Gaskartuschen: drei Bauarten, die nicht zusammenpassen

Der häufigste Fehlkauf beim Campingkochen ist keine Fehlentscheidung, sondern eine Verwechslung: Die Kartusche im Supermarkt passt nicht auf den Kocher im Auto.

Die drei Bauarten

Bauart Erkennungsmerkmal Abnehmbar?
Stechkartusche glatter Kopf ohne Gewinde und ohne Ventil nein — erst wenn leer
Schraubkartusche Gewinde mit Ventil oben ja, jederzeit
Bajonettkartusche Kerbe seitlich, wird eingeschoben und verriegelt ja

EN 417 ist die europäische Norm für nicht nachfüllbare Metallgaskartuschen. Sie deckt unter anderem die Schraubkartuschen mit dem verbreiteten Ventilgewinde ab — das ist der Grund, warum Kocher und Kartuschen verschiedener Marken in dieser Bauart zusammenpassen.

Die drei Bauarten sind untereinander nicht kompatibel. Es gibt Adapter, aber die sind ein eigenes Thema: Was der Kocherhersteller freigibt, steht in seiner Anleitung, und alles andere ist auf eigenes Risiko.

Schraubkartuschen mit Sieben-Sechzehntel-Zoll-Gewinde lassen sich abnehmen und wiederverschließen. Stechkartuschen bleiben bis zur Leerung am Kocher. Ventilkartuschen sind herstellergebunden.
EN 417 normt den Behälter, nicht den Anschluss. Kompatibel macht die Norm die drei Bauarten nicht.

Die Stechkartusche und ihr Haken

Sie ist die günstigste und im Supermarkt am leichtesten zu bekommen. Der Haken steht selten groß auf der Packung:

Eine angestochene Stechkartusche darf erst abgenommen werden, wenn sie vollständig leer ist. Sie hat kein eigenes Ventil — die Abdichtung übernimmt der Kocher. Wer sie halb voll abnimmt, hat eine offene Gasquelle.

Praktisch heißt das:

  • Der Kocher ist während des ganzen Wochenendes belegt. Man kann ihn nicht platzsparend zerlegen.
  • Transport im Auto mit angestochener Kartusche ist keine gute Idee. Erst leerfahren oder eine neue nehmen.
  • Angebrochene Kartuschen sammeln sich an, weil niemand weiß, wie voll sie noch sind.

Für ein Festivalwochenende ist die Schraubkartusche deshalb in aller Regel die bessere Wahl — auch wenn sie mehr kostet.

Wie viel noch drin ist

Kartuschen haben keine Füllstandsanzeige. Zwei Wege funktionieren:

  1. Wiegen. Auf jeder Kartusche steht das Leergewicht (Tara) und die Füllmenge. Aktuelles Gewicht minus Leergewicht ergibt den Rest. Eine Küchenwaage im Gepäck löst das — und sie wiegt nebenbei auch die Kühlakkus.
  2. Schwimmtest. Kartusche in einen Eimer Wasser: Wie tief sie einsinkt, zeigt grob den Füllstand. Ungenau, aber ohne Waage brauchbar.

Warum die Kartusche bei Kälte schwächelt

Der Inhalt ist ein Gemisch, meist aus Butan, Propan und teils Isobutan. Der Unterschied liegt im Siedepunkt:

  • Butan siedet bei rund 0 °C. Darunter baut es kaum noch Druck auf — die Flamme wird klein oder geht aus.
  • Propan siedet deutlich tiefer und liefert auch bei Minusgraden Druck.
  • Je höher der Propananteil, desto kältetauglicher die Kartusche — und desto höher der Druck bei Wärme, weshalb reines Propan andere Behälter braucht.

Dazu kommt ein Effekt, der jeden betrifft: Beim Verdampfen entzieht das Gas der Kartusche Wärme. Sie kühlt im Betrieb selbst ab, und die Leistung fällt — je leerer sie ist, desto stärker. Deshalb kocht das erste Wasser schneller als das dritte.

Für ein Sommerfestival ist das alles unkritisch. Für ein Festival im Oktober lohnt der Blick auf das Mischungsverhältnis, das auf der Kartusche steht.

