USB-C Power Delivery: warum dasselbe Kabel nicht dieselbe Leistung kann

Zwei USB-C-Anschlüsse sehen gleich aus und können sich um den Faktor zehn unterscheiden. Die Steckerform sagt nichts über die Leistung — das tut erst das Protokoll dahinter.

Was Power Delivery tut

Klassisches USB liefert feste 5 Volt. Power Delivery lässt Gerät und Netzteil verhandeln: Das Gerät meldet, was es verträgt, das Netzteil, was es kann, und beide einigen sich auf die höchste gemeinsame Stufe.

Der Vorteil liegt in der Physik: Leistung ist Spannung mal Strom. Wer 60 Watt bei 5 Volt übertragen wollte, bräuchte 12 Ampere — dafür wäre das Kabel zu dünn. Bei 20 Volt sind es 3 Ampere, und das geht durch ein normales Kabel.

Die Spannungsstufen

Spannung bei 3 A typisch für
5 V 15 W Kopfhörer, kleine Geräte
9 V 27 W Handy, schnelles Laden
15 V 45 W Tablet
20 V 60 W Notebook, Powerstation

Zwischen diesen festen Stufen gibt es seit PD 3.0 zusätzlich PPS — eine feinstufig regelbare Spannung. Sie macht das Laden schonender, weil das Netzteil der Zellspannung folgen kann, statt sie dem Gerät aufzuzwingen. Erkennbar daran, dass Netzteil und Gerät beide PPS nennen; sonst fällt die Verbindung auf eine feste Stufe zurück.

Ab 60 Watt redet das Kabel mit

Das ist der Punkt, an dem die meisten Aufbauten scheitern.

  • Bis 60 Watt (20 V bei 3 A) genügt ein gewöhnliches USB-C-Kabel.
  • Darüber braucht es ein Kabel mit E-Marker — einem kleinen Chip im Stecker, der dem Netzteil meldet, dass 5 Ampere zulässig sind. 100 Watt bedeuten 20 V bei 5 A.
  • Ohne E-Marker bleibt die Verbindung bei 60 Watt stehen. Nichts geht kaputt, es lädt nur langsamer, und niemand sagt einem warum.

Seit PD 3.1 gibt es darüber hinaus höhere Spannungen bis 48 Volt und damit bis 240 Watt. Für Campingzwecke spielt das kaum eine Rolle — die 60-Watt-Schwelle dagegen jeden Tag, weil genau dort die Powerstations und Notebooks liegen.

Woran schnelles Laden auf dem Zeltplatz scheitert

  1. Das billige Kabel. Ohne E-Marker, oder nur für Daten gedacht. Der häufigste Grund.
  2. Der falsche Anschluss. An vielen Powerstations kann nur ein USB-C-Port die volle Leistung; die anderen liefern 18 oder 20 Watt.
  3. Gleichzeitige Nutzung. Hängen mehrere Geräte dran, teilt sich das Budget — oft ohne Hinweis am Gerät.
  4. Kälte. Unter etwa 5 Grad drosseln Handys das Laden selbst, unabhängig vom Netzteil.
  5. Verschmutzte Buchse. Staub im Stecker ist auf einer Wiese der Normalfall — und ein schlechter Kontakt lässt die Aushandlung auf eine niedrigere Stufe fallen.

Was das für den Einkauf heißt

Zweck nötig
Handy schnell laden PD mit 9 V, 20 bis 30 W
Tablet 30 bis 45 W
Notebook 60 W, Kabel mit E-Marker ab 65 W
Powerstation über USB-C laden 60 bis 100 W, Kabel passend dazu

Ein Netzteil mit 65 Watt und ein Kabel mit E-Marker decken praktisch alles ab, was auf einem Zeltplatz vorkommt — und ersetzen drei verschiedene Ladegeräte.

Welche Powerbanks welche Leistung am USB-C-Anschluss liefern, steht in unserem Powerbank-Vergleich; die Umrechnung der Kapazität unter Wattstunden oder Amperestunden.

Drahtlos ist etwas anderes

Qi und MagSafe laufen nicht über Power Delivery. Sie sind langsamer, verlieren mehr als Wärme und brauchen trotzdem ein PD-Netzteil als Quelle. Wer auf dem Zeltplatz Energie sparen will, lädt mit Kabel — mehr dazu unter MagSafe-Powerbank.

Was wir noch nicht wissen

  • Welcher Anschluss je Powerstation die volle Leistung liefert. Die Datenblätter nennen eine Höchstleistung, selten die Verteilung auf die Buchsen.
  • Ob die Geräte PPS unterstützen. In unseren Feldern steht das bei den wenigsten.
  • Das Leistungsbudget bei mehreren Verbrauchern. Wird praktisch nie angegeben, entscheidet aber über das Laden am Morgen.
  • Eigene Messungen. Ein USB-C-Messgerät steht auf der Anschaffungsliste — damit ließe sich genau das belegen.

Häufige Fragen

Was ist USB-C Power Delivery?

Ein Protokoll, bei dem Gerät und Netzteil die Spannung aushandeln, statt feste 5 Volt zu nutzen. Das Gerät meldet, was es verträgt, das Netzteil, was es kann, und beide einigen sich auf die höchste gemeinsame Stufe — üblich sind 5, 9, 15 und 20 Volt. Der Grund ist die Physik: 60 Watt bei 5 Volt wären 12 Ampere, dafür wäre das Kabel zu dünn. Bei 20 Volt sind es 3 Ampere.

Warum lädt mein Gerät nur mit 60 Watt?

Meist liegt es am Kabel. Bis 60 Watt genügt ein gewöhnliches USB-C-Kabel, darüber braucht es einen E-Marker — einen Chip im Stecker, der dem Netzteil meldet, dass 5 Ampere zulässig sind. Fehlt er, bleibt die Verbindung bei 60 Watt stehen. Es geht nichts kaputt, es lädt nur langsamer, und das Gerät sagt einem nicht warum.

Was bringt PPS beim Laden?

PPS regelt die Spannung feinstufig, statt zwischen festen Stufen zu springen. Das Netzteil kann damit der Zellspannung folgen, was weniger Wärme erzeugt und den Akku schont. Voraussetzung ist, dass Netzteil und Gerät beide PPS unterstützen — sonst fällt die Verbindung auf eine feste Stufe zurück. In den Datenblättern steht es leider selten.

Welches Netzteil reicht fürs Camping?

Eines mit 65 Watt und ein Kabel mit E-Marker. Damit lädt ein Handy schnell, ein Tablet, ein Notebook und die meisten Powerstations über USB-C — und es ersetzt drei verschiedene Ladegeräte. Für reines Handyladen genügen 20 bis 30 Watt mit 9-Volt-Stufe.

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