IP-Schutzarten: was IPX4, IP65 und IPX7 wirklich zusagen

„Wasserdicht“ steht auf vielen Verpackungen. Was tatsächlich geprüft wurde, steht in zwei Ziffern daneben — und die sagen etwas völlig anderes, als die meisten annehmen.

Woher die Angabe kommt

Die IP-Schutzart ist in IEC 60529 genormt, in Deutschland als DIN EN 60529. Sie beschreibt, wie gut ein Gehäuse zwei Dinge fernhält: Fremdkörper und Wasser. Jede Ziffer steht für eine eigene Prüfung.

IP65 heißt also nicht „Stufe 65″, sondern: 6 bei den Fremdkörpern, 5 beim Wasser.

Die erste Ziffer: Staub

Ziffer schützt gegen
0 nichts
1 bis 3 große bis kleine Fremdkörper, Werkzeuge, Drähte
4 Körper ab 1 mm
5 Staub in schädigender Menge — etwas darf hinein
6 staubdicht

Auf einem Zeltplatz ist das relevanter, als es klingt. Eine trockene Wiese im August ist eine Staubquelle, und Staub in einem Lüfter oder einer Buchse bleibt dort.

Die zweite Ziffer: Wasser

Ziffer Prüfung heißt praktisch
1 bis 3 Tropfen, Sprühwasser bis 60° Nieselregen
4 Spritzwasser aus allen Richtungen Regen
5 Strahlwasser aus einer Düse starker Regen, Abspritzen
6 starkes Strahlwasser Schwall, Sturmregen
7 zeitweiliges Untertauchen, 1 m, 30 Minuten fällt in die Pfütze
8 dauerndes Untertauchen, Bedingungen legt der Hersteller fest nur mit Zusatzangabe aussagekräftig

Drei Missverständnisse

Das X ist keine Null

Bei IPX4 steht das X für „nicht geprüft“, nicht für „kein Schutz“. Der Hersteller hat die Staubprüfung schlicht nicht durchführen lassen — häufig, weil sie für das Produkt unwichtig ist oder Geld kostet.

Für uns bedeutet ein X: unbekannt. Wir tragen es als fehlenden Wert ein, nicht als Null.

Die höhere Zahl schließt die niedrigere nicht automatisch ein

Das ist der häufigste Irrtum. IPX7 bedeutet untertauchbar — aber nicht zwingend strahlwasserfest.

Der Grund ist die Prüfung selbst: Beim Untertauchen wirkt gleichmäßiger Druck von allen Seiten. Ein Strahl trifft punktuell und kann an einer Dichtung vorbeidrücken, die dem gleichmäßigen Druck standhält. Deshalb nennen Hersteller, die beides geprüft haben, auch beides: IPX5/IPX7.

Steht nur eine Angabe da, gilt nur diese.

Geprüft heißt neu und geschlossen

  • Mit geschlossenen Klappen. Eine offene USB-Buchse ist keine geprüfte Buchse. Praktisch heißt das: Beim Laden im Regen ist die Schutzart weg.
  • Im Neuzustand. Dichtungen altern, Gummilippen werden hart, Sand im Falz hält die Klappe einen Millimeter offen.
  • Mit sauberem Wasser. Die Norm prüft Wasser, nicht Bier, nicht Schlamm, nicht Salzwasser.

Was auf einer Wiese tatsächlich zählt

Gerät sinnvolle Untergrenze warum
Lichterkette, Außenlampe IP44 hängt im Regen, wird nicht bewegt
Campinglampe, Stirnlampe IPX4 Regen ja, Untertauchen unnötig
Bluetooth-Box IPX5 bis IPX7 steht im Nassen, fällt um
Handy in der Hülle IPX7 der Fall in die Pfütze ist der Normalfall
Powerstation — praktisch nie angegeben, gehört trocken und erhöht

Die letzte Zeile ist kein Versehen: In unserem Powerstation-Feld nennt kein Hersteller eine Schutzart, obwohl die Geräte draußen stehen. Was daraus folgt, steht unter Powerstation auf dem Campingplatz.

Was die Angabe nicht abdeckt

  • Stöße und Stürze. Dafür gibt es eigene Prüfungen, etwa in ANSI/PLATO FL 1 für Lampen — siehe Lumen, Lux und Candela.
  • Dauerhafte Nässe. Eine Nacht auf nassem Gras ist keine Prüfbedingung.
  • Kälte und Hitze. Eine Dichtung bei 2 Grad verhält sich anders als bei 25.
  • Das Ladegerät. Die Schutzart gilt für das Gerät, nicht für das Netzteil daneben.

Was wir noch nicht wissen

  • Ob gleichzeitig auf Strahlwasser und Untertauchen geprüft wurde. Die meisten Datenblätter nennen eine Ziffer und lassen offen, ob die andere Prüfung stattfand.
  • Wie lange die Schutzart hält. Keine Angabe nennt eine Alterung der Dichtungen, obwohl genau daran Geräte scheitern.
  • Die Schutzart der meisten Powerstations. In unserem Feld praktisch durchgängig nicht angegeben.

Häufige Fragen

Was bedeutet IPX4?

Das X steht für „nicht geprüft“, nicht für „kein Schutz“ — die Staubprüfung wurde schlicht nicht durchgeführt. Die 4 bedeutet Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen, also gegen Regen. Für eine Campinglampe oder Stirnlampe ist das die sinnvolle Untergrenze. Grundlage ist IEC 60529, in Deutschland DIN EN 60529.

Ist IPX7 besser als IPX5?

Nicht automatisch, und das ist der häufigste Irrtum. IPX7 heißt untertauchbar für 30 Minuten in einem Meter Tiefe, IPX5 heißt strahlwasserfest. Beim Untertauchen wirkt gleichmäßiger Druck von allen Seiten, ein Strahl trifft punktuell und kann an einer Dichtung vorbeidrücken. Wer beides geprüft hat, nennt auch beides — dann steht dort IPX5/IPX7. Steht nur eine Angabe da, gilt nur diese.

Was heißen die beiden Ziffern bei IP65?

Die erste Ziffer gilt für Fremdkörper, die zweite für Wasser. Die 6 bedeutet staubdicht, die 5 strahlwasserfest. Es ist also keine Stufe 65, sondern zwei getrennte Prüfungen nebeneinander. Bei der ersten Ziffer reicht die Skala von 0 bis 6, bei der zweiten von 0 bis 8 — plus Sonderstufen für Hochdruckreinigung.

Gilt die IP-Schutzart auch mit offener Ladeklappe?

Nein. Geprüft wird im Neuzustand mit geschlossenen Abdeckungen. Eine offene USB-Buchse ist keine geprüfte Buchse — beim Laden im Regen ist die Schutzart also weg. Dazu kommt, dass Dichtungen altern und Sand im Falz die Klappe einen Millimeter offen hält. Die Angabe beschreibt den Auslieferungszustand, nicht das Gerät nach zwei Saisons.

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