Solar oder Landstrom? Auf dem Festival gewinnt meistens keiner

Wer eine Powerstation mitnimmt, braucht einen Plan, wie sie wieder voll wird. Es gibt zwei, und beide haben auf einem Festivalgelände einen Haken, den man vorher kennen sollte.

Die kurze Antwort

Solar Landstrom
Verfügbar überall, aber wetterabhängig nur wo es ihn gibt
Ertrag je Tag unter 100 bis 500 Wh beliebig
Platzbedarf hoch, in der Sonne gering
Diebstahlrisiko hoch gering
Kosten vor Ort keine Gebühr, oft je Tag
Erlaubt meist ja oft nur im Wohnmobilbereich

Was ein Panel wirklich liefert

Die Wattzahl auf dem Panel ist eine Laborangabe: gemessen bei 1.000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur und senkrechtem Lichteinfall. Auf einer Wiese in Deutschland kommt davon ein Teil an.

Bedingung 100-W-Panel, flach liegend
Klarer Sommertag, nachgeführt 400 bis 500 Wh
Klarer Tag, fest liegend 300 bis 400 Wh
Wechselhaft 150 bis 250 Wh
Bedeckt 50 bis 100 Wh

Drei Dinge drücken den Ertrag zusätzlich, und alle drei treffen auf einem Zeltplatz zu:

  • Teilverschattung wirkt überproportional. Ein Schatten über einer Zellreihe kostet nicht den Anteil der Fläche, sondern einen erheblichen Teil der Leistung des ganzen Strangs — und auf einem vollen Platz wandert den ganzen Tag ein Schatten durchs Bild.
  • Hitze kostet Leistung. Eine heiße Zelle liefert weniger als eine kühle, und ein Panel auf einer Sommerwiese wird sehr heiß.
  • Niemand richtet nach. Flach liegend verliert man gegenüber optimaler Ausrichtung spürbar.

Welche Zahlen vor dem Kauf zählen, steht unter Solarpanel im Vergleich.

Die Gegenrechnung

Dem steht der Bedarf gegenüber:

  • Vier Telefone laden: rund 70 Wh am Tag → Solar reicht auch bei Bewölkung
  • Dazu eine Bluetooth-Box den ganzen Tag: plus 50 bis 150 Wh → Solar reicht an einem normalen Tag
  • Kompressor-Kühlbox: 220 bis 540 Wh am Tag → ein 100-W-Panel reicht nicht verlässlich, siehe Kompressor oder thermoelektrisch
  • Thermoelektrische Box: rund 1.080 Wh am Tag → aussichtslos

Die Grenze liegt also ziemlich genau bei der Kühlung. Alles, was nur geladen wird, schafft Solar. Alles, was dauerhaft läuft, nicht.

Und der Haken am Landstrom

Er ist einfacher, aber nicht überall zu haben.

  • Auf dem normalen Zeltplatz gibt es ihn in der Regel nicht. Stromanschlüsse sind meist dem Wohnmobil- oder Caravanbereich vorbehalten, oft gegen Tagesgebühr.
  • Wo es ihn gibt, ist es eine CEE-Dose, kein Schuko. Ohne Adapter steht man davor.
  • Das Kabel muss für draußen taugen — H07RN-F, vollständig abgerollt, Kupplung trocken und erhöht. Die Details stehen unter Stromkabel.
  • Bei langen Leitungen fällt Spannung ab. Was das für den Querschnitt bedeutet, rechnet Kabelquerschnitt und Spannungsfall vor.
  • Verbindlich ist die Campingordnung. Sie regelt auch, ob eine Powerstation überhaupt mitdarf, siehe Powerstation auf dem Campingplatz.

Die dritte Antwort, die meistens die richtige ist

Keines von beidem — sondern genug Speicher für drei Tage.

Ein Festivalwochenende dauert drei bis vier Tage. In dieser Zeit lohnt sich keine Infrastruktur, sondern nur eine ausreichend große Ladung von zu Hause:

Solar lohnt ab etwa einer Woche, und dann auch nur, wenn jemand auf das Panel aufpasst. Ein Panel auf einer Festivalwiese ist unbewacht, sichtbar und leicht zu tragen.

Was wir noch nicht wissen

  • Reale Tageserträge auf einem Festivalgelände. Mit einem Energiezähler über drei Tage gut messbar und auf unserer Liste.
  • Wie viele deutsche Festivals Landstrom auf dem Zeltplatz anbieten. Das fragen wir für unsere Veranstalterübersicht ab.
  • Den Wirkungsgrad der Laderegler in unserem Feld. Angegeben wird er fast nie, und er entscheidet, wie viel vom Panelertrag im Speicher ankommt.

Häufige Fragen

Wie viel liefert ein 100-Watt-Solarpanel am Tag?

An einem klaren Sommertag flach liegend 300 bis 400 Wattstunden, nachgeführt 400 bis 500, bei wechselhaftem Wetter 150 bis 250 und bei bedecktem Himmel nur 50 bis 100. Die Wattzahl auf dem Panel ist eine Laborangabe bei 1.000 W/m², 25 Grad Zelltemperatur und senkrechtem Lichteinfall — auf einer Wiese in Deutschland kommt davon ein Teil an.

Reicht Solar für eine Kühlbox?

Für eine Kompressorbox mit 220 bis 540 Wattstunden am Tag reicht ein 100-Watt-Panel nicht verlässlich — an einem bedeckten Tag liefert es unter 100. Für eine thermoelektrische Box mit rund 1.080 Wattstunden ist es aussichtslos. Die Grenze liegt ziemlich genau bei der Kühlung: Alles, was nur geladen wird, schafft Solar; alles, was dauerhaft läuft, nicht.

Gibt es auf Festival-Zeltplätzen Landstrom?

In der Regel nicht. Stromanschlüsse sind meist dem Wohnmobil- oder Caravanbereich vorbehalten, oft gegen Tagesgebühr. Wo es ihn gibt, ist es eine CEE-Dose und keine Schuko-Steckdose — ohne Adapter steht man davor. Das Kabel muss außerdem für draußen taugen, vollständig abgerollt sein und die Kupplung trocken und erhöht liegen.

Lohnt sich ein Solarpanel fürs Festival?

Für drei bis vier Tage selten. In dieser Zeit lohnt sich keine Infrastruktur, sondern eine ausreichend große Ladung von zu Hause: Eine volle kleine Powerstation mit 250 Wattstunden deckt vier Telefone über das ganze Wochenende, zwei 20.000er Powerbanks tun dasselbe für ein Fünftel des Preises. Solar rechnet sich ab etwa einer Woche — und auch dann nur, wenn jemand auf das Panel aufpasst.

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