerstation ist ein Akku, kein Stromerzeuger: Sie verbrennt keinen Kraftstoff, erzeugt keine Abgase und ist im Betrieb nahezu lautlos. Verbote von „Generatoren“ oder „Aggregaten“ zielen auf Verbrennungsmotoren. Es gibt aber Ordnungen, die pauschal alle eigenen Stromquellen untersagen — deshalb vorher nachlesen.

Warum ist Glas auf dem Zeltplatz verboten?

Weil eine zerbrochene Flasche im Gras nicht mehr auffindbar ist. Auf einer Fläche, auf der zehntausend Menschen drei Tage lang auch barfuß unterwegs sind, ist das eine dauerhafte Verletzungsgefahr, die auch nach dem Festival bleibt. Das Verbot gilt meist ausnahmslos und schließt Gläser, Flakons und Vorratsgläser ein — Getränke also vor der Abfahrt in PET oder Dose umfüllen.

Wie groß darf ein Pavillon auf dem Zeltplatz sein?

Häufig ist eine Grundfläche in der Größenordnung von drei mal drei Metern die Obergrenze, verbindlich ist aber die Platzordnung. Wichtiger als die Größe ist die Befestigung: Ein unabgespannter Pavillon wandert bei der ersten Bö über den Platz. Und das Dach gehört schräg gespannt, weil sich sonst Regenwasser sammelt und die Konstruktion unter dem Gewicht einknickt.

Ab wann ist Nachtruhe auf dem Festival-Zeltplatz?

Die gesetzliche Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr gilt für Wohngebiete, nicht für ein genehmigtes Veranstaltungsgelände. Zeltplätze regeln das selbst, typischerweise ab zwei oder drei Uhr nachts, und meistens bezogen auf verstärkte Musik. Wer verlässlich schlafen will, verlässt sich besser auf Gehörschutz als auf die Ordnung.

Darf man auf dem Zeltplatz grillen?

Selten, und wo es erlaubt ist, nur im Freien. Entscheidend ist aber der Teil, der nichts mit Erlaubnis zu tun hat: Ein Grill gehört nie ins Zelt oder in die Apsis, auch nicht nach dem Erlöschen der Flammen. Glut ohne Flamme erzeugt besonders viel Kohlenmonoxid, und das Gas ist farb- und geruchlos. Jedes Jahr sterben Menschen daran, weil sie einen warmen Grill mit ins Vorzelt genommen haben.

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