Auf einem Festival ist das Telefon Ticket, Bezahlmittel, Taschenlampe und Notrufgerät. Und es hält kürzer als zu Hause — aus zwei Gründen, die man beide kennt, aber meist falsch gewichtet.
Wohin die Energie geht
Ein modernes Telefon hat etwa 4.000 bis 5.000 mAh bei 3,85 Volt, also grob 15 bis 19 Wattstunden. Warum man in Wattstunden rechnen muss und nicht in Milliamperestunden, steht unter Wattstunden oder Amperestunden.
Diese Energie verteilt sich sehr ungleich:
- Das Display — bei voller Helligkeit im Sonnenlicht der größte Einzelverbraucher.
- Das Mobilfunkmodul bei schlechtem Empfang — und das ist der Punkt, den fast alle unterschätzen.
- Alles andere: Apps, Hintergrunddienste, Bluetooth, GPS. Zusammen deutlich weniger als die beiden ersten.
Warum schlechter Empfang so teuer ist
Ein Telefon regelt seine Sendeleistung nach Bedarf. Bei gutem Empfang sendet es mit einem Bruchteil, bei einem Balken mit voller Leistung — und sucht dazwischen permanent nach einer besseren Zelle.
Auf einem Festivalgelände ist genau das der Normalzustand: zehntausende Geräte an wenigen überlasteten Funkzellen. Das Telefon sendet stark, findet keine Kapazität, versucht es wieder.
Deshalb ist der Flugmodus die mit Abstand stärkste Einzelmaßnahme, und zwar jedes Mal, wenn man das Telefon ohnehin nicht braucht: beim Konzert, nachts, beim Aufbau.
- Nachts durchgehend Flugmodus. Acht Stunden Zellensuche kosten spürbar mehr als acht Stunden Standby.
- Tagsüber in Blöcken. Zweimal am Tag zwanzig Minuten online reicht für die meisten.
- Wenn das Netz ohnehin nicht geht, kostet der Versuch trotzdem Energie — dann erst recht Flugmodus.
- Zum Fotografieren muss das Telefon nicht online sein.
Eine Einschränkung: Im Flugmodus geht kein Notruf. Wer allein unterwegs ist, hält deshalb feste Zeiten ab, zu denen er erreichbar ist — und das vorher mit der Gruppe absprechen, siehe Notfall: wen rufen.
Das Display
- Automatische Helligkeit aus, manuell auf etwa die Hälfte. Die Automatik regelt bei Sonne auf Maximum, und das ist der teuerste Zustand.
- Bildschirm-Timeout auf 15 oder 30 Sekunden.
- Dunkelmodus — bei OLED-Displays messbar, bei LCD praktisch wirkungslos.
- Always-on-Display aus.
- Nicht als Taschenlampe benutzen. Eine Stirnlampe hat einen eigenen Akku, leuchtet besser und lässt beide Hände frei.
Kälte: der Akku ist nicht leer
Nachts fällt die Temperatur im Zelt auf einstellige Werte, und das Telefon zeigt plötzlich 20 Prozent oder schaltet ab. Das ist kein Defekt.
Bei Kälte steigt der Innenwiderstand der Lithium-Zelle, die Spannung bricht unter Last ein, und die Elektronik meldet „leer“. Erwärmt sich das Gerät wieder, ist ein großer Teil der Ladung zurück.
- Nachts ins Fußende des Schlafsacks, nicht in die Jackentasche im Vorzelt.
- Nicht laden, solange es kalt ist. Laden unter etwa 0 Grad schädigt Lithium-Zellen dauerhaft — das Prinzip dahinter steht unter Akkus lagern.
- Umgekehrt im Sommer: Hitze im Zelt erreicht über 40 Grad, siehe Hitze im Zelt — ein Telefon in der Sonne drosselt und altert schneller.
