Fillpower erklärt: was cuin über einen Daunenschlafsack sagt

Bei Daunenschlafsäcken steht eine Zahl im Vordergrund, die ohne eine zweite nichts wert ist. Das ist kein Werbetrick, sondern ein verbreitetes Missverständnis.

Was Fillpower misst

Fillpower ist die Bauschkraft der Daune: wie viel Volumen eine bestimmte Menge Daune einnimmt, nachdem sie zusammengedrückt wurde und sich wieder entfaltet hat.

Gemessen wird in cuin — Kubikzoll je Unze. Eine Unze Daune mit 800 cuin füllt also 800 Kubikzoll, eine mit 600 cuin entsprechend weniger.

Hohe Fillpower heißt: mehr Volumen je Gramm. Und Volumen heißt eingeschlossene Luft, und eingeschlossene Luft ist die Isolation. Die Daune selbst wärmt nicht — die Luft darin tut es.

Warum die Zahl allein nichts sagt

Zwei Schlafsäcke zum Vergleich:

Sack A Sack B
Fillpower 800 cuin 600 cuin
Füllmenge 300 g 600 g
Gesamtvolumen (grob) 240 Einheiten 360 Einheiten

Sack B ist wärmer, obwohl seine Fillpower niedriger ist. Er ist nur schwerer und größer im Packmaß.

Daraus die Regel: Fillpower sagt etwas über Gewicht und Packmaß, Füllmenge über Wärme. Wer nur die eine Zahl nennt, nennt die halbe Information.

Was die Werte bedeuten

cuin Einordnung
unter 500 einfache Qualität, oft mit hohem Federanteil
600 bis 700 guter Gebrauchswert, übliches Mittelfeld
750 bis 850 hochwertig, deutlich leichter bei gleicher Wärme
über 850 Spitzenbereich, entsprechend teuer

Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Es gibt zwei gebräuchliche Prüfverfahren, ein europäisches und ein amerikanisches, und sie liefern unterschiedliche Zahlen für dieselbe Daune. Ohne Angabe des Verfahrens sind zwei cuin-Werte nicht sicher vergleichbar — dasselbe Problem wie bei der Wassersäule.

Die dritte Zahl: das Mischungsverhältnis

„90/10″ bedeutet 90 Prozent Daune und 10 Prozent Federn. Das ist keine Fillpower, sondern eine Zusammensetzung — und beide stehen oft nebeneinander, ohne dass der Unterschied erklärt wird.

  • Daunen sind dreidimensional und schließen Luft ein.
  • Federn haben einen Kiel, sind flach und schwer, stützen aber.
  • Ein höherer Federanteil senkt Preis und Bauschkraft und erhöht das Gewicht.

Was für den Festivaleinsatz zählt

Ehrlich gesagt: wenig. Daune hat auf einem deutschen Festivalplatz zwei Nachteile, die schwerer wiegen als ihre Vorzüge.

  1. Nass ist sie wertlos. Verklumpte Daune schließt keine Luft mehr ein — und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas nass wird, ist auf einer Wiese hoch.
  2. Sie trocknet langsam. Deutlich langsamer als Kunstfaser, und auf dem Platz gibt es keinen Trockner.

Dem steht gegenüber, dass Daune bei gleicher Wärme leichter ist und kleiner packt. Das zählt beim Trekking mit Rucksack — auf fünfhundert Metern vom Parkplatz zum Zelt kaum.

Die Abwägung im Einzelnen steht unter Daunenschlafsack, die Temperaturangaben ordnet der Schlafsack-Temperatur-Checker ein.

Worauf es stattdessen ankommt

Für die Wärme einer Nacht zählt in dieser Reihenfolge:

  1. Die Unterlage. Nach unten isoliert kein Schlafsack, weil die Füllung unter dem Körpergewicht zusammengedrückt wird — siehe R-Wert erklärt.
  2. Die Komforttemperatur nach EN ISO 23537, nicht die Extremzahl auf der Packung.
  3. Die Passform. Zu viel Luftraum muss mitgeheizt werden, siehe Mumienschlafsack.
  4. Erst dann die Füllung.

Was wir noch nicht wissen

  • Das Prüfverfahren hinter den cuin-Angaben. In unserem Feld nennt es kein Hersteller — damit sind die Zahlen untereinander nur eingeschränkt vergleichbar.
  • Die Füllmenge in Gramm. Steht seltener dabei als die Fillpower, ist für die Wärme aber die wichtigere Zahl.
  • Wie schnell Daune auf einer Wiese wieder trocknet. Das wäre mit einer Waage und einem Wochenende messbar und steht auf der Liste.

Häufige Fragen

Was bedeutet Fillpower bei Daunen?

Die Bauschkraft: wie viel Volumen eine bestimmte Menge Daune einnimmt, nachdem sie zusammengedrückt wurde und sich wieder entfaltet hat. Gemessen wird in cuin, also Kubikzoll je Unze. Hohe Fillpower heißt mehr Volumen je Gramm — und Volumen heißt eingeschlossene Luft, die eigentliche Isolation. Die Daune selbst wärmt nicht, die Luft darin tut es.

Ist 800 cuin wärmer als 600 cuin?

Nicht zwangsläufig. Fillpower sagt etwas über Gewicht und Packmaß, die Wärme hängt an der Füllmenge. Ein Sack mit 800 cuin und 300 Gramm Füllung hat rund 240 Volumeneinheiten, einer mit 600 cuin und 600 Gramm rund 360 — der zweite ist wärmer, nur schwerer und größer im Packmaß. Ohne die Grammangabe daneben ist die cuin-Zahl die halbe Information.

Was heißt 90/10 beim Schlafsack?

Das Mischungsverhältnis der Füllung: 90 Prozent Daune, 10 Prozent Federn. Daunen sind dreidimensional und schließen Luft ein, Federn haben einen Kiel, sind flach und schwer, stützen aber. Ein höherer Federanteil senkt Preis und Bauschkraft und erhöht das Gewicht. Das ist eine andere Angabe als die Fillpower, auch wenn beide oft nebeneinanderstehen.

Lohnt sich Daune auf dem Festival?

Meist nicht. Nasse Daune verklumpt und schließt keine Luft mehr ein — sie ist dann wertlos, und auf einer Wiese ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas nass wird. Dazu trocknet sie deutlich langsamer als Kunstfaser, und auf dem Platz gibt es keinen Trockner. Ihr Vorteil, bei gleicher Wärme leichter zu sein und kleiner zu packen, zählt beim Trekking mit Rucksack — auf fünfhundert Metern vom Parkplatz kaum.

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