Eine Lichterkette am Pavillon sieht gut aus. Auf einem Zeltplatz hat sie darüber hinaus eine Funktion, die in keiner Produktbeschreibung steht — dazu unten.
Was sie kostet: die Stromrechnung
Eine LED in einer Lichterkette zieht in der Größenordnung von 0,05 bis 0,1 Watt. Daraus lässt sich der Abend durchrechnen:
| Kette | Leistung | 5 Stunden | aus 20.000 mAh (≈74 Wh) |
|---|---|---|---|
| 50 LEDs | ~2,5 W | 12,5 Wh | rund 6 Abende |
| 100 LEDs | ~5 W | 25 Wh | rund 3 Abende |
| 200 LEDs | ~10 W | 50 Wh | rund 1,5 Abende |
Eine 50-LED-Kette ist ein Nichts im Strombudget, eine 200er nicht mehr. Die Wattzahl steht selten auf der Packung — wenn doch, ist sie die einzige Zahl, die für die Planung zählt. Wie man von mAh auf Wattstunden kommt, steht im Powerbank-Rechner.
Zum Vergleich aus unseren eigenen Datensätzen: Eine Stirnlampe hat 3,27 bis 11,84 Wattstunden Akku, eine Campinglampe mit Powerbankfunktion bis zu 37. Die Lichterkette ist der größere Verbraucher als beide zusammen, sobald sie über 100 LEDs hat.
Fünf Stromquellen, fünf Kompromisse
- Batterie (2–3 × AA). Autark, billig, keine Kabel. Hält je nach Länge ein bis zwei Abende, dann liegt Müll im Zelt.
- USB. Die praktischste Lösung auf einem Zeltplatz: Sie hängt an derselben Powerbank wie alles andere, und man sieht am Ladestand, was sie kostet.
- Solar mit Akku. Klingt perfekt, hat aber einen Haken: Das Panel ist klein, und ein Tag mit Bewölkung reicht oft nicht für einen vollen Abend. Warum Solarleistung so stark schwankt, steht unter Solarpanel.
- 12 Volt. Für alle, die ohnehin eine Autobatterie oder Powerstation mit 12-V-Ausgang haben — der verlustärmste Weg, weil nicht auf 230 V gewandelt werden muss.
- 230 Volt. Braucht Landstrom oder einen Wechselrichter. Für eine 2,5-Watt-Kette ist das die technisch unsinnigste Variante: Der Wechselrichter selbst verbraucht im Leerlauf oft mehr als die Kette.
Die Empfehlung ist eindeutig: USB oder Batterie. Alles andere bindet die Lichterkette an eine Infrastruktur, die für sie viel zu groß ist.
Die Schutzart ist wichtiger als die Länge
Eine Lichterkette hängt draußen, und draußen regnet es. Die IP-Kennzeichnung ist hier keine Formalität:
- IP20 — für Innenräume. Auf einem Zeltplatz ungeeignet, auch unter einem Pavillon: Seitenregen erreicht dort alles.
- IP44 — Spritzwasser aus allen Richtungen. Das ist die Untergrenze für den Außeneinsatz.
- IP65 und höher — Strahlwasser. Für eine Kette, die drei Tage draußen bleibt, die richtige Wahl.
Der kritische Punkt ist nicht die Kette, sondern das Batteriefach oder der Stecker. Viele Ketten sind mit IP65 an den LEDs angegeben und haben ein Batteriefach ohne jede Schutzart. Das gehört dann in eine Tüte oder unter das Zeltdach.
Die Funktion, die niemand bewirbt
Auf einem Zeltplatz ist die häufigste Verletzung ein Sturz über eine Abspannleine. Eine gespannte Schnur in Kniehöhe ist nachts unsichtbar — das schreiben wir auch unter Zeltheringe.
Eine Lichterkette, die entlang der Abspannleinen oder am unteren Rand des Pavillons verläuft, macht genau diese Stolperfallen sichtbar. Das ist billiger als reflektierende Leinen und wirkt besser, weil es aktiv leuchtet statt nur zurückzustrahlen.
Zwei weitere praktische Effekte:
- Man findet das eigene Zelt wieder. Auf einem Feld mit tausend identischen Kuppeln ist ein eigenes Lichtmuster die zuverlässigste Markierung.
- Warmweiß zieht weniger Insekten als kaltweiß. Und die Kette gehört nicht direkt über den Tisch, sondern ein paar Meter daneben — dieselbe Logik wie beim Mückenschutz.
Was der Veranstalter dazu sagt
Zwei Punkte, die in die Campingordnung gehören und dort meistens auch stehen:
- Offenes Feuer und Kerzen sind auf Zeltplätzen so gut wie immer verboten. Eine LED-Lichterkette ist genau deshalb die richtige Lösung — sie wird nicht heiß und kann nichts entzünden.
