LiFePO4 lagern und überwintern: 50 bis 60 Prozent, nicht voll

Nach der Saison verschwindet die Powerstation bis zum nächsten Sommer. Wie sie diese zehn Monate übersteht, entscheidet über einen erheblichen Teil ihrer Lebensdauer.

Die Regel in einem Satz

Bei 50 bis 60 Prozent Ladestand, trocken, zwischen 10 und 25 Grad — und alle paar Monate nachsehen.

Das ist die Empfehlung, die praktisch alle Hersteller in ihren Handbüchern geben. Die Begründung dahinter ist die interessantere Hälfte.

Warum nicht voll

Eine Lithiumzelle altert auf zwei Wegen: durch Zyklen (Laden und Entladen) und durch kalendarische Alterung (bloßes Dastehen). Der zweite Weg läuft immer, und er läuft umso schneller, je höher die Zellspannung ist.

  • Voll geladen steht die Zelle unter maximaler Spannung — die chemische Alterung läuft am schnellsten.
  • Tiefentladen ist ebenfalls schädlich: Die Selbstentladung kann die Zelle unter die kritische Spannung ziehen, ab der sie nicht mehr geladen werden darf.
  • In der Mitte ist die Spannung moderat und die Reserve gegen beide Enden am größten.

Dazu kommt Temperatur als Multiplikator: Wärme beschleunigt jeden chemischen Vorgang. Eine volle Station in einer 35 Grad warmen Dachkammer verliert deutlich mehr Kapazität als eine halbvolle im 15 Grad kühlen Flur.

Was LiFePO4 besser kann — und was nicht

LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat) ist die Chemie, die in fast allen aktuellen Powerstations steckt. Gegenüber dem älteren NMC hat sie klare Vorteile:

LiFePO4 NMC
Zyklen bis 80 % Restkapazität typisch 3.000 bis 4.000 typisch 500 bis 1.000
Thermische Stabilität hoch geringer
Kalendarische Alterung langsamer schneller
Energiedichte geringer höher
Gewicht je Wattstunde höher niedriger

Der Vorteil ist Haltbarkeit, der Preis ist Gewicht. Was die Zyklenzahl genau bedeutet und warum sie ohne Restkapazitätsangabe wertlos ist, steht unter Zyklenzahl.

Was LiFePO4 nicht besser kann: Kälte. Auch diese Chemie darf unter null Grad nicht geladen werden.

Ein Zyklus ist eine vollständig durchgesetzte Kapazität, nicht ein Einstecken: Zweimal von 100 auf 50 Prozent ergibt einen Zyklus. LiFePO4 hält typisch 3.000 bis 4.000 Zyklen bis 80 Prozent Restkapazität, NMC 500 bis 1.000, Blei oft unter 500.
Ohne die Restkapazität am Ende ist die Zyklenzahl nicht vergleichbar.

Der Punkt, der Zellen zerstört: Laden bei Frost

Beim Laden unterhalb von etwa 0 Grad lagert sich Lithium metallisch an der Anode ab, statt eingelagert zu werden. Das ist irreversibel, kostet dauerhaft Kapazität und kann im Extremfall einen internen Kurzschluss erzeugen.

  • Entladen bei Kälte ist zulässig, nur mit reduzierter Leistung — das ist ein temporärer Effekt.
  • Laden bei Kälte ist es nicht. Der Schaden bleibt.
  • Gute Geräte haben eine Ladesperre im Batteriemanagement, die genau das verhindert. Ob eine bestimmte Station das hat, steht selten im Datenblatt.
  • Praktisch heißt das: Eine Station, die im Winter im Auto lag, erst im Warmen akklimatisieren lassen, dann laden.

Dieselbe Regel gilt für Powerbanks und für die Akkus von Bluetooth-Boxen.