Worauf beim Kauf zu achten ist

  1. Zur Bauart des Kochers. Vor der Abreise einmal aufschrauben, nicht am Zeltplatz feststellen.
  2. EN 417 auf der Kartusche. Bei Schraubkartuschen ist das der Hinweis auf das genormte Ventilgewinde.
  3. Das Mischungsverhältnis, wenn es kalt werden kann.
  4. Genug, aber nicht zu viel. Für ein Wochenende zu zweit reicht eine mittlere Schraubkartusche meistens — Reserve ist gut, ein halber Karton ist Ballast.
  5. Keine Kartuschen mit Rost, Beulen oder beschädigtem Ventil verwenden.

Wohin die leere Kartusche

Nicht in den Restmüll und nicht in den Gelben Sack. Kartuschen gelten als Verpackung mit Restentleerung beziehungsweise als Sonderabfall — abhängig davon, ob sie vollständig leer sind und was die örtliche Abfallsatzung vorgibt.

  • Vollständig entleerte Kartuschen nehmen viele Wertstoffhöfe an.
  • Angebrochene Kartuschen gehören zur Schadstoffsammlung.
  • Niemals durchstechen oder ins Feuer werfen.
  • Auf keinen Fall auf dem Zeltplatz liegen lassen. Eine Kartusche im Müllsack, die in einen Pressfahrzeug gerät, ist ein echtes Problem — siehe Müll auf dem Zeltplatz.

Was wir noch nicht wissen

  • Das Mischungsverhältnis je Marke. Es steht auf der Kartusche, aber selten in der Onlineproduktbeschreibung — vergleichen lässt es sich vor dem Kauf deshalb kaum.
  • Der reale Verbrauch je Kochvorgang. Er hängt an Wind, Topfgröße und Ausgangstemperatur. Mit Küchenwaage und Stoppuhr messbar, steht auf unserer Liste.
  • Wie stark die Leistung bei halb leerer Kartusche abfällt. Der Effekt ist bekannt, beziffert wird er nicht.

Häufige Fragen

Welche Gaskartusche passt auf meinen Campingkocher?

Das hängt an der Bauart, und die drei gängigen sind untereinander nicht kompatibel: Stechkartuschen haben einen glatten Kopf ohne Gewinde, Schraubkartuschen ein Gewinde mit eigenem Ventil, Bajonettkartuschen eine seitliche Kerbe zum Einschieben. Für Schraubkartuschen gibt es mit EN 417 ein genormtes Ventilgewinde — deshalb passen dort Kocher und Kartuschen verschiedener Marken zusammen. Vor der Abreise einmal aufschrauben.

Kann man eine angestochene Gaskartusche abnehmen?

Nein, erst wenn sie vollständig leer ist. Eine Stechkartusche hat kein eigenes Ventil — die Abdichtung übernimmt der Kocher. Wer sie halb voll abnimmt, hat eine offene Gasquelle. Praktisch heißt das, dass der Kocher das ganze Wochenende belegt ist und sich nicht zerlegen lässt. Für ein Festival ist die Schraubkartusche mit eigenem Ventil deshalb meistens die bessere Wahl.

Wie erkennt man, wie viel Gas noch in der Kartusche ist?

Durch Wiegen. Auf jeder Kartusche steht das Leergewicht und die Füllmenge — aktuelles Gewicht minus Leergewicht ergibt den Rest. Eine kleine Küchenwaage im Gepäck löst das zuverlässig. Ohne Waage hilft der Schwimmtest: Kartusche in einen Eimer Wasser, und wie tief sie einsinkt, zeigt grob den Füllstand. Eine Füllstandsanzeige hat keine Kartusche.

Warum wird die Flamme bei Kälte schwächer?

Wegen der Siedepunkte im Gasgemisch. Butan siedet bei rund 0 °C und baut darunter kaum noch Druck auf, Propan siedet deutlich tiefer und funktioniert auch bei Minusgraden — je höher der Propananteil, desto kältetauglicher die Kartusche. Dazu kommt ein Effekt, der immer auftritt: Beim Verdampfen entzieht das Gas der Kartusche Wärme, sie kühlt im Betrieb selbst ab, und je leerer sie ist, desto stärker fällt die Leistung.

Wohin mit leeren Gaskartuschen?

Nicht in den Restmüll und nicht in den Gelben Sack. Vollständig entleerte Kartuschen nehmen viele Wertstoffhöfe an, angebrochene gehören zur Schadstoffsammlung — was genau gilt, regelt die örtliche Abfallsatzung. Niemals durchstechen oder ins Feuer werfen, und auf keinen Fall auf dem Zeltplatz liegen lassen: Eine Kartusche, die in ein Pressfahrzeug gerät, ist ein echtes Problem.

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