- Stromentnahme aus Verteilern ist oft reglementiert oder kostenpflichtig. Eine Kette am eigenen Akku umgeht die Frage.
Aufhängen, ohne dass es nervt
- Am Pavillonrahmen entlang, mit Kabelbindern oder Klettbändern. Nicht am Dachstoff — der bewegt sich bei Wind und scheuert die Kabel durch.
- Nicht über Kopfhöhe im Durchgang. Ein Kabel auf Stirnhöhe ist dasselbe Problem wie eine Abspannleine auf Kniehöhe.
- Das Batteriefach oder die Powerbank hoch und trocken. Nicht auf den Boden, wo Wasser steht.
- Mit Zugentlastung. Ein Kabel, an dem der Wind zieht, reißt am Anschluss aus — eine Schlaufe am Anfang nimmt die Last.
- Vor dem Abbau ausstöpseln und aufrollen, bevor der Pavillon fällt. Das klingt selbstverständlich und ist es am Sonntagmorgen nicht, siehe Abbau und Abreise.
Warum hier keine Vergleichstabelle steht
Wir haben die Kategorie geprüft. Das Angebot besteht fast vollständig aus Verkäufermarken ohne Herstellerauftritt, und die beworbenen Angaben sind Länge, LED-Anzahl und Farbe. Was fehlt: Leistungsaufnahme in Watt, Schutzart getrennt für LEDs und Batteriefach, Akkukapazität, Laufzeit bei welcher Helligkeit.
Ohne Wattzahl lässt sich nicht rechnen, ohne getrennte Schutzart nicht beurteilen, ob sie draußen bleiben darf. Eine Tabelle aus Länge und LED-Anzahl wäre eine Abschrift von Werbetexten — dieselbe Begründung wie bei der Kühltasche und beim Mückenschutz.
Was wir noch nicht wissen
- Die tatsächliche Leistungsaufnahme. Unsere Rechnung oben arbeitet mit 0,05 bis 0,1 Watt je LED als Größenordnung. Mit einem USB-Messgerät ist der reale Wert in einer Minute gemessen, und das steht auf unserer Liste.
- Wie stark Dimmen den Verbrauch senkt. Bei LEDs nicht linear, und keine Packung sagt etwas dazu.
- Die Schutzart der Batteriefächer. Fast nie getrennt angegeben, obwohl genau dort das Wasser eindringt.
- Wie viel ein kleines Solarpanel an einem bewölkten Tag tatsächlich liefert. Das entscheidet über Solarketten, und es steht in keinem Datenblatt.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht eine Lichterkette?
Rechne mit 0,05 bis 0,1 Watt je LED. Eine 50er-Kette zieht damit rund 2,5 Watt und über fünf Stunden 12,5 Wattstunden — aus einer 20.000-mAh-Powerbank mit rund 74 Wattstunden sind das etwa sechs Abende. Eine 200er-Kette kommt auf 50 Wattstunden je Abend und leert dieselbe Powerbank in anderthalb Abenden. Die Wattzahl steht selten auf der Packung, ist aber die einzige Zahl, mit der sich planen lässt.
Welche Schutzart braucht eine Lichterkette draußen?
Mindestens IP44, also Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. IP20 ist für Innenräume und auch unter einem Pavillon ungeeignet, weil Seitenregen dort alles erreicht. Für eine Kette, die drei Tage draußen bleibt, ist IP65 die richtige Wahl. Entscheidend ist dabei ein Punkt, den viele Angaben verschweigen: Die Schutzart gilt oft nur für die LEDs, nicht für das Batteriefach — und genau dort dringt das Wasser ein.
Batterie, USB oder Solar bei der Lichterkette?
USB ist auf einem Zeltplatz die praktischste Lösung, weil die Kette an derselben Powerbank hängt wie alles andere und man am Ladestand sieht, was sie kostet. Batterie ist autark und billig, produziert aber nach ein bis zwei Abenden Müll. Solar klingt ideal, hat aber kleine Panels — ein bewölkter Tag reicht oft nicht für einen vollen Abend. 230 Volt über einen Wechselrichter ist bei 2,5 Watt technisch unsinnig, weil der Wechselrichter im Leerlauf mehr verbraucht als die Kette.
Sind Lichterketten auf Festivals erlaubt?
In aller Regel ja — anders als offenes Feuer und Kerzen, die auf Zeltplätzen so gut wie immer verboten sind. Genau deshalb ist eine LED-Lichterkette die richtige Lösung: Sie wird nicht heiß und kann nichts entzünden. Zu klären ist nur die Stromfrage, wenn sie an einen Verteiler soll — Stromentnahme ist auf vielen Geländen reglementiert oder kostenpflichtig. Eine Kette am eigenen Akku umgeht das.
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