Ein Wechselrichter macht aus 12 Volt Gleichspannung 230 Volt Wechselspannung. Das klingt nach einer Lösung für alles — und hat drei Haken, die in keiner Produktbeschreibung stehen.
Haken 1: Die Stromstärke auf der 12-Volt-Seite
Leistung ist Spannung mal Strom. Wenn die Leistung gleich bleibt und die Spannung sinkt, steigt der Strom — und zwar im selben Verhältnis:
| Leistung 230 V | Strom bei 230 V | Strom bei 12 V |
|---|---|---|
| 150 W | 0,65 A | 12,5 A |
| 300 W | 1,3 A | 25 A |
| 1.000 W | 4,3 A | 83 A |
| 2.000 W | 8,7 A | 167 A |
Die Werte sind ohne Wandlungsverluste gerechnet; real liegen sie rund zehn Prozent höher.
Ein 12-Volt-Bordsteckdose im Auto ist typischerweise mit 10 bis 20 Ampere abgesichert. Das sind 120 bis 240 Watt auf der 230-Volt-Seite — mehr nicht. Ein 1.000-Watt-Wechselrichter, der an dieser Steckdose hängt, löst die Sicherung aus, bevor er irgendetwas versorgt.
Alles über etwa 150 Watt gehört direkt an die Batterie, mit passendem Kabelquerschnitt und eigener Sicherung. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Brandschutzfrage: 83 Ampere durch ein Kabel, das für 20 ausgelegt ist, werden heiß.
Haken 2: Modifizierter oder reiner Sinus
Netzspannung ist eine Sinuskurve. Ein Wechselrichter bildet sie entweder nach oder nähert sie an:
- Modifizierter Sinus (auch Trapez- oder Rechteckspannung genannt): günstiger, robuster, weniger Elektronik. Für Glühlampen, einfache Heizgeräte und Ladegeräte oft ausreichend.
- Reiner Sinus: teurer, aber das, was ein Gerät erwartet, wenn es aus der Steckdose läuft.
Was modifizierten Sinus schlecht verträgt: Motoren mit Drehzahlregelung, Netzteile mit aktiver Leistungsfaktorkorrektur, Geräte mit Mikrocontroller, manche Laptop-Netzteile, medizinische Geräte. Symptome reichen von Brummen über Erwärmung bis zum Nichtstarten.
Für eine Kompressorkühlbox gilt das besonders — dort steckt ein Motor. Nur: Eine 12-Volt-Kühlbox sollte man ohnehin nicht über einen Wechselrichter betreiben, siehe unten.
Haken 3: Der Leerlaufverbrauch
Ein Wechselrichter verbraucht auch dann Strom, wenn nichts angeschlossen ist. Die Elektronik muss die Sinuskurve erzeugen, ob jemand sie nutzt oder nicht.
Größenordnung: 0,5 bis 1 Watt bei kleinen Geräten, mehrere Watt bei großen. Über zwölf Stunden Nacht sind das bei 5 Watt Leerlauf 60 Wattstunden — mehr, als eine Lichterkette an vier Abenden verbraucht.
An einer Starterbatterie ist das der Weg, auf dem man am Sonntagmorgen ohne Auto dasteht. Wechselrichter ausschalten, wenn er nicht gebraucht wird — und zwar am Gerät, nicht nur am Verbraucher.
Der Wirkungsgrad
Die Wandlung von 12 Volt Gleichspannung auf 230 Volt Wechselspannung kostet Energie. Übliche Wirkungsgrade liegen bei 85 bis 92 Prozent — und zwar bei guter Auslastung. Im Teillastbereich sinken sie deutlich.
Praktisch heißt das: Aus 1.000 Wattstunden Batterie werden rund 850 bis 900 Wattstunden an der Schukodose, unter ungünstigen Bedingungen weniger. Wer eine Powerstation plant, sollte diesen Abzug einrechnen — die Kapazitätsangaben der Hersteller sind Zellenkapazitäten, nicht das, was an der Dose ankommt.
Die wichtigste Regel für einen Zeltplatz
Was mit 12 Volt läuft, sollte mit 12 Volt laufen. Jeder Umweg über 230 Volt kostet den Wirkungsgrad des Wechselrichters — und bei einem Gerät, das danach wieder auf Gleichspannung wandelt, ein zweites Mal.
| Gerät | richtig | falsch |
|---|---|---|
| Kompressorkühlbox | direkt an 12 V | Wechselrichter → 230-V-Netzteil |
| Handy, Powerbank | USB direkt | Wechselrichter → USB-Netzteil |
| Lichterkette | USB oder Batterie | Wechselrichter |
| Laptop | USB-C PD, wenn er das kann | Wechselrichter → Netzteil |
| Wasserkocher, Föhn | geht nur über 230 V — und sprengt fast jede mobile Anlage | |
Die Kühlbox ist dabei der wichtigste Fall, weil sie der größte Dauerverbraucher ist. Wie viel sie zieht, steht unter Kühlschrank fürs Auto.
Die Batterie ist die eigentliche Grenze
Ein Wechselrichter kann nur herausgeben, was die Batterie hergibt — und eine Autobatterie gibt weniger her, als ihre Kapazität vermuten lässt:
- Eine Starterbatterie ist für kurze, hohe Ströme gebaut, nicht für langsame Tiefentladung. Wer sie regelmäßig unter 50 Prozent entlädt, verkürzt ihre Lebensdauer erheblich.
