„Wasserdicht“ steht auf jedem Pavillon. In unserem Pavillon-Vergleich mit fünfzehn Modellen nennt kein einziges eine Wassersäule — obwohl es dafür seit Jahrzehnten eine Norm gibt und obwohl dieselben Händler sie bei Zelten selbstverständlich angeben.
Diese Seite erklärt, was die Angabe wert ist, was stattdessen zählt und woran ein Pavillondach tatsächlich versagt. Die Antwort ist nicht der Stoff.
Die Norm, die niemand nennt
DIN EN ISO 811 misst, welchem Wasserdruck ein Gewebe standhält, bevor an drei Stellen Wasser durchtritt. Das Ergebnis steht in Millimetern Wassersäule. Ab 1.500 mm gilt ein Gewebe nach dieser Norm als wasserdicht.
Bei Zelten ist die Angabe Standard — wir nutzen sie im Zeltvergleich und im Wassersäulen-Checker. Bei Pavillons taucht sie nicht auf. Stattdessen steht dort:
- „100 % wasserdicht“ — eine Behauptung ohne Maß und ohne Prüfverfahren.
- „Bandversiegelte Nähte“ — das ist immerhin eine überprüfbare Konstruktionsangabe. Die Nähte sind bei einem genähten Dach die Stelle, an der Wasser zuerst durchkommt, und ein aufgeschweißtes Dichtband schließt sie.
- Zahlen wie „700N“, „750N“, „800N“ — bei denen der Hersteller die Einheit nicht definiert. Derselbe Anbieter schreibt beim PE-Partyzelt ausdrücklich „Reißkraft der Plane 350 N“ mit Sternchen; bei den Faltpavillon-Planen fehlt diese Erläuterung. Reißkraft ist ohnehin keine Dichtigkeitsangabe.
Unser Umgang damit: Wir übernehmen die Bezeichnungen als Text, rechnen nichts um und stellen 700N nicht neben 350 N. Eine Tabellenspalte, die bei fünfzehn von fünfzehn Produkten leer bliebe, steht auf unseren Seiten nicht in der Tabelle.
Woran ein Pavillondach tatsächlich versagt
Nicht am Stoff. Sondern hieran:
1. Die Wasserblase
Das ist mit Abstand der häufigste Schadensfall. Ein waagerecht gespanntes Pavillondach ist eine Wanne. Regen sammelt sich in der Mitte, das Dach hängt unter dem Gewicht durch, die Mulde wird tiefer, und es läuft noch mehr hinein — eine Rückkopplung, die sich selbst beschleunigt.
Die Größenordnung: Eine Wasserlinse von nur zwei Zentimetern mittlerer Tiefe über einen Quadratmeter wiegt bereits 20 Kilogramm. Über neun Quadratmeter Dachfläche werden daraus schnell dreistellige Zahlen. Dann reißt entweder die Plane an den Befestigungspunkten, oder die Scherenstreben knicken.
Die Gegenmaßnahme kostet nichts: eine Seite des Dachs um eine Raste tiefer stellen. Dafür sind die höhenverstellbaren Standbeine da, und genau dafür werden sie fast nie benutzt.
2. Die Nähte
Jede Naht ist eine Reihe von Löchern im Stoff. Bandversiegelt heißt, dass ein Dichtband von innen aufgeschweißt wurde. Ohne diese Versiegelung tropft es unabhängig davon, wie dicht das Gewebe selbst ist — deshalb ist die Konstruktionsangabe hier aussagekräftiger als jede Millimeterzahl.
Die festen Partyzelte lösen das Problem anders: Ihre Dachplane wird aus einem Stück gefertigt. Keine Naht, keine Undichtigkeit — dafür ein Packmaß, das sich nicht falten lässt wie ein genähtes Dach.
3. Das Material
Drei Bauarten kommen im Handel vor, und sie unterscheiden sich weniger in der Dichtigkeit als in der Haltbarkeit:
- Beschichtetes Polyester — der Standard bei Faltpavillons. Leicht, faltbar, mit PVC-Beschichtung dicht. Die Beschichtung altert unter UV-Strahlung und zersetzt sich in Gegenwart von Wasser, wenn das Dach feucht eingelagert wird.
- PVC — deutlich reißfester und UV-beständiger, dafür schwerer und steifer. Die typische Wahl bei festen Partyzelten.
- PE — das günstigste und schwächste. Leicht, aber empfindlich gegen UV und Punktbelastung.
- Polycarbonat — ein Hartdach, das gar keine Plane mehr ist. Es flattert nicht, sammelt kein Wasser in einer Mulde und wird von Hagel nicht perforiert. Dafür ist es fest verschraubt und nicht transportabel.
4. Die feuchte Einlagerung
Der stille Schaden. Eine Pavillonplane verhält sich wie ein Zeltaußenzelt: feucht zusammengefaltet und in der Tasche gelassen, bildet sich innerhalb weniger Tage Schimmel, und die Beschichtung zersetzt sich hydrolytisch.
