„R 4,5″ steht auf jeder besseren Isomatte. Was dahintersteckt, ist eine physikalische Größe mit Einheit — und eine Norm, die es erst seit wenigen Jahren gibt.
Was der R-Wert misst
Der R-Wert ist ein Wärmedurchgangswiderstand. Er sagt, wie gut ein Material den Wärmefluss hindurch bremst. Die Einheit ist m²·K/W — Quadratmeter mal Kelvin pro Watt.
Ausgeschrieben heißt das: Wie viel Temperaturunterschied in Kelvin nötig ist, damit je Quadratmeter ein Watt hindurchfließt. Je höher der Wert, desto weniger Wärme verliert man nach unten.
Auf den Matten steht die Einheit fast nie dabei, weil sich „R 4,5″ besser liest. Die Größe ist dieselbe, die im Bauwesen für Dämmstoffe verwendet wird.
Der entscheidende Punkt: R-Werte addieren sich
Das ist die praktisch nützlichste Eigenschaft und der Grund, warum die Größe überhaupt so definiert ist:
Zwei Matten übereinander ergeben in guter Näherung die Summe ihrer R-Werte.
- Schaumstoffmatte R 2,0 + aufblasbare Matte R 2,5 = R 4,5
- Das entspricht einer einzelnen Drei-Jahreszeiten-Matte.
- Und es ist der günstigste Weg zu mehr Isolation, weil die dünne Schaumstoffmatte wenig kostet und wenig wiegt.
Zweiter Nutzen der Kombination: Die Schaumstoffmatte unten schützt die empfindliche Luftmatte vor Steinen und Stoppeln — sie ersetzt damit gleichzeitig eine Reparatur.
Warum die Norm so wichtig ist
Bis 2020 gab es kein einheitliches Messverfahren. Jeder Hersteller maß auf seine Weise, und die Zahlen waren untereinander nicht vergleichbar.
ASTM F3340 hat das geändert: Sie legt ein einheitliches Verfahren fest, mit definierter Warm- und Kaltplatte und definierter Auflast. Seitdem bedeutet R 4,5 bei zwei verschiedenen Herstellern dasselbe — vorausgesetzt, beide haben nach dieser Norm gemessen.
In unserem Isomatten-Feld steht deshalb eine eigene Spalte dafür: r_value_astm. Und sie ist nicht bei allen Modellen gesetzt — bei einigen nennen die Hersteller einen R-Wert ohne Normbezug.
Ein R-Wert ohne genannte Norm ist eine Herstellerangabe, nicht mehr. Dieselbe Situation wie bei der Wassersäule ohne Prüfverfahren und bei der Laufzeit ohne Leuchtstufe.
Welcher Wert zu welcher Nacht
| R-Wert | Einsatz | Nachttemperatur grob |
|---|---|---|
| unter 2 | warme Sommernächte, Notlösung | über 15 °C |
| 2 bis 3 | Festivalwochenende im Sommer | 8 bis 15 °C |
| 4 bis 5 | Frühjahr und Herbst | 0 bis 8 °C |
| ab 5 | Winter | unter 0 °C |
Die Zuordnung ist eine Orientierung, keine Norm — sie hängt zusätzlich am Schlafsack, an der Kleidung und am eigenen Kälteempfinden. Welcher Schlafsack zu welcher Nacht passt, lässt sich im Schlafsack-Temperatur-Checker einordnen.
Warum die Matte oft wichtiger ist als der Schlafsack
Das ist der Satz, der beim Kauf am häufigsten fehlt: Ein Schlafsack isoliert nach unten kaum.
Der Grund ist, dass die Füllung — egal ob Daune oder Kunstfaser — ihre Wärmeleistung aus eingeschlossener Luft bezieht. Unter dem Körpergewicht wird sie zusammengedrückt, die Luft entweicht, und die Isolation ist weg.
Was unten bleibt, leistet die Matte. Wer bei kalten Nächten friert, verbessert deshalb in aller Regel zuerst die Unterlage und nicht den Schlafsack.