- Nutzbar sind damit grob 30 bis 50 Prozent der Nennkapazität. Eine 70-Ah-Batterie mit 12 Volt hat 840 Wattstunden — nutzbar sind eher 250 bis 420.
- Eine Versorgungsbatterie ist auf zyklische Entladung ausgelegt und verträgt deutlich mehr. Das ist der Unterschied, um den es beim Thema Zweitbatterie geht.
Und der Punkt, der auf einem Festival zählt: Wer die Starterbatterie leert, startet am Sonntag nicht. Eine Powerstation ist genau deshalb die sauberere Lösung — sie ist elektrisch vom Auto getrennt.
Worauf beim Kauf zu achten ist
- Reiner Sinus, sobald Elektronik oder Motoren angeschlossen werden.
- Dauerleistung, nicht Spitzenleistung. Die große Zahl auf der Verpackung ist oft die Spitze für wenige Sekunden.
- Leerlaufverbrauch im Datenblatt. Wenn er nicht dabeisteht, ist das ein Hinweis.
- Unterspannungsabschaltung. Sie schaltet ab, bevor die Batterie tiefentladen ist — das wichtigste Schutzmerkmal überhaupt.
- Mitgelieferte Kabel und Sicherung, passend zum tatsächlichen Strom auf der 12-Volt-Seite.
- Lüftergeräusch. Ein Wechselrichter mit Lüfter neben dem Zelt ist nachts hörbar.
Was wir noch nicht wissen
- Die Leerlaufverbräuche konkreter Geräte. Sie stehen selten im Datenblatt und sind mit einem Strommessgerät in einer Minute gemessen. Steht auf unserer Liste.
- Der reale Wirkungsgrad im Teillastbereich. Hersteller nennen den Bestwert bei optimaler Auslastung; auf einem Zeltplatz läuft ein Wechselrichter fast immer in Teillast.
- Welche Geräte modifizierten Sinus tatsächlich nicht vertragen. Die Liste ist erfahrungsbasiert, nicht geprüft — verbindlich ist die Bedienungsanleitung des jeweiligen Geräts.
- Der Wirkungsgrad der Wechselrichter in Powerstationen. Kein Hersteller in unserem Feld nennt ihn.
Häufige Fragen
Kann man einen Wechselrichter an den Zigarettenanzünder anschließen?
Nur kleine. Eine 12-Volt-Bordsteckdose ist typischerweise mit 10 bis 20 Ampere abgesichert, und das entspricht auf der 230-Volt-Seite nur 120 bis 240 Watt. Der Grund ist die Rechnung Leistung geteilt durch Spannung: 1.000 Watt bei 12 Volt sind 83 Ampere. Alles über rund 150 Watt gehört deshalb direkt an die Batterie, mit passendem Kabelquerschnitt und eigener Sicherung — sonst wird das Kabel heiß.
Modifizierter oder reiner Sinus?
Reiner Sinus, sobald Elektronik oder Motoren angeschlossen werden. Modifizierter Sinus nähert die Netzkurve nur an; Glühlampen, einfache Heizgeräte und viele Ladegeräte stört das nicht. Probleme machen dagegen Motoren mit Drehzahlregelung, Netzteile mit Leistungsfaktorkorrektur und Geräte mit Mikrocontroller — von Brummen über Erwärmung bis zum Nichtstarten. Verbindlich ist die Anleitung des angeschlossenen Geräts.
Wie viel Strom verbraucht ein Wechselrichter im Leerlauf?
Größenordnung 0,5 bis 1 Watt bei kleinen Geräten, mehrere Watt bei großen — auch dann, wenn nichts angeschlossen ist, weil die Elektronik die Sinuskurve erzeugen muss. Über zwölf Stunden sind das bei 5 Watt schon 60 Wattstunden. An einer Starterbatterie ist genau das der Weg, auf dem man am Sonntagmorgen ohne Auto dasteht. Also am Gerät ausschalten, nicht nur den Verbraucher abziehen.
Kühlbox über Wechselrichter betreiben?
Besser nicht. Eine 12-Volt-Kompressorkühlbox läuft direkt an 12 Volt — jeder Umweg über 230 Volt kostet den Wirkungsgrad des Wechselrichters von 85 bis 92 Prozent, und das Netzteil der Box wandelt danach wieder auf Gleichspannung zurück. Dazu kommt, dass der Kompressormotor modifizierten Sinus schlecht verträgt. Die Regel lautet: Was mit 12 Volt läuft, sollte mit 12 Volt laufen.
Wie viel Kapazität hat eine Autobatterie wirklich?
Deutlich weniger, als die Nennkapazität vermuten lässt. Eine 70-Ah-Batterie bei 12 Volt hat rechnerisch 840 Wattstunden — nutzbar sind bei einer Starterbatterie eher 250 bis 420, weil sie für kurze hohe Ströme gebaut ist und nicht für langsame Tiefentladung. Wer sie regelmäßig unter 50 Prozent entlädt, verkürzt ihre Lebensdauer erheblich. Eine Versorgungsbatterie verträgt zyklische Entladung deutlich besser.
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