Ein Pavillon wird fast immer nass abgebaut — er steht draußen, hat kein Innenzelt und kommt zuletzt in den Kofferraum. Danach steht er bis zum nächsten Sommer im Keller. Dieselbe 24-Stunden-Regel wie beim Zelt: vollständig trocknen, bevor er eingelagert wird. Bei einer Pavillonplane genügt eine Wäscheleine, weil sie eine einzige Fläche ohne Innenzelt ist. Die vollständige Lagerliste steht unter Abbau und Abreise.
„Winterfest“ ist ein anderes Produkt
Der Suchbegriff „Pavillon wasserdicht stabil winterfest“ wirft drei Eigenschaften zusammen, die verschiedene Bauarten betreffen. Wasserdicht ist eine Materialfrage, stabil eine Frage des Profilmaßes — und winterfest ist eine Frage des Fundaments.
Ein Faltpavillon ist nicht winterfest, egal was auf dem Karton steht. Schnee auf einem waagerechten Dach wirkt wie die Wasserblase, nur schwerer, und die Scherengelenke sind dafür nicht ausgelegt. Wer ein ganzjährig stehendes Dach will, braucht die andere Produktkategorie: 90-Millimeter-Pfosten, Hartdach, Betonanker. Die Unterschiede stehen im 3×4-Vergleich, wo beide Bauarten nebeneinander liegen.
Was wir noch nicht wissen
- Die tatsächliche Wassersäule der Planen. Eine Prüfung nach DIN EN ISO 811 verlangt einen Laboraufbau, den wir nicht haben. Ein Vergleichstest mit einer Wassersäule in einem transparenten Rohr ist möglich und liefert wenigstens eine Rangfolge — ausdrücklich keine Norm-Angabe. Steht für 2027 auf der Liste.
- Was „700N“ bezeichnet. Wir haben beim Hersteller nachgefragt, ob die Zahl eine Reißkraft oder ein Flächengewicht meint. Bis eine Antwort vorliegt, steht sie unverändert als Text in der Tabelle.
- Ab welcher Wassermenge das Dach nachgibt. Die 20 Kilogramm pro Quadratmeter bei zwei Zentimetern Tiefe sind Physik und unstrittig. Welche Last ein konkretes Gestänge aushält, sagt kein Datenblatt.
Häufige Fragen
Wie wasserdicht ist ein Pavillon?
Das lässt sich anhand der Herstellerangaben nicht beziffern. In unserem Feld mit fünfzehn Modellen nennt kein einziges eine Wassersäule nach DIN EN ISO 811 — der Norm, mit der Zeltstoffe gemessen werden. Stattdessen steht dort „100 % wasserdicht“, teils ergänzt um „bandversiegelte Nähte“. Die Nahtangabe ist die aussagekräftigere von beiden, weil Nähte bei einem genähten Dach die Schwachstelle sind.
Warum sammelt sich Wasser auf dem Pavillondach?
Weil es waagerecht gespannt ist. Regen läuft nicht ab, sondern sammelt sich in der Mitte; das Dach hängt unter dem Gewicht durch, die Mulde wird tiefer, und es läuft noch mehr hinein. Eine Wasserlinse von zwei Zentimetern mittlerer Tiefe wiegt pro Quadratmeter schon 20 Kilogramm. Die Gegenmaßnahme: eine Seite um eine Raste tiefer stellen, damit das Wasser abläuft.
Ist ein Faltpavillon winterfest?
Nein, unabhängig davon, was in der Produktbeschreibung steht. Schnee auf einem waagerechten Dach wirkt wie eine Wasserblase, nur schwerer, und die Scherengelenke sind dafür nicht ausgelegt. Winterfest ist eine Frage des Fundaments, nicht der Plane — wer ein ganzjährig stehendes Dach will, braucht einen festen Pavillon mit kräftigen Pfosten, Hartdach und Bodenverankerung.
Was bedeutet bandversiegelt?
Dass von innen ein Dichtband über die Nähte geschweißt wurde. Jede Naht ist eine Reihe von Nadellöchern im Stoff; ohne Versiegelung tropft es dort, egal wie dicht das Gewebe selbst ist. Bei Faltpavillons ist das die wichtigste Konstruktionsangabe zur Dichtigkeit. Feste Partyzelte lösen dasselbe Problem anders: Ihre Dachplane wird aus einem Stück gefertigt und hat gar keine Nähte.
Welches Material ist für ein Pavillondach am besten?
Für transportable Pavillons beschichtetes Polyester, weil es leicht und faltbar ist. Für ein Dach, das eine Saison an derselben Stelle steht, PVC — deutlich reißfester und UV-beständiger. PE ist das günstigste und empfindlichste. Polycarbonat als Hartdach ist die haltbarste Lösung, aber keine Plane mehr: fest verschraubt, nicht transportabel, dafür flatterfrei und ohne Wassersackbildung.
Weiterlesen
- Pavillon-Vergleich — Profilmaße, Planen und was fehlt
- Wassersäulen-Checker — die Norm, die bei Pavillons nicht angegeben wird
- Abbau und Abreise — trocken einlagern
- Ballastrechner
- Regenausrüstung
