Stromkabel auf dem Campingplatz: die Trommel gehört komplett abgerollt

Landstrom ist auf einem Campingplatz normal und auf einem Festivalgelände selten. Wo es ihn gibt, entscheidet das Kabel darüber, ob alles funktioniert — und in einem Fall darüber, ob es brennt.

Die Regel, die am häufigsten gebrochen wird

Eine Kabeltrommel gehört vollständig abgerollt, bevor Last darauf kommt.

Der Grund ist Wärme. Ein Kabel unter Strom erwärmt sich; das ist normal und unkritisch, solange die Wärme abgeführt wird. Aufgerollt liegen die Windungen dicht beieinander und heizen sich gegenseitig auf — die Wärme kommt aus der Mitte der Rolle nicht heraus.

Deshalb stehen auf ordentlichen Kabeltrommeln zwei Leistungsangaben, und der Unterschied ist drastisch:

Zustand typische Angabe
vollständig abgerollt 3.000–3.500 W
aufgerollt 1.000–1.200 W

Rund ein Drittel. Ein Wasserkocher auf einer aufgerollten Trommel ist kein Grenzfall, sondern ein Überlastfall. Maßgeblich ist immer die Angabe auf der jeweiligen Trommel.

CEE oder Schuko

Auf Campingplätzen ist der blaue CEE-Stecker Standard — 230 Volt, 16 Ampere, dreipolig, mit Verriegelung und Dichtung.

  • Er ist für den Außeneinsatz gebaut. Eine Schuko-Kupplung im nassen Gras ist es nicht.
  • Er ist verdrehsicher und lässt sich nicht halb eingesteckt betreiben.
  • Am Platz braucht man oft beides: CEE zum Verteiler, dann ein Adapter auf Schuko am Zelt.

Der Adapter ist die kritische Stelle. Er gehört hochgelegt und trocken, nicht auf den Boden. Eine wasserdichte Kabelbox kostet wenig und löst genau dieses Problem.

Querschnitt und Länge: die Rechnung zum Spannungsfall

Ein langes Kabel hat Widerstand, und Widerstand kostet Spannung. Der Spannungsfall auf einer Leitung ist:

ΔU = 2 · L · I · ρ / A

mit L = Länge in Metern, I = Strom in Ampere, ρ = 0,0175 Ω·mm²/m für Kupfer und A = Querschnitt in mm². Die 2 steht für Hin- und Rückleiter.

Länge Querschnitt bei 10 A Spannungsfall Anteil von 230 V
25 m 1,5 mm² 10 A 5,8 V 2,5 %
50 m 1,5 mm² 10 A 11,7 V 5,1 %
50 m 2,5 mm² 10 A 7,0 V 3,0 %
50 m 1,5 mm² 16 A 18,7 V 8,1 %

Bei 50 Metern und 1,5 mm² ist die Grenze erreicht. Wer weiter oder mit mehr Strom will, nimmt 2,5 mm² — das Kabel ist schwerer und teurer, aber die Rechnung ist eindeutig.

Praktisch merkt man einen zu hohen Spannungsfall daran, dass Geräte nicht die volle Leistung bringen, Motoren heißer werden und die Kupplung am Ende warm wird.

Welches Kabel draußen darf

  • H07RN-F ist die Gummischlauchleitung für den Außeneinsatz: UV-beständig, kältefest, mechanisch robust. Das ist die Bauart, die auf einem Platz liegen darf.
  • Baumarkt-Verlängerungen mit dünner PVC-Isolierung sind für Innenräume. Sie werden im Sonnenlicht spröde und bei Kälte hart.
  • Kupplungen mit IP44 aufwärts. Alles darunter gehört nicht ins Gras.
  • Ein Personenschutzstecker (RCD) ist die sinnvollste Ergänzung überhaupt. Er kostet wenig und schaltet ab, bevor ein Fehlerstrom gefährlich wird — auf einer nassen Wiese mit Metallheringen ein echtes Argument.

Wo das Kabel liegen darf

  1. Nicht über Wege. Ein Kabel quer über den Gang ist eine Stolperfalle und wird von jedem Bollerwagen überfahren.
  2. Nicht unter der Zeltplane. Dort drückt Gewicht darauf, und eine gequetschte Isolierung sieht man nicht.
  3. Nicht aufgerollt. Siehe oben.
  4. Kupplungen hoch. An einer Zeltstange oder in einer Box, nicht im Gras, wo Wasser steht.
  5. Am Verteiler ordentlich stecken. Ein halb eingesteckter Stecker macht Übergangswiderstand, und Übergangswiderstand macht Wärme.
  6. Abdecken oder markieren, wo es doch über einen Weg muss — eine Kabelbrücke oder zumindest etwas Auffälliges.