Dasselbe gilt sinngemäß auf einem Feldbett: Dort zirkuliert Luft unter der Liegefläche, und auch dort braucht es eine Matte obendrauf.
Was der R-Wert nicht sagt
- Nichts über Komfort. Eine dünne Schaumstoffmatte mit R 2,0 isoliert wie eine dicke Luftmatte mit R 2,0 — sie liegt sich nur völlig anders.
- Nichts über die Dicke. Es gibt 2 cm dicke Matten mit R 2 und 10 cm dicke mit R 7.
- Nichts über Haltbarkeit. Eine 20D-Nylonmatte mit hohem R-Wert ist empfindlicher als eine Schaumstoffmatte.
- Nichts über die Dicke unter Last. Die Angabe fehlt in unserem gesamten Feld — siehe Kopfkissen, wo dasselbe Problem auftritt.
Was wir noch nicht wissen
- Wie genau sich R-Werte addieren. Die Addition ist physikalisch begründet, aber Kontaktwiderstände zwischen zwei Matten sind darin nicht erfasst. In der Praxis liegt das Ergebnis etwas darüber.
- Den R-Wert eines Feldbetts. Kein Hersteller gibt einen an, obwohl unter der Liegefläche Luft zirkuliert.
- Eigene Messungen. ASTM F3340 verlangt einen Prüfaufbau, den wir nicht haben — eine Zahl aus einem Eigenbau wäre genau das, was wir den Herstellern vorwerfen. Details in unserer Methodik.
Häufige Fragen
Was bedeutet der R-Wert bei einer Isomatte?
Er ist ein Wärmedurchgangswiderstand mit der Einheit m²·K/W und sagt, wie gut die Matte den Wärmefluss nach unten bremst — je höher, desto weniger Wärme verliert man an den Boden. Die Einheit steht auf den Matten fast nie dabei, weil sich „R 4,5″ besser liest. Es ist dieselbe Größe, die im Bauwesen für Dämmstoffe verwendet wird.
Kann man R-Werte addieren?
Ja, in guter Näherung. Zwei Matten übereinander ergeben die Summe ihrer R-Werte: eine Schaumstoffmatte mit R 2,0 plus eine aufblasbare mit R 2,5 entsprechen zusammen etwa R 4,5, also einer Drei-Jahreszeiten-Matte. Das ist der günstigste Weg zu mehr Isolation, und die Schaumstoffmatte schützt zusätzlich die empfindliche Luftmatte vor Steinen. Kontaktwiderstände zwischen den Matten sind in der Rechnung nicht erfasst.
Was ist ASTM F3340?
Das einheitliche Messverfahren für den R-Wert von Schlafunterlagen, mit definierter Warm- und Kaltplatte und definierter Auflast. Vor dieser Norm maß jeder Hersteller auf seine Weise, und die Zahlen waren untereinander nicht vergleichbar. Seitdem bedeutet R 4,5 bei zwei Herstellern dasselbe — vorausgesetzt, beide haben nach dieser Norm gemessen. Ein R-Wert ohne genannte Norm ist eine Herstellerangabe, nicht mehr.
Welchen R-Wert braucht man fürs Festival?
Für ein Sommerwochenende mit Nachttemperaturen zwischen 8 und 15 Grad reichen R 2 bis 3. Darunter, also unter R 2, wird es nur bei über 15 Grad angenehm; für Frühjahr und Herbst mit 0 bis 8 Grad sollten es R 4 bis 5 sein. Die Zuordnung ist eine Orientierung und keine Norm — sie hängt zusätzlich am Schlafsack, an der Kleidung und am eigenen Kälteempfinden.
Ist die Isomatte wichtiger als der Schlafsack?
Bei kalten Nächten meistens ja. Ein Schlafsack isoliert nach unten kaum: Seine Füllung bezieht die Wärmeleistung aus eingeschlossener Luft, und unter dem Körpergewicht wird sie zusammengedrückt — die Luft entweicht, die Isolation ist weg. Was nach unten bleibt, leistet die Matte. Wer friert, verbessert deshalb in der Regel zuerst die Unterlage.
