Pavillon oder Sonnensegel? Es hängt am Wind, nicht an der Sonne

Beides macht Schatten, beides kostet ähnlich viel, beides steht auf derselben Wiese. Der Unterschied zeigt sich an dem Tag, an dem das Wetter umschlägt.

Die kurze Antwort

Pavillon Sonnensegel
Schattenfläche 9 m² bei 3×3 frei wählbar
Regenschutz ja, mit Seitenwänden bedingt
Bei Wind Ballast nötig ablassen, fertig
Aufbau 5 Minuten zu zweit 10 bis 20 Minuten
Braucht Fixpunkte nein ja, mindestens drei
Gewicht 15 bis 25 kg 1 bis 4 kg
Steht ohne Hilfe ja nein

Die Windrechnung

Der Staudruck folgt q = ½ · ρ · v² mit ρ = 1,25 kg/m³. Bei Windstärke 6, also rund 12,5 m/s, sind das etwa 95 N/m².

Ein 3×3-Pavillon bietet dem Wind von der Seite grob 4,5 m² Fläche — Dach, Beine, und mit Seitenwand deutlich mehr:

  • 4,5 m² × 95 N/m² = rund 425 N
  • Das entspricht dem Gewicht von rund 43 kg
  • Weil Ballast nur über Reibung hält, braucht es etwa die doppelte Masse: rund 85 kg, also gut 20 kg je Standfuß

Mit geschlossenen Seitenwänden verdoppelt sich die Fläche — und der Pavillon wird zum Segel. Die genaue Rechnung für deine Größe macht der Ballast-Rechner.

Ein Sonnensegel hat dasselbe Problem — mit einem entscheidenden Unterschied: Man kann es in dreißig Sekunden ablassen. Danach ist die Angriffsfläche null. Beim Pavillon bedeutet dasselbe zehn Minuten Abbau zu zweit.

Regen ist das Gegenargument

Hier dreht sich die Entscheidung um, und zwar deutlich.

  • Ein Pavillon mit Seitenwänden ist ein trockener Raum. Das ist bei zwei Regentagen der Unterschied zwischen erträglich und nicht.
  • Ein Sonnensegel ist selten dicht, und wenn doch, sammelt es Wasser in der Mitte. Gegen Nieselregen hilft es, gegen Landregen nicht.
  • Dafür versagt ein Pavillon bei stehendem Wasser auf dem Dach — 10 Millimeter auf 3×3 Metern sind 90 Kilogramm, siehe Pavillon im Regen abbauen. Ein schräg gespanntes Segel hat dieses Problem nicht.

Wie dicht die Pavillondächer tatsächlich sind und was die Herstellerangaben wert sind, steht unter Pavillon wasserdicht.

Wer was nehmen sollte

  • „Gruppe, Tisch, Bierbänke, drei Tage.“ → Pavillon. Er steht ohne Fixpunkte, macht einen definierten Raum und hält Regen ab.
  • „Zu zweit, wenig Gepäck, Schatten über dem Zelt.“ → Sonnensegel. 1 bis 4 Kilo statt 20, und der Luftspalt über dem Zelt wirkt besser als jede Plane direkt darauf — siehe Sonnensegel über dem Zelt.
  • „Es ist windig angesagt.“ → Sonnensegel, weil es ablassbar ist. Oder gar nichts.
  • „Ich habe keine Bäume, keine Pfosten, nichts.“ → Pavillon. Ein Segel braucht mindestens drei Fixpunkte, und zwei davon sind auf einer leeren Wiese nicht da.
  • „Hauptsache kein Sonnenbrand.“ → Beides hilft, aber Kleidung hilft mehr, siehe Sonnenbrand auf dem Festival.

Was für beide gilt

  1. Befestigen, bevor es nötig wird. Nachrüsten im Wind funktioniert nicht, siehe Pavillon befestigen.
  2. Auf hartem Untergrund hilft nur Masse, und die ist schwerer als gedacht — siehe ohne Heringe befestigen.
  3. Abends abbauen oder ablassen, wenn Wind angesagt ist. Nachts merkt es niemand rechtzeitig.
  4. Die Campingordnung fragen. Auf manchen Geländen sind Pavillons auf dem Zeltplatz nicht erlaubt oder nur in bestimmten Bereichen.

Was wir noch nicht wissen

  • Die tatsächliche Angriffsfläche unserer Modelle. Kein Hersteller gibt sie an — unsere 4,5 m² sind aus den Maßen geschätzt.
  • Ab welcher Windstärke die Gestänge in unserem Feld versagen. Angaben dazu gibt es nicht, auch nicht bei den teuren Modellen.
  • Die UV-Durchlässigkeit der Planen. Wird nie angegeben, obwohl man stundenlang darunter sitzt.

Häufige Fragen

Pavillon oder Sonnensegel aufs Festival?

Für eine Gruppe mit Tisch und Bänken über mehrere Tage der Pavillon: Er steht ohne Fixpunkte, macht einen definierten Raum und hält mit Seitenwänden auch Regen ab. Zu zweit, mit wenig Gepäck und vor allem gegen Sonne das Segel: 1 bis 4 Kilogramm statt 20, und es lässt sich bei Wind in dreißig Sekunden ablassen.

Wie viel Ballast braucht ein Pavillon?

Für einen 3×3-Pavillon bei Windstärke 6 rund 85 Kilogramm, also gut 20 je Standfuß. Die Rechnung: etwa 4,5 m² Angriffsfläche mal 95 N/m² Staudruck ergibt rund 425 Newton, das entspricht 43 Kilogramm — und weil Ballast nur über Reibung hält, braucht es etwa die doppelte Masse. Mit geschlossenen Seitenwänden verdoppelt sich die Fläche noch einmal.

Hält ein Sonnensegel Regen ab?

Nieselregen ja, Landregen meistens nicht. Viele Segel sind nicht dicht, und wenn sie es sind, sammeln sie Wasser in der Mitte, sobald sie nicht schräg genug gespannt sind. Für zwei Regentage ist ein Pavillon mit Seitenwänden der Unterschied zwischen erträglich und nicht — dafür hat der bei stehendem Wasser auf dem Dach ein eigenes Problem.

Was ist bei Wind die bessere Wahl?

Das Sonnensegel, weil es ablassbar ist. Danach hat es keine Angriffsfläche mehr, und das dauert dreißig Sekunden. Ein Pavillon muss stattdessen abgebaut werden, und das sind zu zweit zehn Minuten — nachts merkt das ohnehin niemand rechtzeitig. Wer einen Pavillon stehen lässt, braucht Ballast, und zwar bevor der Wind auffrischt: Nachrüsten im Wind funktioniert nicht.

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