Auf einem Festival gibt es das alles meistens nicht

Das ist der Punkt, an dem diese Seite ihre eigene Voraussetzung infrage stellt: Die allermeisten Festival-Zeltplätze haben keinen Landstrom. Was es gibt, sind Wasserzapfstellen und Dixis.

Wo doch Strom angeboten wird, ist er oft reglementiert, kostenpflichtig und auf wenige Ampere begrenzt. Was gilt, steht in der Campingordnung — und wer plant, klärt es vorher.

Für alle anderen Fälle ist die Antwort eine Powerstation, und die Auslegung dafür steht unter Powerstation ab 1.000 Watt und kleine Powerstation.

Generatoren

Auf Festival-Zeltplätzen sind Stromerzeuger in aller Regel verboten — wegen Lärm, Abgasen und Brandgefahr. Das steht in praktisch jeder Campingordnung.

Und es gibt einen Grund, der schwerer wiegt als das Verbot: Verbrennungsmotoren erzeugen Kohlenmonoxid. Ein Generator neben oder gar in einem Vorzelt ist lebensgefährlich, weil CO geruchlos ist und sich in geschlossenen Räumen sammelt. Dasselbe gilt für Gasgeräte im Zelt.

Was wir noch nicht wissen

  • Wie stark sich eine aufgerollte Trommel real erwärmt. Der Effekt ist unstrittig und die Herstellerangaben unterscheiden sich um den Faktor drei — eine eigene Messung mit Thermometer und definierter Last steht auf unserer Liste.
  • Wie verbreitet Landstrom auf deutschen Festivalgeländen ist. Wir fragen das bei den Veranstaltern ab, zusammen mit der Frage nach der Entsorgungsstation.
  • Der reale Übergangswiderstand an Adaptern. Plausibel relevant, nicht gemessen.
  • Diese Seite ersetzt keine Elektrofachkraft. Wir beschreiben Rechenwege und Bauteilarten, keine Installationsanweisung. Im Zweifel fragt man jemanden, der es gelernt hat.

Häufige Fragen

Muss man eine Kabeltrommel komplett abrollen?

Ja, bevor nennenswerte Last darauf kommt. Aufgerollt liegen die Windungen dicht beieinander und heizen sich gegenseitig auf, weil die Wärme aus der Mitte der Rolle nicht abgeführt wird. Ordentliche Trommeln nennen deshalb zwei Werte: typischerweise 3.000 bis 3.500 Watt abgerollt und nur 1.000 bis 1.200 Watt aufgerollt — rund ein Drittel. Maßgeblich ist immer die Angabe auf der jeweiligen Trommel.

Welchen Querschnitt braucht ein Campingkabel?

Bis 25 Meter reichen 1,5 Quadratmillimeter. Bei 50 Metern und 10 Ampere liegt der Spannungsfall mit 1,5 mm² schon bei 11,7 Volt, also rund 5 Prozent von 230 Volt — das ist die übliche Grenze. Bei 16 Ampere wären es 18,7 Volt und damit 8 Prozent. Wer 50 Meter oder mehr Strom braucht, nimmt 2,5 Quadratmillimeter: Dort sinkt der Spannungsfall bei 50 Metern und 10 Ampere auf 7 Volt.

CEE oder Schuko auf dem Campingplatz?

CEE zum Verteiler, Schuko erst am Zelt. Der blaue CEE-Stecker mit 230 Volt und 16 Ampere ist für den Außeneinsatz gebaut, verriegelt, gedichtet und verdrehsicher — eine Schuko-Kupplung im nassen Gras ist nichts davon. Meist braucht man beides und dazwischen einen Adapter; genau der ist die kritische Stelle und gehört hochgelegt und trocken, am besten in eine wasserdichte Kabelbox.

Welches Kabel darf draußen liegen?

Eine Gummischlauchleitung vom Typ H07RN-F: UV-beständig, kältefest und mechanisch robust. Verlängerungen mit dünner PVC-Isolierung aus dem Baumarkt sind für Innenräume — sie werden in der Sonne spröde und bei Kälte hart. Kupplungen sollten mindestens IP44 haben. Die sinnvollste Ergänzung ist ein Personenschutzstecker, der bei Fehlerstrom abschaltet: auf einer nassen Wiese mit Metallheringen ein echtes Argument.

Gibt es auf Festivals Landstrom?

Auf den allermeisten Zeltplätzen nicht. Was es gibt, sind Wasserzapfstellen und Dixis. Wo Strom angeboten wird, ist er oft reglementiert, kostenpflichtig und auf wenige Ampere begrenzt — was gilt, steht in der Campingordnung. Generatoren sind fast überall verboten, und zwar aus einem Grund, der schwerer wiegt als das Verbot: Verbrennungsmotoren erzeugen geruchloses Kohlenmonoxid, das sich in geschlossenen Räumen sammelt.

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