Die Checkliste für die Winterpause

  1. Auf rund 50 bis 60 Prozent bringen. Entweder laden oder gezielt entladen.
  2. Ausschalten, alles abziehen. Eingesteckte Kabel und aktive Ausgänge entladen weiter.
  3. Trocken und frostfrei stellen. Keller ja, wenn trocken; Dachboden und Garage meist nein.
  4. Nicht in die Sonne, nicht neben die Heizung.
  5. Alle drei bis sechs Monate prüfen und bei Bedarf wieder auf 50 bis 60 Prozent bringen.
  6. Nicht dauerhaft am Netz lassen. Dauernd auf 100 Prozent gehalten zu werden, ist genau der Zustand, den man vermeiden will.

Der letzte Punkt überrascht viele: Eine Station „immer einsatzbereit“ am Ladegerät zu lassen, kostet Lebensdauer. Wer sie zweimal im Jahr braucht, lädt sie eine Woche vorher.

Was mit dem Rest der Ausrüstung ist

Die Batterie ist nicht das einzige Teil, das die Winterpause übel nimmt — Zelt, Matten und Textilien haben eigene Anforderungen. Das steht gesammelt unter Ausrüstung einlagern.

Was wir noch nicht wissen

  • Die genaue Ladeschlusstemperatur je Gerät. „Nicht unter 0 °C laden“ steht in den Handbüchern, die exakte Schwelle des Batteriemanagements nicht.
  • Ob eine bestimmte Station eine Ladesperre bei Frost hat. In unserem Feld nennt das kein Hersteller in den Spezifikationen.
  • Wie viel Kapazität falsche Lagerung real kostet. Die Richtung ist unstrittig, belastbare Zahlen für konkrete Geräte gibt es nicht.
  • Die Selbstentladung je Modell. Sie bestimmt, wie oft man nachsehen muss — angegeben wird sie praktisch nie.

Häufige Fragen

Mit welchem Ladestand lagert man eine Powerstation?

Bei 50 bis 60 Prozent. Eine Lithiumzelle altert nicht nur durch Laden und Entladen, sondern auch durch bloßes Dastehen — und diese kalendarische Alterung läuft umso schneller, je höher die Zellspannung ist. Voll geladen altert sie am schnellsten, tiefentladen kann die Selbstentladung sie unter die kritische Spannung ziehen. In der Mitte ist die Reserve gegen beide Enden am größten.

Darf man eine Powerstation dauerhaft am Ladegerät lassen?

Besser nicht. Dauerhaft auf 100 Prozent gehalten zu werden, ist genau der Zustand mit der schnellsten kalendarischen Alterung. Wer die Station zweimal im Jahr braucht, lädt sie eine Woche vorher und lagert sie sonst bei 50 bis 60 Prozent. Eingesteckte Kabel und aktive Ausgänge sollten ebenfalls abgezogen werden, weil sie weiter entladen.

Darf man LiFePO4 bei Minusgraden laden?

Nein. Beim Laden unterhalb von etwa 0 Grad lagert sich Lithium metallisch an der Anode ab, statt eingelagert zu werden — das ist irreversibel, kostet dauerhaft Kapazität und kann einen internen Kurzschluss erzeugen. Entladen bei Kälte ist dagegen zulässig, nur mit reduzierter Leistung, und dieser Effekt ist vorübergehend. Eine Station, die im Winter im Auto lag, erst im Warmen akklimatisieren lassen.

Bei welcher Temperatur lagert man eine Powerstation?

Trocken und zwischen etwa 10 und 25 Grad. Wärme beschleunigt jeden chemischen Alterungsvorgang, deshalb verliert eine Station in einer 35 Grad warmen Dachkammer deutlich mehr Kapazität als eine im kühlen Flur. Ein trockener Keller ist geeignet, Dachboden und unbeheizte Garage meist nicht — der Dachboden wegen der Sommerhitze, die Garage wegen Frost und Feuchtigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen LiFePO4 und NMC?

LiFePO4 hält typisch 3.000 bis 4.000 Zyklen bis 80 Prozent Restkapazität, NMC eher 500 bis 1.000; LiFePO4 ist thermisch stabiler und altert kalendarisch langsamer. Dafür hat NMC die höhere Energiedichte und ist je Wattstunde leichter. Der Vorteil von LiFePO4 ist Haltbarkeit, der Preis ist Gewicht. Nicht besser kann LiFePO4 die Kälte: Auch diese Chemie darf unter null Grad nicht geladen werden.

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