„3.000+ Zyklen“ steht auf fast jeder Powerstation. Die Zahl ist die am häufigsten missverstandene Angabe im ganzen Datenblatt.
Was ein Zyklus ist
Ein Zyklus ist eine vollständige Kapazität, die durch die Batterie geflossen ist — nicht ein Anstecken und nicht eine Benutzung.
- Einmal von 100 auf 0 und zurück = 1 Zyklus.
- Zweimal von 100 auf 50 und zurück = ebenfalls 1 Zyklus.
- Zehnmal von 100 auf 90 und zurück = ebenfalls 1 Zyklus.
Es zählt die durchgesetzte Energiemenge, nicht die Zahl der Steckvorgänge. Wer seine Station an einem Festivalwochenende zweimal halb leert, hat einen Zyklus verbraucht — nicht vier.
Die entscheidende Ergänzung: bis wohin?
Eine Batterie ist nach 3.000 Zyklen nicht kaputt. Sie hat nur weniger Kapazität als am Anfang. Die Zyklenzahl ist deshalb nur mit der Angabe vergleichbar, bis zu welcher Restkapazität gezählt wurde.
| Angabe | bedeutet |
|---|---|
| 3.000 Zyklen bis 80 % | nach 3.000 Zyklen noch 80 % der Ursprungskapazität |
| 3.000 Zyklen bis 70 % | dieselbe Zahl, aber deutlich mehr Verschleiß erlaubt |
| 3.000 Zyklen (ohne Zusatz) | nicht vergleichbar |
Die dritte Zeile ist der Normalfall in Produktbeschreibungen. 80 Prozent ist die in der Branche übliche Grenze, aber ohne ausdrückliche Angabe bleibt es eine Annahme — genau wie beim R-Wert ohne Normbezug oder der Laufzeit ohne Leuchtstufe.
Und auch mit Angabe fehlt der Rest der Prüfbedingung: Bei welchem Strom, bei welcher Temperatur, bis zu welcher Entladetiefe? Ein Zyklus bei 25 Grad und moderatem Strom ist etwas anderes als einer bei 40 Grad unter Volllast.
Was die Zahl praktisch bedeutet
Rechnen wir es für einen realistischen Festivaleinsatz durch. Angenommen, eine Station mit 1.000 Wattstunden:
- Ein Wochenende mit Kühlbox, Lampen und Handys: grob 1.000 bis 1.500 Wattstunden, also 1 bis 1,5 Zyklen.
- Fünf Festivals im Jahr plus gelegentliche Nutzung: großzügig 15 Zyklen jährlich.
- Bei 3.000 Zyklen wären das rechnerisch 200 Jahre.
Daraus folgt der eigentliche Punkt: Für Gelegenheitsnutzung ist die Zyklenzahl irrelevant. Die Station stirbt nicht an Zyklen, sondern an kalendarischer Alterung — also an den elf Monaten, in denen sie herumsteht. Wie man die begrenzt, steht unter LiFePO4 lagern.
Relevant wird die Zyklenzahl bei täglicher Nutzung: Wohnmobil im Dauerbetrieb, Solarinsel, Marktstand. Dort sind 300 Zyklen im Jahr realistisch, und dann ist der Unterschied zwischen 500 und 3.000 Zyklen der Unterschied zwischen zwei und zehn Jahren.
Warum LiFePO4 hier vorn liegt
Die Chemie erklärt die Zahlen:
- LiFePO4: typisch 3.000 bis 4.000 Zyklen bis 80 Prozent.
- NMC: typisch 500 bis 1.000.
- Blei (AGM/Gel): je nach Entladetiefe oft unter 500.
Bei Blei kommt ein Effekt dazu, den Lithium so nicht hat: Die Zyklenzahl hängt extrem stark von der Entladetiefe ab. Eine Bleibatterie, die nur zu 30 Prozent entladen wird, hält ein Vielfaches der Zyklen aus wie eine, die jedes Mal leergesaugt wird — das ist derselbe Mechanismus, der unter Autobatterie leer beschrieben ist.
Woran Powerstations wirklich sterben
- Kalendarische Alterung bei hohem Ladestand. Der häufigste Grund bei Gelegenheitsnutzung.
- Hitze. Sonne, Auto, Dachboden.
- Laden bei Frost. Einmal reicht für bleibenden Schaden.
- Tiefentladung über Monate. Leer eingelagert und vergessen.
- Mechanische Schäden. Sturz, Feuchtigkeit — und praktisch keine Station in unserem Feld nennt eine IP-Schutzart.
Zyklen stehen auf dieser Liste nicht.
Was wir noch nicht wissen
- Die Restkapazitätsgrenze je Hersteller. In unserem Feld nennt sie fast niemand ausdrücklich — wir haben die Zyklenzahlen deshalb als Herstellerangabe ohne Prüfbedingung übernommen und kennzeichnen sie so.
- Die Prüfbedingungen. Strom, Temperatur und Entladetiefe fehlen durchgängig.
- Ob die Zahl für die Zellen oder das Gerät gilt. Elektronik, Lüfter und Anschlüsse altern ebenfalls, tauchen in der Angabe aber nicht auf.
Häufige Fragen
Was ist ein Ladezyklus?
Eine vollständige Kapazität, die durch die Batterie geflossen ist — nicht ein Anstecken. Einmal von 100 auf 0 und zurück ist ein Zyklus, zweimal von 100 auf 50 ebenfalls, und zehnmal von 100 auf 90 auch. Es zählt die durchgesetzte Energiemenge, nicht die Zahl der Steckvorgänge. Wer seine Station an einem Wochenende zweimal halb leert, hat einen Zyklus verbraucht, nicht vier.
Was bedeutet „3.000 Zyklen
Ohne Zusatz zunächst wenig. Eine Batterie ist nach 3.000 Zyklen nicht kaputt, sie hat nur weniger Kapazität — die Zahl ist deshalb nur mit der Angabe vergleichbar, bis zu welcher Restkapazität gezählt wurde. 3.000 Zyklen bis 80 Prozent ist etwas anderes als 3.000 bis 70. 80 Prozent ist branchenüblich, aber ohne ausdrückliche Angabe bleibt es eine Annahme. Auch Strom, Temperatur und Entladetiefe der Prüfung fehlen meist.
Wie lange hält eine Powerstation bei Festivalnutzung?
Nach Zyklen gerechnet praktisch unbegrenzt. Ein Wochenende mit Kühlbox, Lampen und Handys verbraucht bei einer 1.000-Wh-Station etwa ein bis anderthalb Zyklen; fünf Festivals im Jahr plus gelegentliche Nutzung sind großzügig 15 Zyklen jährlich. Bei 3.000 Zyklen wären das rechnerisch 200 Jahre. Begrenzend ist deshalb nicht der Verschleiß durch Nutzung, sondern die kalendarische Alterung in den Monaten dazwischen.
Woran geht eine Powerstation tatsächlich kaputt?
Bei Gelegenheitsnutzung vor allem an kalendarischer Alterung bei hohem Ladestand, also am Herumstehen mit vollem Akku. Dazu kommen Hitze durch Sonne, Auto oder Dachboden, Laden bei Frost — das reicht einmal für bleibenden Schaden —, monatelange Tiefentladung nach dem Einlagern sowie mechanische Schäden und Feuchtigkeit. Zyklen stehen auf dieser Liste nicht.