Was eine Powerbank wirklich liefert
Die Zahl auf dem Gehäuse ist die Zellkapazität, nicht das, was herauskommt:
| Rechnung | |
|---|---|
| Aufdruck | 20.000 mAh |
| Zellspannung | × 3,7 V = 74 Wh |
| nach Wandlung auf 5 V | rund 55 Wh real |
| Telefon mit 17 Wh | etwa 3 Ladungen |
Nicht fünf, wie die Zahlen nahelegen. Die vollständige Rechnung macht der Powerbank-Rechner; welche Modelle das halten, steht unter Powerbank 20.000 mAh.
Beim Laden selbst: kurzes Kabel, Ladegerät mit USB-C PD, und das Telefon währenddessen nicht benutzen. Kabellos laden kostet zusätzlich ein Fünftel bis ein Viertel der Energie als Wärme — auf dem Zeltplatz ist das der falsche Ort dafür, siehe MagSafe-Powerbank.
Was wenig bis nichts bringt
- Apps von Hand schließen. Das System verwaltet den Speicher selbst; erzwungenes Beenden führt oft zum Neustart der App und kostet mehr.
- Bluetooth aus. Modernes Bluetooth verbraucht im Leerlauf sehr wenig — und ohne Bluetooth geht der Lautsprecher nicht.
- „Akku-Optimierer“-Apps. Sie laufen selbst dauerhaft und sind damit ein zusätzlicher Verbraucher.
- WLAN aus, wenn es ein WLAN gibt. WLAN ist sparsamer als Mobilfunk — wo Netz ist, lässt man es an.
Was wir noch nicht wissen
- Wie viel der Flugmodus auf einem überlasteten Gelände tatsächlich spart. Die Wirkungsrichtung ist klar, die Zahl messen wir noch — mit zwei gleichen Geräten wäre es ein sauberer Vergleich.
- Die reale Ausbeute der Powerbanks in unserem Feld. Angegeben ist fast überall nur die Zellkapazität; eine gemessene Ausgangsenergie nennt kaum ein Hersteller.
- Wie stark Telefone bei 5 Grad einbrechen. Gerätespezifisch und nirgends angegeben.
Häufige Fragen
Warum ist der Handyakku auf dem Festival so schnell leer?
Wegen des schlechten Empfangs. Ein Telefon regelt seine Sendeleistung nach Bedarf — bei gutem Empfang sendet es mit einem Bruchteil, bei einem Balken mit voller Leistung und sucht dazwischen permanent nach einer besseren Zelle. Auf einem Gelände mit zehntausenden Geräten an wenigen überlasteten Funkzellen ist das der Normalzustand. Der zweite große Verbraucher ist das Display bei voller Helligkeit.
Bringt der Flugmodus wirklich etwas?
Ja, es ist die stärkste Einzelmaßnahme. Er beendet die permanente Suche nach einer Funkzelle und das Senden mit voller Leistung. Besonders lohnt er sich nachts — acht Stunden Zellensuche kosten spürbar mehr als acht Stunden Standby — und immer dann, wenn das Netz ohnehin nicht funktioniert. Eine Einschränkung: Im Flugmodus geht kein Notruf, deshalb in der Gruppe feste Zeiten absprechen.
Warum geht das Handy bei Kälte aus, obwohl es noch Ladung hat?
Weil bei Kälte der Innenwiderstand der Lithium-Zelle steigt und die Spannung unter Last einbricht — die Elektronik meldet dann „leer“, obwohl die Ladung da ist. Erwärmt sich das Gerät wieder, ist ein großer Teil davon zurück. Deshalb gehört das Telefon nachts ins Fußende des Schlafsacks. Und es sollte nicht geladen werden, solange es kalt ist: Laden unter etwa 0 Grad schädigt Lithium-Zellen dauerhaft.
Wie oft lädt eine 20.000-mAh-Powerbank ein Handy?
Etwa dreimal, nicht fünfmal. 20.000 mAh sind bei 3,7 Volt Zellspannung rund 74 Wattstunden; nach der Wandlung auf die 5 Volt am Ausgang bleiben real um die 55 Wattstunden. Ein Telefon mit 4.500 mAh bei 3,85 Volt braucht rund 17 Wattstunden je Ladung. Der Aufdruck nennt die Zellkapazität, nicht die nutzbare Ausgangsenergie.
